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Immer am Single-Tisch sitzen

„Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (1. Mose 2,18). Wieder merke ich, wie der Kloß im Hals immer größer wird. War dies Hochzeit Nr. 60 oder, wenn ich die Traugottesdienste ohne anschließende Feier mitzähle, vielleicht Nr. 70?!

Ich kämpfe mit den Tränen. Wieder bin ich auf einer Hochzeit eingeladen. Ich, die ich schon mit 20 wusste, wie gerne ich heiraten würde; die ich damals so viele kreative Hochzeitsideen hatte, die andere Bräute nun umgesetzt haben; die ich schon x-mal das Programm für andere moderiert habe, die Deko gemacht habe oder Trauzeugin war. Und nun ist ein Stempel auf mir. Er fängt mit „S“ an und hört mit „ingle“ auf. „SINGLE“.

Mein Single-Alltag

Singles sitzen bei Hochzeiten am Single-Tisch. Singles haben Zeit, um bei Umzügen zu helfen, auf die Kinder der Freundinnen aufzupassen, schnell noch irgendwo vorbeizukommen, statt selbst besucht zu werden, überall zu jeder Zeit in den Urlaub zu fahren, wohin sie auch möchten, morgens nach Belieben auszuschlafen und abends so oft wegzugehen, wie sie wollen, ohne einen Babysitter zu organisieren oder vom anrufenden Babysitter den Kino-Abend beenden zu lassen. Und das alles ist auch total schön und dafür bin ich von Herzen dankbar.

Ich habe Freunde, die mit mir in den Urlaub fahren. Ich habe Freunde, die mit mir 1000 schöne Dinge unternehmen – auch wenn sie nicht bei mir wohnen, nicht im Schlafanzug morgens mit mir frühstücken, sondern nur zum Frühstück kommen, wenn wir es eine Woche vorher geplant haben und ich extra dafür eingekauft habe …

Gottes Zusage

Im Leben gibt es immer zwei Seiten. Letztlich kommt es darauf an, in dem, was man hat und wer man ist, dankbar zu sein und den Ist-Zustand anzunehmen. Aber schwer fällt es mir trotzdem, wenn ich wieder mal den oben genannten Bibelvers höre. So bleibe ich fragend vor Gott, wie er diese Aussage der Bibel wohl gemeint hat. Hoffe, bete, bitte weiter dafür, dass dieser Wunsch, den Gott in mich hineingelegt hat, noch erfüllt wird.

Manchmal ärgere ich mich über mich selbst, dass es mir erst dann gutgeht, wenn ich höre, dass es anderen schlechter geht. Dass andere zum Beispiel niemanden haben, mit dem sie in den Urlaub fahren können. Oder dass sie sich als Single nicht trauen, sich selbst bei Paaren oder Familien einzuladen, und deshalb immer mehr vereinsamen.

In allen Fragen bleibt Gottes Zusage, dass er es gut mit mir meint und mein Leben in seiner Hand hält.

Was mich tröstet und stärkt

Ab und zu gratulieren mir verheiratete Freunde zu meiner Unabhängigkeit und der vielen freien Zeit. Lapidar erwidere ich oft: „Du hast gut reden!“ Ein guter Freund schrieb mir einmal folgende Bibelstelle, als ich besonders traurig war:

„Ich möchte euch in allen Dingen unbelastet und ohne Sorgen wissen. Wer unverheiratet ist, kann sich uneingeschränkt für die Sache Gottes einsetzen und so dem Herrn gefallen. Ist aber jemand verheiratet, so kümmert er sich um viele Dinge und will seiner Frau gefallen, und er kann Gott nur mit einem Teil seiner Kraft dienen“ (1. Korinther 7,32-33).

Er schrieb dazu: „Ich freue mich, wie viel Zeit du in andere Menschen investierst, Dinge im Reich Gottes bewegst und dich von Gott mit deinen Gaben gebrauchen lässt.“
Ich merke, dass mich diese Worte trösten und stärken. Ich lebe im Jetzt. Ich bin jetzt Single und habe jetzt Zeit, mich voll und ganz ins Reich Gottes zu investieren. Das ist zurzeit meine Aufgabe und Berufung.

Vertrauen statt vergleichen

Hinter mir liegt die Hochzeit meiner besten Freundin. Ich wollte mich mitfreuen, beten, sie unterstützen, mitfiebern … Ja, es ist mir schwergefallen. Mir kam es so vor, dass sie den großen Segen erntet und ich selbst leer ausgehe. Aber alles Vergleichen bringt mich nicht weiter. Hat es noch nie.

So entscheide ich mich neu, manchmal täglich, Gott zu vertrauen und im nächsten Traugottesdienst getröstet zu sein in dem Wissen, dass Jesus mit mir mitfühlt, wenn es heißt: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“

Ja, Herr, das ist es nicht. Du hast den Menschen auf Gemeinschaft angelegt. Bitte sorge dafür, dass ich weiterhin mit Gemeinschaft versorgt und umsorgt werde. Wie auch immer diese aussehen mag. Ich will mich deinem Plan anvertrauen.

