Endlich! Ruhe im Kinderzimmer. Erschöpft und ausgelaugt ließ ich mich auf mein Bett fallen. Wieder einer dieser Tage, an denen scheinbar nichts funktioniert hatte. Kinderstreit, Beleidigungen, hilflose Schlichtungsversuche von meiner Seite, die in furchtbar ungerechtem Schimpfen gipfelten. Wieder hatte ich meine Kinder völlig unverhältnismäßig angeschrien. Und das auch noch während der Bibelgeschichte am Abend.
Ich schlug die Hände vors Gesicht. Was für ein schönes Vorbild war ich doch! Die Tränen, die ich schon seit gefühlten Stunden heruntergeschluckt hatte, begannen nun zu fließen. Druck, Angst vor Fehlern, schlechtes Gewissen, Verkrampfung – meine Welt war so eng und anstrengend geworden!
„Jesus“, schluchzte ich verzweifelt, „wie geht das denn? Ich kann’s einfach nicht! Wie kann ich denn meinen Glauben an meine Kinder weitergeben, wenn ich selber ständig versage? Ich mach doch alles falsch! Warum hilfst du mir nicht? Ich hab dich doch darum gebeten!“
Während ich mich in meinem Selbstmitleid suhlte und Jesus die Ohren volljammerte, kam in meinem Inneren plötzlich eine irritierende Frage hoch – heute würde ich sagen: Jesus stellte sie mir. „Heike, möchtest du deinen Kindern Gott sein oder soll ich es sein?“ Ich schwieg. Ohne Worte fragte ich zurück: „Was soll das heißen?“ Unglaublich liebevoll ging das wortlose innere Zwiegespräch weiter: „Was betrauerst du denn wirklich? Ist es nicht die Tatsache, dass du ein fehlerhafter Mensch bist, aber gerne perfekt wärst? Weil du dir dann selbst auf die Schulter klopfen und sagen könntest: Meine Kinder folgen Jesus, weil ich so ein tolles Vorbild war? Denke doch mal über deine Identität nach.“
Ich schwieg. Betroffen. Ertappt.
Mühsam setzte ich mich auf und griff nach einem Taschentuch. Meine Augen wanderten zu dem Foto an der Wand, auf dem ich mit meinem zweiten Baby im Arm zu sehen war. Ich liebte dieses Bild. Es erinnerte mich an innige Zeiten voller überschwänglicher, bedingungsloser Liebe für mein hilfloses süßes Kind. Dasselbe Kind, das mich nun als 6-jährige kleine Wutbombe so aus der Fassung bringen konnte.
„Meine Identität ...?“, murmelte ich. Auf einmal dämmerte es mir. Wie oft hatte ich mein Baby wie auf dem Foto im Arm gehalten, hatte es bewundernd angeschaut und geflüstert: „Egal, was passiert: Ich werde dich immer lieben!“ Fast jedes Mal hatte ich in diesen heiligen Momenten erlebt, wie Jesus auch mir zuflüsterte: „Und so denke ich über dich! Genau SO schaue ich DICH an! DU bist auch bedingungslos geliebt!“
Ich schloss die Augen. Erleichterung machte sich breit und ein zutiefst dankbares Gebet stieg in mir auf: „Jesus – DANKE! Ich darf Fehler machen. Ich muss nicht perfekt sein. Denn ich bin bedingungslos geliebt, das ist und bleibt meine Identität!“
3 Antworten
Liebe Heike, vielen Dank deinen Beitrag . Es geht uns Müttern so oft so, aber wir dürfen alles Gott abgeben anstatt uns selber zusätzlich belasten. Gott liebt und spricht zu uns das dass ist das größte Geschenk ihm die Ehre. Wie oft habe ich gezweifelt und durfte liebe und Vergebung erfahren.
Liebe Heike,
dein Artikel hat mich sehr angesprochen - genau das musste ich heute früh lesen. Gestern Abend hatte ich genau dieselbe Situation mit meinen Kindern und fühlte mich anschließend so schlecht und traurig. Heute früh habe ich die Kinder und Gott um Vergebung gebeten. Was für ein Geschenk, dass Gott uns barmherzig und liebevoll seine Vergebung anbietet und uns bedingungslos liebt. Und ja, wir müssen nicht perfekt sein, was für eine Entlastung - und unsere Kinder müssen es auch nicht sein.
Ich staune immer wieder, wie die Montagsgedanken meine Situation aufgreifen und mir weiterhelfen. Danke, dass ihr euch leiten lässt bei der Auswahl der Beiträge. Es ist eine Bereicherung sie am Anfang der Woche zu lesen.