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Montag, 18.06.2018

Der größte Schatz

Loslassen fällt nicht leicht. Meiner Oma sicher auch nicht, als sie den Vertrag unterschreibt, mit dem sie das Haus, in dem sie jahrzehntelang mit ihrem Mann gelebt und meinen Vater großgezogen hat, verkauft. Seit mein Opa nicht mehr da ist, wird ihr die Arbeit in Haus und Garten einfach zu viel. Deshalb hat sie entschieden, den Besitz abzugeben und selbst nur noch als Untermieterin im ehemals eigenen Haus zu leben. Viele Bekannte verstehen das nicht oder bewundern ihre Entscheidung mit den Worten: „Ich könnte das ja nicht!“
Während des Umzugs kommen immer wieder fremde Leute ins Haus, denen meine Oma Möbel verkauft oder verschenkt, für die sie keine Verwendung mehr hat. Nach dem Besuch dreier junger Männer, die ihr freundlicherweise noch anbieten, einen Schrank in die neue Wohnung zu tragen, fällt ihr auf, dass etwas fehlt: ein Schmuckkästchen, das sie in eben jenem Schrank aufbewahrt hatte. Es waren einige Erbstücke mit Erinnerungswert darin. Mehrmals durchsucht sie das ganze Haus. Auch Nachbarn helfen mit. Doch das Kästchen bleibt unauffindbar. Als ich davon höre, macht mich das wütend. Meine Oma gibt so vieles auf, das ihr viel bedeutet hat, musste ihr das nun auch noch genommen werden? Aber sie geht gelassen damit um. „Mitnehmen kann ich sowieso nichts“, sagt sie. Das beeindruckt mich.
Und es erinnert mich an eine Stelle aus der Bibel. In Matthäus 6,19–21 heißt es: „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Dieser Vers bedeutet nicht, dass ich kein großes Haus besitzen oder mich nicht an schönem Schmuck erfreuen darf. Aber er warnt mich davor, mein Herz zu sehr an solche Dinge zu hängen. Hier auf Erden stellen sie vielleicht eindrucksvolle Statussymbole dar, aber sie sind nicht beständig und bringen auf Dauer keine Erfüllung. Die finde ich nur bei Gott. Wenn ich ihm mein Herz schenke, darf ich erleben, wie er mich täglich mit allem versorgt, was ich brauche. Ich darf lernen, loszulassen – und Freiheit erfahren.
Deshalb prüfe ich mich immer wieder: Woran hängt mein Herz? Wo hinein investiere ich mein Geld, meine Zeit, meine Energie? Ich möchte meine Gedanken und Kräfte auf Dinge fokussieren, die Ewigkeitswert haben. Weil Gott mich mit dem größten Schatz, seiner Liebe, so reich beschenkt, kann ich selbst freigiebig sein und andere damit auf Gott hinweisen. Wie meine Oma.

"Danke" an die Autorin

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