Seitdem ich meine Stelle in einer Gärtnerei angetreten habe, bin ich oft damit beschäftigt, Pflanzen zu transportieren. Es ist zu einer meiner Hauptbeschäftigungen geworden. Ich bringe sie vom Warmhaus ins Kalthaus, vom Kalthaus zum Verkaufsraum, in Frühbeet Kästen und auf Verkaufswagen. Oder ich stelle sie von einem Tisch auf einen anderen.Beim Umstellen kamen Fragen in mir hoch. Warum werden die Pflanzen so oft bewegt? Als die Sämlinge gewachsen waren, wurden sie pikiert, später getopft und jetzt stelle ich sie aus. So viel Arbeit! Muss das sein?
Natürlich, denn sie sind ja gewachsen, haben sich verändert und wollen noch größer werden. Dazu brauchen sie Licht und Luft und Weite. Das leuchtet jedem Gärtnerlehrling ein. Auch mir. Während ich vor mich hin arbeite, denke ich weiter: Ist das nur bei Pflanzen so oder gilt das auch für Menschen? Brauchen die auch mehr Platz, wenn sie wachsen?
Bei kleinen Kindern ist das so. Aus der Wiege wachsen sie ins Kinderbett und später ins „große“ Bett hinein. Aber Menschen wachsen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Sie lernen, lesen, schreiben und rechnen. Wechseln vom Kindergarten in die Grundschule zu weiterführenden Schulen, Berufsschulen und auf einen Arbeitsplatz Jedes Mal wechselt das Umfeld.
Wachsen im Glauben
Und wie ist das mit dem Wachstum in Glaubensdingen? Wächst man da auch? Ich denke ja: Ich habe erlebt, dass Menschen ihre innere Einstellung verändern und dann auch einen neuen Platz bekommen. Ich selbst arbeite schon lange nicht mehr in der Kinder- und Jugendarbeit mit. Dazu bin ich zu alt. Anstatt Bibelarbeiten für Kleingruppen vorzubereiten, schreibe ich Kurzgeschichten.
Auch andere Interessen haben sich verändert: Zum Beispiel ziehe ich die Gospelmusik der klassischen Chormusik vor. Auch mein Umfeld hat sich gewandelt. Ich bin an anderen Orten als vor 30 oder 40 Jahren. Ich bin gewachsen, habe mich umgestellt. Das war jedes Mal ein Verlassen des alten Platzes, auch wenn ich dort eingewurzelt war. Am neuen Ort gab es Neues, Fremdes, Anderes.
Auch wenn das Verlassen des alten Ortes manchmal weh tat, weil meine Wurzeln abrissen, ist es am neuen Ort jedes Mal besser gewesen. Denn mein „Gärtner“, Gott, weiß genau, dass er einen guten Ort für mich ausgesucht hat. Er will, dass ich weiterwachse, da bin ich sicher. Und freue mich darüber.
5 Kommentare
Ja ich liebe diesen grossen Gärtner auch. Bin froh das ich in seinen Händen bin. Er versorgt mich, er beschneidet mich und bringt mich zu seiner Zeit zum blühen.
Es ist doch wunderbar, wenn wir Veränderungen annehmen können und und darüber freuen können, was sie NEUES für uns bereithalten. Ich glaube unser himmlischer Vater hat das schon alles im Voraus im Blick, wenn ER will, dass wir an einen anderen Ort wechseln sollen. Das finde ich so tröstend daran, wenn es für uns heißt, von bisherigen Wurzeln uns zu trennen.
Mein Mann und ich haben das als Pfarrerehepaar erlebt, wenn es hieß, vertraute Orte, Aufgaben und Menschen zu verlassen und woanders neu zu beginnen. Andere Menschen, ein anderes Umfeld und andere Aufgaben bereichern unser Leben und geben uns neue Sichtweisen. Im Nachhinein bin ich sehr dankbar für alle Veränderungen und wie Gott uns bisher geführt hat.
Vielen Dank für das Teilen dieser Montagsgedanken!
Ich habe auch ein Bild von einem inneren Garten der Seele, den er bewässern und pflegen will, wenn wir ihn lassen. Bin auch als Kind und später öfter umgezogen. Mir fällt dazu das schöne Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse ein.
Ich bin begeistert von diesen Gedanken. Das Leben ist stetige
Veränderung. Und das kleine Menschenkind wächst ständig und so schnell. Und gleichzeitig wächst es in seinen Fähigkeiten, Begabungen und Talenten. Das bedeutet auch
Altes loszulassen und Raum für Neues einzunehmen. Wie genial ist der
Schöpfungsgedanke.
Wachsen und Werden!
LG Brigitte B.
Werden, so wie Gott mich will und wo er mich haben will.
Dazu gehört für mich vor allem das Wachsen in meinem Glauben. Das war für mich am deutlichsten spürbar.
Ich hatte früher das Bild in mir von einer Rose, der ich immer so viel Wasser gab, die sie zum wachsen benötigte. Diese Rose war mein Innerstes.
Ich freu mich immer wieder auf die Montagsgwdanken.