Gott hat den

besseren Plan

Ellen_neu

Seit vier Jahrzehnten teilen Frauen ihre Geschichten miteinander. Erfahrungen, die berühren, ermutigen und auf einen Gott hinweisen, der Leben verändert und Zuversicht schenkt. Zum Jubiläum haben wir die Gelegenheit genutzt, Ellen Nieswiodek-Martin zu interviewen, die sonst selbst die Fragen stellt.

Ellen, du hast es nicht immer leicht gehabt. Was bedeutet Hoffnung für dich persönlich?

Hoffnung erlebe ich, wenn ich in einer schwierigen Situation etwas habe, auf das ich meinen Blick lenken kann. Wenn es einen Lichtstrahl gibt, etwas, das mich wieder aufrichtet und mir Mut gibt. Mein Hoffnungsgeber ist Gott. Ich habe oft erlebt, dass er mein Gebet erhört und mir eine Lösung geschenkt hat. Oder, dass er mir neue Gedanken und eine andere Perspektive auf eine schwierige Situation gegeben hat.

Seit wann bist du eigentlich mit Jesus unterwegs?

Ich war 17 Jahre alt, als ich Jesus kennengelernt habe. Ich habe damals während eines Praktikums Kontakt zu Christen bekommen und bin mit ihnen in die Jugendgruppe einer Freikirche gegangen. Ich fand es sehr spannend, dass sich junge Leute mit der Bibel beschäftigen und hatte viele Fragen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich gemerkt habe, dass Glaube keine reine Kopfsache ist, sondern eine Beziehung. Zu Jesus. Es war die wichtigste Entscheidung meines Lebens, mich Jesus anzuvertrauen. Seitdem habe ich ein grundsätzliches Vertrauen und eine lebendige Hoffnung in mir.

Kannst du das genauer beschreiben?

Ich komme aus einer dysfunktionalen Familie. Mein Vater war Alkoholiker und wir sind sehr oft umgezogen – quer durch Deutschland. Ich habe zehn Mal die Schule gewechselt. Immer war ich die Neue, immer musste ich wieder neue Freunde finden. Mit Gott kam Geborgenheit und Sicherheit in mein Leben. Ich habe bei ihm ein Zuhause gefunden. Da ist ein Gott, der mich liebt und gewollt hat. Das zu glauben und anzunehmen, war jedoch ein Prozess. Lange Zeit hatte ich ein falsches Bild von Gott, das auf meinen Erfahrungen mit meinem Vater basierte. Das Leben meines irdischen Vaters war von Sucht und Schmerz geprägt. Als junger Mann kämpfte er im Zweiten Weltkrieg und hat diese Erfahrung nicht verkraftet. Er betäubte seine Erinnerungen und seinen Schmerz mit Alkohol. Das habe ich erst viel später verstanden. Ich habe unter seinem Alkoholkonsum und seinem Verhalten sehr gelitten. Das Bild, das ich als Jugendliche von meinem Vater hatte, übertrug ich später unbewusst auf Gott. Es hat lange gedauert, bis ich erkennen konnte, dass Gott ein ganz anderer Vater ist. Heute bin ich so weit, dass ich in Vorträgen über meinen Weg spreche und mich freue, wenn ich anderen Frauen hilfreiche Erfahrungen weitergeben kann.

Wie beeinflusst der Glaube heute deinen Alltag?

Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Gott mich liebt, ohne dass ich dafür irgendeine Leistung erbringen muss. Für mich, die eher leistungsorientiert aufgewachsen ist, ist das eine große Entlastung. Das bedeutet nicht, dass mir immer alles gut gelingt. Ich bin auf dem Weg und lerne dazu. Gott wirklich in allem zu vertrauen, erlebe ich als Prozess: Es kam vor, dass ich mich als Opfer der Umstände, einer unglücklichen Ehe, einer Krankheit oder anderer belastender Umstände erlebte. Sich als Opfer zu fühlen, führt zu Selbstmitleid und Passivität, es lähmt mich. Besser ist es, die Dinge im Gebet vor Gott zu bringen und von ihm Hilfe zu erwarten. Er weiß um meine Situation. Er ist niemals überrascht von den Entwicklungen. Und er hat gute Pläne für seine Kinder. Durch die Beschäftigung mit der Bibel erfahre ich mehr darüber, wie Gott sich unser Leben vorstellt und was für ihn Bedeutung hat. Und wenn ich eine größere Perspektive einnehme, dann macht es mich zuversichtlich, dass Jesus den Tod überwunden hat und mir das Versprechen gibt, dass ich eines Tages dort sein werde, wo er ist. Ich denke nicht ständig darüber nach, was nach dem Tod kommt. Aber es gibt mir Halt zu wissen, wo ich hingehe. Der Tod hat nicht das letzte Wort und er ist nicht das Ende. Daher gehören Glaube und Hoffnung für mich zusammen.

