„Wir sind nicht FÜR alles dankbar – aber IN allem dankbar.“
Ich sitze vor meinem Laptop und schaue die Predigt online an, als der Pastor genau diesen Satz sagt. Dieser Satz wird mich in den nächsten Tagen begleiten.
Seit einigen Wochen bin ich erkältet, und diese Erkältung hat sich leider auch auf mein linkes Ohr ausgewirkt. Ich habe einen Paukenerguss – Flüssigkeit, die sich aufgrund verstopfter Nasennebenhöhlen hinter dem Trommelfell angesammelt hat. Zunächst fühlte sich mein Ohr tagelang wie verschlossen an, sodass ich kaum etwas hören konnte. Später kam ein verzerrtes Hören hinzu, das mich sehr beeinträchtigt. Das war auch der Grund, warum ich nicht den Gottesdienst vor Ort besuchte, sondern online teilnahm.
Der Alltag ist für mich momentan anstrengend, vor allen Dingen die Gespräche. Menschen zu hören, fällt mir schwer, da alle Stimmen durch den Paukenerguss blechern und verzerrt klingen.
Weil dieser Zustand schon länger anhält, schlägt er mir natürlich aufs Gemüt. Ich habe meine Ohren immer als selbstverständlich betrachtet. Schließlich haben sie mein ganzes Leben lang einfach funktioniert. Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, geschweige denn für sie gedankt.
Und plötzlich funktionieren sie nicht mehr wie gewohnt. Ich bin ehrlich: Für diesen Zustand bin ich alles andere als dankbar.
Aber ich möchte mich daran erinnern, IN allem dankbar zu sein.
Dieser kurze, aber so kraftvolle Satz aus der Predigt hallt in den nächsten Tagen immer wieder in mir nach. Jedes Mal, wenn ich mich verzweifelt frage, wann ich endlich wieder normal hören werde – mich selbst und andere –, erinnere ich mich daran, dass ich IN allem dankbar sein möchte.
Ich fange an, über die Dinge nachzudenken, für die ich dennoch dankbar sein kann. Dabei wird mir bewusst, wie wichtig es ist, nicht immer nur an große Ereignisse zu denken, sondern auch die kleinen, alltäglichen Dinge zu schätzen. Besonders für die Dinge, die ich bislang als selbstverständlich angesehen habe, möchte ich dankbarer sein – weil sie es nicht sind.
Während ich im Alltag an der Dankbarkeit festhalte, merke ich, dass es mir gesundheitlich nach und nach besser geht. Der Klang der Stimmen um mich herum wird wieder angenehmer.
So möchte ich nun auch bewusst für meine Ohren dankbar sein, denen ich früher kaum Beachtung geschenkt habe. Ich möchte sensibler dafür werden, dass Gott mir dieses Geschenk gemacht hat – und ihm dafür danken.
9 Antworten
Guten Morgen, Camilla,
ich bin seit ich Baby war mit 9 Monate durch heftigen starken Keuchhusten nun Hörgeschädigt geworden - nun bin ich in meinem Lebenswandel mit Taubheitgrenzendenschwerhörigkeit durchgegangen - in Kürze werde 70 Jahre! In meinem 5. Lebensjahr bekam ich einen Taschenhörgerät angepasst - danach folgen weitere Jahren BiGrossHörgerät und zuletzt wurde ich links 2014 CI operiert plus Nucleus angepasst und rechts 2018 CI operiert plus Nucleus angepasst! Heute bin viel glücklicher mit diesem anderen Hören etc. ❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️ Ich kann Dich und viele hörenden Menschen nachvollziehen wie es ist und wie anstrengend das Hören ist - Ich kann super gut von Mundbild ablesen und auch Gebärdensprache miteinander unterhalten. Heute genieße ich ERFplus App mit Bluetooth fast jeden Tag zu hören und sogar kann ich heute besser beim Telefonieren zuhören - sogar habe ich eine neue Hobby‘s was mit Zuhören zu tun hat ❤️❤️👍🥰👍❤️❤️🙏🙏🙏🙏🙏
Dankeschön fürs Teilen. ❤️
Danke für diese Erinnerung!
