Sonntag, 02.08.2026

Bin ich

gut genug?

Kennst du dieses Ziehen im Inneren – den Drang, immer mehr zu leisten, immer besser sein zu wollen?

Es ist ein Antrieb, der uns weit bringen kann und uns gleichzeitig oft das Leben schwer macht.

Mich begleitet dieses Gefühl schon seit meiner Kindheit. Ich suchte mir Bereiche, in denen ich glänzen konnte, in denen ich die Beste sein konnte – und merkte oft erst später, dass ich im Grunde nur eins wollte: gesehen werden. Trotz aller Erfolge blieb diese leise Frage: Bin ich genug?

Heute ist vieles ruhiger geworden. Ich jage nicht mehr ständig neuen Zielen hinterher. Doch dann kommt mein Sohn – zehn Jahre alt, Leistungsturner, voller Begeisterung und Freude. Er ist Gaumeister, Kinderturnmeister, steht auf dem Treppchen und ist schulisch stark.

Neulich wurde er nicht für eine Ehrung ausgewählt. Ich spürte sofort diese innere Unruhe. Immer wieder dachte ich: Warum wurde er nicht gewählt? Erst später verstand ich, was mich eigentlich bewegte: der Wunsch, gesehen zu werden, Anerkennung zu bekommen, dass auch mein Sohn geehrt wird.

Doch für ihn selbst war es überhaupt nicht wichtig. Er lachte, turnte, probierte neue Übungen aus – voller Freude und Neugier. Er drängte sich nicht in den Vordergrund, er verglich sich nicht mit anderen. Er lebte etwas, das ich mir so sehr für ihn und mich wünsche: Diese Gewissheit, dass Wert nicht an Leistung hängt. Dass wir genug sind, einfach so, wie wir sind.

Ich darf loslassen. Den Drang, immer mehr leisten zu müssen. Ich muss nicht ständig hervorstechen oder mich vergleichen. Ich darf einfach dankbar sein – für das, was ist, für die Freude, die ich erlebe, für die Liebe, die mich trägt.

Vielleicht darf ich neu lernen, mich selbst und mein Kind mit Gottes Augen zu sehen. Ich muss nicht vergleichen oder bewerten. Denn ich bin schon angenommen, geliebt, genug.

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4 Kommentare

  1. Liebe MJ, dieses Gefühl hat mich auch mein Leben lang begleitet. Meine Stiefmutter hat mir immer das Gefühl gegeben, kaum etwas richtig gemacht zu haben. Auch später habe ich den Satz: ,Du kannst das sowieso nicht richtig' gehört. Zum Glück habe ich auch Menschen um mich gehabt, die mich ohne Bedingung geliebt haben und die mir gesagt haben: ,Das hast du toll gemacht.'
    Es ist toll, dass Ihr Kind weiß, das es auch ohne Leistung geliebt ist. Auch Gott liebt uns bedingungslos, wenn wir ihn lieben und auch wenn wir mal fehl gehen, vergibt er uns, wenn wir unsre Sünden ihm bringen.

  2. Einfach Danke....ich habe früher auf immer das Gefühl gehabt...nicht gesehen zu werden...so wurde ich zu einer Superschülerin, machte alles zu Huase , was meine Schwestern nicht machten...Später wurde ich die Super-Ehefrau und natürlich Mama, ich wollte überall nur gut dastehen. und so wurde ich innerlich immer
    leerer...ich könnte die Liebe Gottes einfach nicht annehmen...ich wußte nicht, daß ich vor IHM nichts zu leisten habe...es dauerte viele Jahre bis ich es annehmen konnte...diese große Liebe und Barmherzigkeit zu Gott...auch wenn man wieder mal meint.....ich bin nicht gut genug und werde nicht gesehen....

  3. Danke für diese Gewissheit, Gottes geliebtes Kind zu sein, unabhängig von Leistung. Mir ist es auch wichtig im Älterwerden, dies zu leben und auch mitzuteilen: Selbst wenn Dienste in der Gemeinde weniger oder nicht mehr möglich sind, das ändert nichts an unserem Wert und unserer Würde. Vielleicht ist jetzt mehr das Zuhören dran oder das Mittragen im Gebet, unser Vertrauen in den mitgehenden Gott zu leben, der versprochen hat, uns zu tragen.
    Und ein zweiter Gedanke: Ein ehrliches Lob tut uns allen gut. Warum das nicht großzügig verschenken, Anerkennung und Dank aussprechen und die Menschen damit um uns herum aufbauen?

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