Wie können wir ein Leben führen, das für andere einen Unterschied macht – gerade auch für Menschen, die Gott nicht kennen?

Ich versuche in meinem normalen Alltag ein wenig von Gottes Liebe weiterzugeben. Ich möchte die Menschen sehen, sie im Blick haben. Eine ältere Dame aus meiner Nachbarschaft geht ab und zu mit unserem Hund spazieren. Vor einiger Zeit war sie krank. Ich habe bei ihr angerufen und gefragt, wie es ihr geht und ob ich ihr aus dem Supermarkt etwas mitbringen kann. Sie war völlig überrascht und hat sich sehr gefreut, dass ich mich bei ihr melde. Oder ein anderes Beispiel: Letztes Jahr haben wir neue Nachbarn bekommen. Sie waren sehr gestresst vom Umzug und meine Tochter und ich sind bei ihnen vorbeigegangen und haben ihnen eine Weihnachtskarte und Plätzchen gebracht. Sie haben sich sehr über die Geste gefreut. Es sind die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen. In diesen Situationen konnte ich nicht von meinem Glauben an Jesus erzählen, aber ich habe ein bisschen Wärme und Nächstenliebe weitergegeben. Heutzutage kommunizieren wir viel auf digitalen Wegen. Manchmal vergessen wir dabei, einander zu sehen, wahrzunehmen und aufeinander zu achten. Wir können dort ein Segen sein, wo wir leben und arbeiten. In unserer Nachbarschaft. Am Arbeitsplatz. Beim Einkaufen. Durch kleine Dinge hoffe ich, anderen Gottes Liebe weitergeben zu können. Aber ich bin noch auf dem Weg und möchte besser darin werden.

Wir können dort ein Segen sein, wo wir leben und arbeiten. In unserer Nachbarschaft. Am Arbeitsplatz. Beim Einkaufen.

Du arbeitest nun seit über zwölf Jahren für Lydia. Was motiviert dich?

Wenn Frauen ehrlich von sich erzählen und berichten, was sie mit Gott erlebt haben, ist das die stärkste Ermutigung, die sie weitergeben können. Christen haben leider oft die Tendenz, die schwierigen Dinge nicht zu erzählen. Oft wären wir gerne so, wie wir denken, dass es richtig sei. Manchmal gibt es so einen unausgesprochenen Verhaltenskodex in Gemeinden. Über einige Dinge wird nicht gesprochen – man tut so, als sei alles gut, statt ehrlich miteinander zu reden. Das ist in Lydia anders. Die Autorinnen zeigen sich verletzlich, das kostet viel Mut. Frauen eine Plattform für den Austausch zu geben und die Zeitschrift inhaltlich zu gestalten, ist mir eine große Ehre und bereichert meinen eigenen Glauben. Mir wurde oft von Leserinnen zurückgemeldet, dass in der Zeitschrift ein Artikel war, der sie in ihrer aktuellen Lage ermutigt hat. Dass sie durch die Erfahrung einer anderen Frau gestärkt wurden und Gott ihnen dadurch begegnet ist. Oder, dass ein Text zu der Situation eines Menschen gepasst hat, dem sie das Heft dann weitergegeben haben. Aber all das können wir nicht „machen“, wenn wir die Ausgabe zusammenstellen. Wir haben eine Gruppe von Frauen, die für die Zeitschrift und für uns Redakteurinnen beten, das ist uns sehr wichtig. Und am Ende ist es Gott, der alles führt.

INTERVIEW: Yannika Bolz

FOTOS: Jessica Stotter

Der Text ist ein Auszug aus dem Interview in Lydia 01/2026. Die Lydia kann als Abo oder als Einzelheft erworben werden.

"Danke" an die Autorin

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sagen Sie der Autorin „Danke!“ mit einem Kommentar.

Artikel teilen?

Was denken Sie?

Teilen Sie Ihre Gedanke mit uns und anderen Lesern! Wir freuen uns über Ihren Beitrag.

> Kommentieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Artikel

Die Brückenbauerin
Julia Garschagen spricht als Leiterin des Pontes Institutes darüber, wie sich das Verständnis von Wahrheit verändert hat und welche Rolle die sozialen Medien dabei spielen.
> weiterlesen
Weihnachten auf der Autobahn
In der Weihnachtszeit fühlte sich Ira Schneider oft überfordert von stundenlangen Autofahrten, um allen Familienmitgliedern gerecht zu werden. Sie beschloss, gemeinsam mit ihrem Mann, neue Weihnachtstraditionen einzuführen.
> weiterlesen