Montagsgedanken

Die Sache mit dem Glas

Neulich beim Spaziergang durch den farbenfrohen Herbstwald fragte ich mich, warum ich als Kind den Jahreszeiten so wenig Beachtung geschenkt hatte. Damals gab es für mich nur zwei Formen von „gutem Wetter“: entweder richtig heiß, so dass ich schwimmen gehen konnte – oder toller Schnee, der nicht nach einem halben Tag wieder wegtaute, sondern die Landschaft für eine längere Zeit in ein „Wintermärchen“ verwandelte! Letzteres wurde leider zur Mangelware, und die Hitze im Sommer beglückt mich zwar immer noch mit der Möglichkeit, zu schwimmen, aber sie macht mir mittlerweile körperlich mehr zu schaffen … 

Ich kann mich allerdings nicht erinnern, als Kind oder Jugendliche den Frühling so dankbar begrüßt zu haben, wie ich das heute tue … Auch, wenn ich die schönen Seiten des Winters immer noch genießen kann, freue ich mich jedes Jahr an der wiedererwachenden Natur!

Irgendwie scheine ich inzwischen gelernt zu haben, jeder Jahreszeit ihre positiven Seiten abzugewinnen; und das freut mich, lässt mich genießen und oft darüber dankbar mit Gott ins Gespräch kommen … 

Dieses Jahr war es allerdings etwas anders. Als die ersten Bäume bunt zu werden begannen, stellte sich Regenwetter ein, das einfach nicht wieder abziehen wollte. Mehrmals erwähnte ich im Gespräch mit anderen, dass es so schade sei, dass wir dieses Jahr nicht den sprichwörtlich „goldenen Oktober“ genießen könnten, da es leider die meiste Zeit regnete.

Vor ein paar Tagen telefonierte ich mit meiner Freundin. Mit dem Anfang des Novembers hatte sich das Wetter geändert, und ich bemerkte, dass es schön sei, dass wir so eine „goldene“ Zeit erleben dürften. Gerade rechtzeitig, bevor fast alle Blätter heruntergefallen sein würden. Überrascht hörte ich ihre Antwort: „Ach, weißt Du, ich bin dankbar für die letzten Wochen und habe sie genossen! Der schöne Herbstwald half mir gerade über die frösteligen Temperaturen und den Regen hinweg; so war nicht alles nur grau und kalt, sondern tröstete mich mit seinen wunderschönen Farben – die konnte man ja auch im Regen sehen und sich daran freuen …“ 

Ups … Ich fühlte mich ertappt. Mir fiel das alte Bild ein: Ein Glas ist zur Hälfte gefüllt, und es liegt am Betrachter, ob er es als „halb leer“ oder „halb voll“ bezeichnet! Wieder mal war ich der Versuchung erlegen, mich auf die „halb leere“ Seite zu konzentrieren. Viel besser wäre es doch, so wie meine Freundin, mit dem Blick für das Gute, das „halb Volle“, durchs Leben zu gehen. Das täte mir und den Leuten in meinem Umfeld sicherlich besser.

Und Gott, der Geber aller guten Gaben, der kreative Schöpfer und „Meistermaler“ würde sich ebenfalls freuen, wenn seine Menschenkinder statt Griesgrämigkeit Dankbarkeit und Freude ausstrahlen - ob es nun um Natur und Jahreszeiten geht, oder um den ganzen „Rest“, der unser Leben ausmacht. Wie schön, dass wir da gemeinsam auf dem Weg sein und uns gegenseitig beim Lernen weiterbringen und unterstützen dürfen.

Hol dir dein Lydia-Abo

"Danke" an die Autorin

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sagen Sie der Autorin „Danke!“ mit einem Kommentar.

Artikel teilen?

Was denken Sie?

Teilen Sie Ihre Gedanken mit uns und anderen Lesern! Wir freuen uns über Ihren Beitrag.

Keinen Montag verpassen?
Unser Impuls zum Wochenstart jeden Montag im Postfach 

> NEWSLETTER ANMELDEN

Mehr Montage

Eine unerwartete Begegnung erinnert Camilla Herrmann daran, dass Gott Menschen an den unterschiedlichsten Orten gebrauchen kann.

Von Camilla Herrmann

Ein kleiner Igel zeigt M.J., dass echte Liebe Fürsorge schenkt und zugleich loslassen kann.

Von M.J.

Désirée Wiktorski macht deutlich, warum Kinder ein Geschenk sind - und du als Mutter auch.

Von Désirée Wiktorski

Yvonne erlebt ihren Geburtstag zunächst als Tag voller Sorgen, Schmerzen und unerwarteter Hindernisse. Doch mitten in den Herausforderungen wird sie durch zwei Worte ermutigt: „Bleibe standhaft!“

Von Yvonne Völker

Ein Jahr volle Montage?

52 Impulse zum Wochenbeginn. Damit Montage zu Lieblingstagen werden.

> JETZT ALS E-BOOK BESTELLEN