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Montag, 22.04.2019

Das offene Friedhofstor (Oder: Tag der offenen Tür)

Neulich, zu Beginn der Passionszeit, bin ich wieder mal dort vorbeigekommen: an unserem Friedhofstor. Das große, schmiedeeiserne Tor steht seit geraumer Zeit offen, weil ein technischer Defekt den Schließmechanismus verhindert. Einer der beiden Torflügel schwingt daher oft weit nach außen auf. So erweckt das Tor für mich den Anschein, als wolle es die Besucher höflich einladen hereinzukommen oder sie beim Verlassen freundlich verabschieden.
Dieser Umstand entlockt mir plötzlich ein Lächeln. Denn es huscht, ganz verwegen, eine Strophe aus einem Quatsch-Lied meiner Kindheit durch meinen Kopf, in der wir sangen:
„Dortmund ist `ne schöne Stadt, jupheidi, jupheida,
die auch einen Friedhof hat, jupheidi-heida.
Der Friedhof hat `n Loch im Zaun,
da sind die Toten abgehaun.
Jupheidi, jupheida, jupheidi fiderallala.
Jupheidi, jupheida, jupheidi-heida!“
Damals stellten wir uns kichernd klappernde Skelette vor, die durch ein Loch in einer immergrünen Hecke oder einen defekten Bretterzaun kletterten, um ihre Freiheit zu suchen. Wie ich jetzt so durch das weit geöffnete Tor trete, um zu den Gräbern meiner Lieben zu gehen, schmunzle ich: „Nee, bei uns hat es kein Toter nötig, sich durch ein Loch im Zaun heimlich vom Acker zu machen. Hier ist immer Tag der offenen Tür!“
Und dann denke ich: Ostern ist doch eigentlich das „Tag-der-offenen-Tür-Fest“ schlechthin! Kein Friedhof, wo auch immer auf der Welt, ist Endstation. So glauben es die Christen. Und sie besingen in ihren Liedern Jesus, der das Tor des Todes aufgebrochen hat. Er hat den Weg zu einem Leben mit und bei Gott freigemacht.
Friedrich von Bodelschwingh textete :
„Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha,
dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor;
und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.“
Deshalb gehen viele Christen am Ostermorgen auf den Friedhof und feiern, dass es ein Wiedersehen mit ihren Lieben geben wird. Und sie freuen sich laut: Mit Trompeten und Posaunen, mit Singen und einem frohen Herzen.
Als ich den Friedhof schließlich wieder durch das freundlich offene Tor verlasse, bin ich ihm sehr dankbar. Es hat mich ohne Worte getröstet und froh gemacht, weil es mich an die Auferstehung und die Ewigkeit bei Gott erinnert hat.
Auf dem Nachhauseweg summt der kleine Schelm in mir. Und muss dabei breit grinsen:
„Wir wohnen in `ner schönen Stadt, jupheidi, jupheida,
die auch einen Friedhof hat, jupheidi-heida.
Der Friedhof braucht kein Loch im Zaun,
die Toten könn´ auch so abhaun.
Jupheidi, jupheida, jupheidi fiderallala.
Jupheidi, jupheida, jupheidi-heida!“

Christine Schlagner

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3 Antworten

  1. Liebe Christine, ich liebe deinen erfrischenden Humor.
    Danke für den Text mitten aus dem Alltag. Leider denke ich,kommt der Humor oft zu kurz darum wünschte ich mir mehr "Osterlachen". "Jesus lebt" sooo viel Grund zum freuen. Deine Heidi

  2. Zunächst mal herzlichen Dank an Christine Schlagner, dass sie diese Gedanken für uns aufgeschrieben hat. Und gerade durch die Verbindung mit dem Liedvers werde ich mir diese Gedanken sicher länger merken können. Auch Trost und Hoffnung spricht aus ihren Zeilen.
    Ich selbst gehe immer wieder gern mal über Friedhöfe - weil ich dort Ruhe finde, viele mit viel Liebe geschmückte Gräber finde, mich an schönen Blumen und Pflanzen erfreue und manchmal habe ich auch einen Fotoapparat dabei und halte, was mir sehr gefällt, auf Fotos fest. Die habe ich oft auch schon in Dänemark gemacht und fand dort besonders schöne Ideen wie ein Grab gestaltet werden kann. Vor allem aber fasziniert mich die Ruhe dort und die Möglichkeit, über das eigene Leben und Sterben nachzudenken.
    Die Gedanken von Christine haben mich dazu inspiriert, dies noch öfter zu tun.

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