Dieser Artikel von Ines Emptmeyer erschien in LYDIA 1/2010.
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5 Kommentare

„Durch Zufall bin ich auf diesen Artikel gestoßen, obwohl bei Gott gibt es keine Zufälle. Also sollte es wohl so sein, Gott der treue Vater, erinnert mich (mal) wieder daran, dass es in Ordnung ist, Single zu sein ... Dabei geistert mir zu oft der Gedanke durch den Kopf "Du hast leicht Reden"! Es erinnert mich daran, dass Gott für jeden seinen perfekten Zeitplan hat (der selbstverständlich nicht mit meinem zusammen passt :-)) Doch wer bin ich, dass ich mich beschwere? Und trotzdem fällt es manchmal so schwer, sein Single-Dasein von Herzen anzunehmen, besonders wenn eine kleine penetrante Stimme im Kopf flüstert: „Du wirst auch nicht jünger“! Diese Stimme muss dann zum Schweigen gebracht werden oder die Stimmen die sehr real sind und einem sagen: "Schraube Deine Ansprüche runter und Du wirst sehen ..." Wie oft kommt dann der Groll in einem hoch und man fragt sich, warum gerade ich?  Aber dann flüstert eine ganz leise Stimme: Ich lasse Dich doch niemals allein und ich liebe Dich, so wie Du bist!"  Das baut auf und stärkt einen für die nächste Runde, wenn wieder eine Hochzeitseinladung ins Haus flattert, zu der man ohne Begleitung hingeht oder die nächste Babyparty organisiert werden will, die nicht die eigene ist ... Dann erkennt man, dass das der Dienst für andere ist. Sich mitfreuen, segnen, stärken, trösten, beten, lachen, weinen ... Ja, ich lebe im Jetzt und Gott ist bei mir. Seine Zusagen bleiben bestehen, gerade dann, wenn eine Einsamkeitsphase über einen schwappt. Diese kommen, ob man will oder nicht. Aber ich muss nicht dagegen ankämpfen, sondern darf sie zulassen und an Gott weitergeben. Er wird sich darum kümmern”

Natalia

„Mir gibt dieser Bericht Mut. Ich lese auch als Mann gerne Lydia und abonniere sie auch, weil die Artikel mich ansprechen. Ich bin froh, dass ich nicht allein bin als Mann, da ich immer die Falschen treffe.”

Silas Kleen

„Sehr schöner Artikel, der mich getröstet und ermutigt hat. Es ist schön (oder eigentlich ja nicht) zu erfahren, dass man mit seiner Situation nicht alleine ist. Dabei stört mich mein Singlesein die meiste Zeit überhaupt nicht. Ich genieße meine Freiheit. Aber wenn ich mit meinen Freundinnen zusammen bin (die sind alle verheiratet oder in einer Partnerschaft), dann habe ich immer so eine kleine, nervige Stimme im Ohr, so nach dem Motto: "Die bemitleiden dich, die sehen auf dich herab, die denken jetzt was schlechtes über dich." Das ist das schlimmste am Singlesein - was die anderen über einen denken.”

Raphaela

Ich schreibe ein paar Zeilen, die Mut machen sollen. Wir sind knapp 20 Frauen in einer Clique, mühsam zusammengetan, kam nicht von heute auf morgen... Davon sind 17 Single Frauen, alle zwischen 25 und 40. Gott hat tatsächlich einen Plan und er lässt niemanden alleine. Hinterher wird man wissen, für was es gut war und alles kommt zur rechten Zeit. Manchmal wird auch die Geduld geprüft. Das Gras wird nicht schneller, wenn man daran zieht.
Ich bin seit 13 Jahren Single und weiß, wovon ich rede. Ich nehme es wie es kommt und bin dankbar bei guter Gesundheit zu sein. Der Rest kommt von alleine. Alles Gute an alle.
Helene

Helene

Was bei "menschlichen" Singles die Junggesellenabschiede, Hochzeiten, Urlaube und Babyparties sind, sind bei mir als "geistlicher" Single die Gemeindeveranstaltungen, sämtliche christliche Events, der nicht gemeinsam vorhandene christliche Freundeskreis.
Auch das ist ein Weg, der viele Fragen aufwirft und mal mehr oder weniger schwer anzunehmen und zu leben ist.
Und doch will ich immer wieder bereit sein, diesen Platz, an den Gott mich gestellt hat, anzunehmen und ihn mit Gottes Hilfe zu leben. Und nicht "neidisch", traurig oder missgünstig auf die Ehen und Familien anderer zu schauen, die gemeinsam diesen Weg gehen.Sondern auch in meiner Situation das Gute, Positive und Schöne zu sehen, unabhängig vom Glauben der übrigen Familie und mich fragen, was Gott an dieser Stelle mit mir und meinen Lieben vorhat.

Doris
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