Vom Suchen und

Gefundenwerden

Andrea Ballschuh_TomLanzrath (3)

Viele Jahre war die Fernsehmoderatorin Andrea Ballschuh auf der Suche nach Sinn, probierte alles Mögliche aus, um inneren Frieden zu finden. Auf Umwegen lernt sie Gott kennen, an den sie lange Zeit nicht glauben konnte.

Andrea, viele kennen dich aus dem Fernsehen, als Moderatorin verschiedener Sendungen. Haben dich deine Rollen ausgefüllt?

Ich war viele Jahre auf der Suche, ohne zu wissen, wonach. Von außen betrachtet ging es mir gut: Ich war seit Jahrzehnten Fernsehmoderatorin, erfolgreich, sichtbar, immer beschäftigt. Viele hätten wahrscheinlich gesagt: „Du hast doch alles.“ Und trotzdem war in mir eine Leere, die ich nicht ausfüllen konnte.

Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen, in einer atheistischen Umgebung. Gott war in unserer Familie kein Thema. Eher etwas, von dem man ferngehalten wurde. Mit Mitte zwanzig begann ich zu spüren: Da fehlt etwas. Da ist mehr. Aber ich wusste nicht, wo ich suchen sollte.

Ich probierte vieles aus: Ein Freund erzählte etwas über Buddha, die andere machte irgendetwas mit Klangschalen und jemand anders besuchte einen Schamanen und so weiter. Ich bin immer von einem zum anderen gesprungen und dachte: Vielleicht finde ich da die Erfüllung oder da oder vielleicht da. Ich wusste, es gibt irgendwas zwischen Himmel und Erde, aber was ist es?

Und dann hast du Gott gefunden. Wie kam es dazu?

Das war kurioserweise über die Geigenlehrerin meiner Tochter. Vor drei Jahren redeten wir über unsere Berufe und ich erzählte, dass ich Video-Coaching anbiete. Da meinte sie: „Ich mache Bibel-Coaching.“ Ich fragte: „Du machst Bibel-Coaching? Was ist das denn?“

Sie erklärte mir, dass sie mit Menschen über die Bibel spricht und die biblischen Botschaften ins heutige Leben übersetzt. Sie gehörte keiner Kirche an, hatte aber eine lebendige Beziehung zu Gott. Ich antwortete ihr, dass ich nicht an Gott glaube. Sie lächelte und sagte: „Dann bitte Gott doch einfach um ein Zeichen. Frag ihn, ob es ihn gibt.“

Ich fand das absurd. Aber als ich später mit der Geige meiner Tochter zum Auto ging, dachte ich: Na gut. Was habe ich zu verlieren? Und ich sagte laut: „Okay Gott, wenn es dich gibt, gib mir ein Zeichen.“ Ehrlich gesagt, habe ich mich selbst für verrückt gehalten.

Dann bitte Gott doch einfach um ein Zeichen.

Hast du eine Antwort bekommen?

Ja, auf ungewöhnliche Art. Ich hatte vorher in einer Vollmondnacht einen Wunschzettel verbrannt – so ein typisches Ritual, das man macht, wenn man an „irgendwas“ glaubt, aber nicht an Gott. Darauf hatte ich geschrieben, dass wir uns einen Hund wünschen, der zu uns passt. Eigentlich wollten meine Tochter und ich den Hund aber erst im Herbst. Ein paar Tage beim Arbeiten später hörte ich innerlich ein ganz starkes „Ruf jetzt diese Tierschutzorganisation an!“. Ich diskutierte mit mir selbst: „Es ist doch zu früh! Ich habe keine Zeit! Warum jetzt?“  Aber der Impuls war so stark, dass ich anrief.

Die Mitarbeiterin machte sich Notizen. Kurz darauf rief sie zurück: „Wir haben gerade eine Hündin reinbekommen. Ich habe das Gefühl, sie könnte zu Ihnen passen.“ Sie schickte mir ein Foto – meine Tochter und ich schauten es gleichzeitig an und sagten beide: „Das ist sie!“ Es war klar: Das ist unser Hund. Wir lernten sie kennen und erfuhren ihren Namen: Shia.

Zuhause schaute ich nach, was Shia bedeutet. Es ist Hebräisch und bedeutet: „Geschenk Gottes.“ Da bekam ich Gänsehaut. Ich hatte Gott um ein Zeichen gebeten – und er machte mir ein Geschenk.

War das der Moment, an dem du angefangen hast, an Gott zu glauben?

Noch nicht. Aber es war der erste Riss in meinem Atheismus. Ich hatte vorher felsenfest geglaubt, dass es keinen Gott gibt. Und plötzlich stand ein Gottesbeweis in Form einer kleinen Hundeseele vor mir. Shia hat mein Herz weich gemacht. Noch war ich nicht gläubig, aber ich war offener für den Glauben als vorher.

Wie ging es weiter?

An einem verregneten Nachmittag bin ich auf die christliche Serie „The Chosen“ gestoßen. Eigentlich wollte ich sie gemeinsam mit meiner Tochter ansehen, damit sich ihre Noten im Schulfach „Religion“ wieder verbessern.