Ich persönlich glaube, dass sich unsere Undankbarkeit und auch unser ganzer Lebensstil so
unglaublich flach werden kann weil wir zuwenig mit IHM verbunden sind und so selten seine Nähe suchen. Heute war ich seit ganz langer Zeit wieder einmal auf die Knie gegangen und habe um Vergebung gebeten für Dinge, die ich mit meiner eigenen Zunge anderen Menschen angetan habe. Ich kann sprechen (mein Sohn z.B. nicht!), und benutze so oft meine Zunge um Dinge zu sagen, die andere kränken oder verunsichern. So eine Schande für Jesus. Ich gehöre doch IHM - und durch die Hinwendung zu IHM, in sein Wort und seine Gegenwart kann ich IHN um Vergebung bitten und ihn anflehen, dass er die Zunge und die Muskeln die ich zum sprechen brauche für sein LOB und zur Ermutigung benutze. Und nochmal dankbar bin dass er diese Sünde ins äußerste Meer wirft und mir so nahe sein will, dass dies nicht mehr oft passieren muss. Danke für ihren Impuls zum "Dankbar sein!" B.P.
Liebe Frau Herrmann,
danke fürs Teilen dieser Geschichte. Ich kann das gut nachvollziehen. Vermutlich durch zu viel Stress hatte ich im Jahr 2002 einen Gehörsturz, der leider zu spät erkannt wurde. Alle noch versuchten Behandlungen brachten keinen Erfolg (oder nur kurzzeitig). Was mir geblieben ist, ist eine komplette Taubheit auf dem linken Ohr. Sicher ist dies in manchen Situationen sehr nachteilig. Aber ich bin trotzdem dankbar und sage mir immer: es gibt viel Schlimmeres!!!
Alles Liebe und Gute wünscht Ihnen Heidrun Hemmerling
An Frau Heidrun Hemmerling. von Gisela Geus:
Liebe Heidrun,
danke für Dein ehrliche Bericht von Dir. Damit musst Du mit Hören leben, aber Jesus ist bei Dir und wird Dir beistehen. Ich werde für Dich beten 🙏🙏🙏🙏! Ich denke, dass Du Hörgerät an deinem tauben Ohr trägst und damit hören kannst.
❤️liche Grüße
Gisela Geus
Auch wenn es mir manchmal schwer fällt, will ich für jeden gelebten Tag dankbar sein. Und so gebe ich jeden Abend vor dem Schlafen gehen den gelebten Tag mit meiner tiefen Dankbarkeit in Gottes Hände, ganz gleich, wie der Tag gelaufen ist. Mit der Zeit wird man für vieles dankbarer und nimmt dies vermehrt mit in den Alltag. Darum kann ich das Erlebte gut nachvollziehen.
Zunächst an Gisela Geus:
Vielen Dank fürs Beten. Nein, ich trage kein Hörgerät weil ich mir nicht sicher bin, ob dies wirklich hilft und weil mal eine HNO-Ärztin zu mir gesagt hat, dass eine (wohl oft übliche) Weiterleitung vom gesunden zum tauben Ohr nichts bringen würde weil gar nichts an Hörfähigkeit mehr da ist. Nun habe ich ja schon 23 Jahre geschafft damit zu leben.
Ich habe mal irgendwo gelesen: Je mehr man dankt, umso mehr findet man, wofür man danken kann. Und das stimmt wirklich.
Heidrun Hemmerling
Für Heidrun Hemmerling:
Ich würde mich sehr freuen mit Dir persönlich miteinander per Mail schreiben. Es würde mich sehr freuen, wenn Du auch möchtest.
Liebe Grüße 🖖
Gisela
Danke für diese lebensnahe Erinnerung daran, dass es viel schwerer, aber auch viel gesegneter ist, IN allem dankbar zu sein statt nur FÜR alles. Letzteres ist wichtig, aber es fällt uns leicht. Unser Glaube bewährt sich in ersterem.