Ich sitze mit einer Tasse Kaffee beim Frühstück. Die morgendliche Stille liebe ich sehr. Mein Blick fällt auf eine angezündete Kerze und die Krippe daneben. Ich mag den Anblick. Er hilft mir zu fokussieren.
Auf einmal fällt mir auf, dass da Maria, Josef und das Jesuskind sind. Über den dreien auf dem Krippendach steht der Engel. Ein schönes Bild, denke ich. Maria, Josef und das Kind werden von dem Engel behütet und gesegnet. Gottes „gute Macht“ schützt sie.
Und dann bin ich plötzlich bei mir und uns Menschen. Als kleines Mädchen habe ich hingebungsvoll mit meinen Puppen Mama, Papa, Kind gespielt. Und auch wir haben Eltern. Egal, in welche Umstände wir hineingeboren wurden. Ob sie gut oder ungut waren. Oder in welchem Verhältnis Positives und Negatives standen.
Über der Ebene von Maria, Josef und dem Kind gibt es noch eine höhere. Eine sehr wichtige höhere Dimension: Gott und seine Möglichkeiten! Jesus hatte auch positive und negative Aspekte bei seiner Ankunft auf unserer Welt. Positiv war, er hatte Gott als wahren Vater, doch auch Maria und vor allem Josef als verantwortungsvolle Eltern. Beide bejahten diesen Weg. Auch Josef als Ziehvater ließ sich in diese besondere Situation stellen und übernahm Verantwortung, obwohl Jesus nicht sein Kind war! Negativ waren die Umstände im unhygienischen Stall, mit einkommensschwachen Eltern, in unruhigen Zeiten, die Besatzungsmacht Rom, die Volkszählung als Basis für Steuererhöhungen und den tyrannischen König Herodes.
Da tut die höhere Dimension – Gott wacht über der Kleinfamilie – sehr gut. Trotz aller widrigen Umstände: Maria, Josef und Jesus schafften es. Sie gingen ihren guten Weg. Denn Gottes Engel, seine gute Macht wachte über ihnen.
Und er wacht auch über uns. In allen Umständen, ob gute oder schlechte, in besonderen Zeiten und im Alltag.
Dieses Bild ermutigt und tröstet mich. In drei Stunden habe ich beim Arzt eine Vorbesprechung für eine kleine OP. Zum Glück nur eine kleine. Und doch bin ich im Vorfeld besorgt. Wie wird das alles? Wird es gut gehen? Da hilft mir der Gedanke, dass ich von Gott behütet bin. Um im Bild zu bleiben: Gott, der Vater, wacht noch viel besser als Josef über mich. Gottes Geist, der im Hebräischen übrigens „die Geist“ heißt, also weiblich ist, sorgt wie Maria für mich. Und Jesus als großer Bruder ist nicht das Kind in der Krippe geblieben, sondern herangewachsen zum Retter der Welt.
Die gute Nachricht für uns: Diese Familie ist nicht abgeschlossen. Sie freut sich über Zuwachs. Wir dürfen zu dieser „göttlichen Familie“ Ja sagen und uns in sie aufnehmen lassen. Wie Josef der Ziehvater für Jesus war, möchte Gott-Vater der Adoptivvater für uns werden. Aus der weihnachtlichen Kleinfamilie Mama, Papa, Kind darf heute die göttliche Großfamilie werden. Sie kann aus Gott-Vater, Heiliger Geist-Mutter, Jesus als rettendem großem Bruder und dir und mir bestehen. Die Einladung dazu finden wir in Psalm 28,10: „Wenn selbst Vater und Mutter mich verlassen, wird doch der Herr mich aufnehmen.“
Ich wünsche mir, dass wir uns – ob erstmalig oder erneut – in sie aufnehmen lassen. Bist du dabei?