Dann passierte es: Die Serie thematisiert das Leben und Wirken von Jesus. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Jesus nicht nur als Figur am Kreuz wahrgenommen, sondern als jemanden, der liebt, berührt, heilt und der die Menschen sieht. Ich sah, wie Jesus mit Ausgestoßenen umgeht, mit Menschen voller Fehler, Macken, Schwächen, Brüche. Menschen wie wir alle. Aus ihm strömte eine solche Liebe, dass es mein Herz erwärmt hat. Ich hatte plötzlich einen Ansprechpartner. [...]

Ich wollte mehr wissen und habe angefangen zu „forschen“. Ich wollte wissen: Ist das alles wirklich wahr? Ich habe viele Bücher gelesen, mit Christen gesprochen, Fragen gestellt und auch gebetet – erst ganz schüchtern, dann immer mutiger. Und irgendwann war klar: Ich glaube an Gott. Er war die ganze Zeit da. Vor drei Jahren habe ich mich taufen lassen – im April 2023. [...]

Wie hat sich dein Leben seitdem verändert?

Seit ich mit Jesus unterwegs bin, ist wirklich alles anders. [...] Ich besitze nur noch Bücher über den Glauben, über Jesus, über Gott. Ich möchte immer mehr davon. Freunde sagten schon, dass ich bald eine christliche Buchhandlung aufmachen könne.

Es folgten aber auch berufliche Veränderungen. Ich verlor meine Aufgabe bei vier Fernsehformaten und damit einen Großteil meiner Einkünfte.

Nebenberuflich habe ich als Videocoach gearbeitet. Gemeinsam mit einer Businesspartnerin hatte ich mich mit einem Studio selbständig gemacht. Aber dann forderte das Finanzamt eine enorme Summe nach – plus eine „nachträgliche Vorauszahlung“. Ich konnte nachts nicht mehr schlafen. Ich war überfordert, völlig erschöpft, kurz vor dem Burnout.

Ein Freund sagte zu mir: „Gib deine Sorgen bei Gott ab.“ Ich wusste nicht, wie das gehen soll. Ich kannte diese Sprache nicht. Er sagte nur: „Rede so mit Gott, wie du immer redest.“

Und eines Abends schrie ich Gott an: „Du hast mir einen Hund geschickt – jetzt hilf mir hier raus!“ Und Gott griff auch ein. Aber nicht so schnell, wie ich es gedacht hatte und auf andere Art.

Aber er versorgte mich: Jeden Monat schenkte er mir das Geld, das ich zum Überleben brauchte – manchmal in letzter Minute. Einmal rief die Bank an und sagte: „Sie haben aus einem alten Kredit noch 5.000 Euro nicht abgerufen. Wollen Sie das jetzt haben?“ An dem Tag fehlten mir genau 5.000 Euro. Oder die Veranstalterin einer Benefizgala, die ich jahrelang kostenlos moderiert hatte, sagte plötzlich: „Bitte stell mir endlich eine Rechnung.“

So etwas passierte immer wieder. Nicht zu viel. Nicht zu wenig. Genau rechtzeitig. Ich merkte, dass Gott mich versorgt. [...]

Das heißt, seit du getauft wurdest, sind deine geschäftlichen Projekte gescheitert?

Es geht mir heute besser denn je. Gott hat gesehen, dass mich das alles krank gemacht hat, wie stark meine innere Unruhe und Nervosität waren. Deshalb hat er das von mir weggenommen und ich denke, er hatte andere Pläne für mich. [...]

Im Februar 2024 hatte ich einen starken inneren Impuls: „Mach einen Podcast über Menschen, deren Leben Gott verändert hat.“ Das passte zu meinem Beruf. Aber dann kam der zweite Satz: „In einem Camper.“ Ich sagte: „Gott… ich habe keinen Camper! Und auch kein Geld dafür!“ Das erzählte ich im Spaß einem Unternehmerkollegen – und zwei Tage später stand ich in einem Autohaus, wo ein fremder Mann mir einen Camper schenkte. Er sagte:
„Solange Gott es möchte, gehört dieser Camper dir. Die einzige Bedingung: Sprich darin mit Menschen über Jesus.“ So startete mein Podcast „Die Stimme aus dem Off“. [...]

Gott hat noch mehr vor: Ich habe vor einigen Wochen angefangen, im Seehaus Leonberg – einem offenen Strafvollzug für Jugendliche –zu arbeiten und begleite jugendliche Straftäter in einer Social Media AG.

Ich habe gemerkt, dass ich mit den Talenten, die Gott mir geschenkt hat und mit meiner Berufserfahrung jetzt Gutes tun kann, das hätte ich mit meiner Selbständigkeit zeitlich und kräftemäßig nicht geschafft. Ich bin an dem Platz angekommen, an dem Gott mich haben möchte und brauche diesen Glanz von außen nicht mehr, um jemand zu sein. [...]

Interview: Ellen Nieswiodek-Martin

Fotos: Tom Lanzrath und Anke Benen

Das komplette Interview findet sich in der Lydia 02/2026. Die Lydia kann als Abo oder als Einzelheft erworben werden.

Du möchtest mehr von Andrea Ballschuh erfahren? Dann sei am 26. September beim Lydia-Frauentag in Marburg dabei. Tickets bekommst du HIER.

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