Über das verlängerte Wochenende bin ich mit meinem Mann nach Hamburg gefahren, um die Logos Hope zu besuchen. Das ist ein Schiff des christlichen Hilfs- und Missionswerks Operation Mobilisation. Mich fasziniert es immer wieder, dass Menschen bereit sind, Jahre ihres Lebens auf einem Schiff zu verbringen, um Gott zu dienen. Gleichzeitig hat mich ein Gespräch mit dem Schiffsdirektor besonders ermutigt. Er betonte, dass wir Gott nicht nur auf einem Missionsschiff dienen können. Ob als Geschäftsmann, Logopädin, Hausfrau oder Mutter – Gott kann uns überall gebrauchen. Er sieht nicht auf unsere Position, sondern auf unser Herz.
Als wir nach einem langen Tag gerade auf dem Rückweg zum Hotel sind, begegnet uns ein Obdachloser. „Hey, habt ihr ein bisschen Kleingeld für mich?“, fragt er uns. Mein erster Impuls ist, einfach weiterzugehen. Doch mein Mann ist Gott sei Dank schneller als ich. Er greift zu seinem Geldbeutel und drückt dem Mann ein paar Münzen in die Hand.
Plötzlich kommt mir der Gedanke, ihm Gottes Segen zu wünschen. Doch ich zögere. Es fühlt sich heuchlerisch an. Wollte ich nicht gerade einfach weitergehen? Und nun sollte ich ihm Gottes Segen wünschen? Doch bevor ich etwas sagen kann, kommt er mir zuvor: „Bleibt gesund und Gottes Segen euch beiden“, sagt er.
Da wird mein Mann, der nie eine Gelegenheit auslässt über Gott zu reden, hellhörig und plötzlich befinden wir uns mitten in einem Gespräch über den Glauben. Der Mann erzählt, dass er bereits klinisch tot war, als Jesus ihn zurückgebracht habe. Auch hier auf der Straße erzähle er vielen Menschen von ihm und sei überzeugt, dass Gott ihn genau hier gebrauchen könne.
Da erinnere ich mich an unser Gespräch auf der Logos Hope zurück. Ja, dieser Mann nutzt seine Zeit und sein Leben, um ein Zeugnis für Gott zu sein. Denn dies ist tatsächlich überall möglich.
Ich muss Menschen nicht bewerten und ihre Lebensentscheidungen hinterfragen. Gott sieht ihr Herz und er kann absolut jeden gebrauchen. Dieser Mann mag obdachlos sein. Heimatlos ist er jedoch nicht. Denn seine Heimat ist bei Gott.
5 Kommentare
Dies ist ein wunderbarer Bericht und er lädt zum Nachahmen ein. ich danke Camilla Herrmann ganz herzlich dafür!
Vielen Dank für diesem wichtigen Gedanken!
Danke für diese berührende Erfahung. Besonders der Schluss bewegt mich. Ich treffe bei uns in der Fußgängerzone immer wieder auf einen Bettler. Inzwischen haben wir unsere Namen ausgetauscht und zusätzlich zur Gabe sprechen wir kurz miteinander. Ich denke, dass das auch ein bisschen Heimat sein kann für Menschen in dieser Situation. „Ich werde gesehen“ - das ist doch ein zutiefst menschliches Bedürfnis.
Wow, stark!
Danke fürs Teilen. ❤️
Ein sehr schöner Bericht !
Ich kenne von mir auch den Impuls, einfach weiter zugehen. Jedoch habe ich in den letzten Jahren Mut gefasst um kurz mit den Menschen zu sprechen, zumindest sie anzulächeln. Wenn ich etwas Geld gebe, dann mit dem freundlichen Hinweis, es bitte nur für Essen zu gebrauchen. Vor kurzem kam der Mann danach ganz freundlich auf mich zu und schwengte begeistert eine Bäckertüte. Da haben wir uns Beide gefreut !