Es war kurz vor Mittsommer in Schweden. Mit einer Gruppe von Freunden wohnte ich eine Woche lang in einem hübschen Holzhaus auf dem Land. Die Tage verbrachten wir damit, die wilde Natur um uns herum zu erkunden – zu Fuß oder im Kajak.
An einem Abend – nach einer Wanderung durch Wälder und Berge – saßen wir zusammen im Wohnzimmer. Doch unsere zunächst entspannte Unterhaltung entwickelte sich zu einem Streit zwischen einigen der Anwesenden. Als ich ins Bett ging, fühlte ich mich unruhig und traurig über das unschöne Ende dieses Abends. Ich drehte mich schlaflos hin und her. Mein Verstand konnte nicht zur Ruhe kommen. Schließlich beschloss ich, gegen 2:30 Uhr morgens in den Garten zu gehen, um zu beten. Da ich sowieso nichts gegen den Konflikt tun konnte, dachte ich, es wäre am besten, meine Sorgen meinem himmlischen Vater zu übergeben.
Obwohl die Sonne erst kurz vor Mitternacht untergegangen war, wurde es draußen langsam schon wieder hell. Die Stille und die düsteren Schatten im Garten fühlten sich unheimlich an. Während ich mich auf einem Haufen Holzstämme niederließ, versuchte ich, meine verwirrten Gedanken zu sammeln und vor Gott zu bringen. Ich betete für die Lösung des Konflikts und dafür, dass unsere verbleibende gemeinsame Zeit in Schweden nicht von diesem unschönen Abend überschattet würde. Als der Tag anbrach, fühlte ich, wie eine Last von mir fiel und die Zuversicht in mir wuchs, dass alles gut werden würde.
Plötzlich fing ein Vogel an zu singen. Zaghaft schlossen sich einige andere Vögel dem Morgenkonzert an. Der ganze Garten schien durch ihr freudiges Lied verwandelt, und auf einmal schoss mir der Gedanke durch den Kopf: „Diese Vögel singen ihren Lobpreis für Gott.“ Während mich nun endgültig die Müdigkeit übermannte und ich mich darauf vorbereitete, endlich ins Bett zu gehen, übernahmen die Vögel in gewisser Weise meine Stellung. Sie brachten weiterhin Gebete vor Gott. Nicht um irgendetwas von ihm zu erbitten, sondern einfach, um ihrem Schöpfer Ehre zu geben.
Während sich die Luft mit der Melodie der Vögel füllte, kam mir der Vers aus Psalm 108,2-6 in den Sinn. Hier heißt es:
„Gott, mein Herz vertraut auf dich, deshalb will ich dir singen und dir danken! Wach auf, meine Seele! Wach auf, Harfe und Zither! Ich will den Morgen mit meinem Lied aufwecken. HERR, ich will dir vor allen Menschen danken. Ich will dich loben unter den Völkern. Denn deine Gnade ist höher als der Himmel und deine Treue reicht, so weit die Wolken ziehen. HERR, erhebe dich über den höchsten Himmel und deine Herrlichkeit erfülle die ganze Erde.“
Während die Vögel im Garten sangen, konnte ich endlich Schlaf finden. Und natürlich war ich gespannt, wie es am Morgen weitergehen würde.
Für den Skeptiker wird es ungewiss bleiben, ob es meine Gebete waren, die am nächsten Tag zu der überraschend lockeren und fröhlichen Atmosphäre in unserer Gruppe geführt hatten. Ich glaube jedoch mit Gewissheit, dass meine Gebete eine Rolle in dieser Geschichte gespielt haben.
5 Kommentare
Danke, liebe Naomi Bosch!
Da ich und mein Mann seit 36 Jahren Camper sind und sehr gerne nur in der Natur Urlaub machen. Wir waren seit kurzem auf dem Campingpark Stockach am Bodensee waren. Dort hatten die vielen verschiedenen Vögel getrillert und gesungen. Das habe ich mit großer Freude genossen und ich spürte Gott ist ganz nah. Es tat mir und meine Seele so gut.
Liebe Grüße 🖖
Gisela G.
Was für ein wunderbares Zeugnis. Danke
Ich glaube auch, dass die Gebete eine Rolle in der Geschichte von Naomi Bosch gespielt haben. Manchmal werden unsere Gebete sofort beantwortet, manchmal erst nach Wochen, Monaten oder Jahren. Aber Gott hat uns immer im Blick und er hat den Weitblick und handelt nicht immer nach unseren Wünschen, aber nach seinen Verheißungen. Ich bin ganz froh, dass es so ist, denn nicht immer ist das, was wir uns wünschen, auch gut für uns.
Vielen lieben Dank, Frau Bosch, dass Sie dieses Erlebnis mit uns geteilt haben. Mein Mann und ich sind vor 2 Jahren in mein Elternhaus gezogen - in ein kleines Dörfchen in der Nähe von Berlin. Hier sind wir in völliger Ruhe von viel schöner Natur umgeben und können jeden Tag von morgens bis abends dem wunderbaren Vogelgezwitscher lauschen. Das genießen wir sehr!
Dankeschön für diese geteilte Erfahrung! Wenn ich gegen Morgen aufwache und höre, dass die ersten Vögel zwitschern , dann wünsche ich mir manchmal, ich könnte ihre Sprache verstehen. Aber unabhängig davon glaube ich, dass sie zum Lob ihres Schöpfers singen und den neuen Tag willkommen heißen. Kann ich nicht bald wieder einschlafen, schließe ich mich gerne ihrem Lobpreis an und beginne zu danken.
Tagsüber haben wir oft große Freude, wenn sie an heißen Tagen zur Wasserschale auf der Terrasse kommen, ihren Durst stillen oder munter planschen. „Gelobt seist du mein Herr für all deine Geschöpfe“ stimme ich mit Franziskus ein.
Liebe Naomi,
sehr gut kann ich diese Eindrücke durch den Gesang der Vögel nachempfinden.
Seit vielen Jahren arbeite ich im Krankenhaus im Nachtdienst. Und auch wenn die Nacht noch so anstrengend ist, fangen die Vögel kurz bevor es hell wird, gegen 4.00 Uhr mit ihrem Lobpreis an...
Wenn es eine sehr anstrengende Nacht ist, dann denke ich (nach Luthers Morgengebet) "Herr, Du wirst auch diese Nacht zu Ende bringen, und mir hindurch helfen..."
Und wenn es eine ruhige Nacht ist, dann stelle ich mich schon auch mal ans Fenster, atme die wunderbare Morgenluft ein und danke GOTT zusammen mit den Vögeln 🙏.
Als ich am Ende Deiner Geschichte ankam, habe ich ich mich gefreut, als ich festgestellt habe, dass ich Deine Familie persönlich kenne... deshalb grüße ich Dich ganz herzlich auf diesem Wege aus Külsheim und wünsche Dir Gottes reichen Segen!
Auch ich bin gewiss, dass Deine Gebete in dieser Nacht erhört wurden.
Ute Wörner