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Montag, 21.05.2018

Das alte Sofa

Langsam schleppen wir die Einzelteile unseres Sofas aus der Wohnung und werfen sie auf die Ladefläche des Kleinlasters. Heute zieht unser neues Sofa ein, für das alte gibt es keine Zukunft mehr bei uns. Während ich den verblichenen Stoff und die zahlreichen Flecken darauf betrachte, erinnere ich mich an die vielen Momente, die wir auf diesem Sofa verbracht haben. Lachen, kuscheln, beten, singen, weinen, schlafen – wie viel Leben haben wir mit diesem Möbelstück geteilt! Ein bisschen leide ich nun an dem Abschied von ihm.

Ich muss daran denken, dass in ein paar Tagen wieder ein Transporter vor der Tür stehen wird, um die Möbel aus der Wohnung zwei Stockwerke über uns abzuholen. Unsere 97-jährige Nachbarin ist gestorben. Ihren Möbeln wird es wohl genauso ergehen wie unserem Sofa. Ein langes Leben geht zu Ende.

Plötzlich wird mir bewusst, wie flüchtig unser Leben ist. Während wir einkaufen, Rechnungen bezahlen, Blogs lesen und fernsehen zieht die Zeit fortwährend an uns vorbei. In der Bibel lese ich: „Herr, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss ... Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird“ (Psalm 39,5–7). Wie kostbar ist doch jede Minute! Und wie schnell verliere ich aus dem Blick, was wirklich zählt! Jeden Tag stehe ich neu vor der Entscheidung, wie ich meine verbleibende Zeit verbringen will. Möchte ich mich auf das konzentrieren, was mir vermeintlich fehlt? Will ich den Sorgen um morgen Raum geben? Oder will ich auf das schauen, womit Gott mein Leben gesegnet hat, und diesen Segen weitergeben?

Der Autor Brennan Manning schreibt: „Die Menschen werden sich nach einer Begegnung mit uns entweder ein wenig besser oder ein wenig schlechter fühlen. Wir werden sie entweder bestärken oder ihnen etwas vorenthalten – eine neutrale Begegnung gibt es nicht.“ Gott helfe mir, dass ich das, was ich tue, aus seiner Liebe heraus tue. Wie oft werde ich noch die Haustür aufmachen, um meine Lieben zu begrüßen? „Jesus hilf mir, es mit einem Lächeln und Freude im Herzen zu tun!“ Bald sind die Tage gezählt, in denen ich neben dem Bett meiner Kinder knie, um mit ihnen zu beten. „Herr, hilf mir, ihnen dich und deine Liebe nahezubringen!“

Ich wünsche mir ein bedeutungsvolles Leben. Nein, ich muss dafür nicht berühmt sein, nur hingegeben – an den, der mich zuerst geliebt hat. Denn wenn alles andere vergangen ist, wenn alles andere fortgetragen und entsorgt wird, dann gibt es nur noch eines, das bleibt: die Taten der Liebe.

Danke, liebes Sofa, für die schöne Zeit mit dir! Und danke für die Erinnerung daran, mein Leben bewusst zu leben.

"Danke" an die Autorin

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Eine Antwort

  1. Sehr schöne Gedanken. Sehr berührend. Ihre Rubriken in der Lydia gefallen mir gut. Ich bin aus der Steiermark und sie haben jetzt in Innsbruck einen steirischen Bischof. Ich kenne ihn ein wenig und ich denke, er ist sehr aufgeschlossen und ist ein echtes Vorbild für viele. Ganz liebe Grüße! Helga Kern P. S. Die Zeitschrift Lydia ist mir sehr, sehr wichtig!!

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