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Die Leerstelle in unserem Leben

Christian und ich können keine eigenen Kinder bekommen. Als diese Botschaft in mein Herz sickerte, war ich schockiert. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, als würde mir Gott einen Blick in die Zukunft schenken. Ich konnte uns beide von hinten sehen, Hand in Hand. Zu zweit. Ohne Kinder. In Sekundenschnelle ordneten sich meine Gedanken und eine Frage tauchte auf: „Okay, wenn Gott keine eigenen Kinder für uns geplant hat, was hat er dann mit uns vor?“

Im Rückblick bin ich dankbar, dass meine Neugier auf das, was Gott für uns bereithielt, größer war als der Schmerz über das, was er offensichtlich nicht für uns bereithielt. Ich bin dankbar, dass die Wahrheit mich nicht zerbrochen hat, sondern sich stattdessen wie ein Ordnen anfühlte. Ich vertraute darauf, dass trotz allem eine wunderbare Zukunft vor uns lag.

Anders sein tut weh

Allerdings war das Thema Kinderlosigkeit damit nicht abgehakt. An diesem Tag begann eine Reise des Begreifens und des Trauerns. Manchmal poppten Bilder vor meinem inneren Auge auf, wie Christian als Papa mit unseren Kindern im Garten spielte. Mir wurde immer mehr bewusst, dass wir ganz schön viel nicht erleben würden. Es war ein Prozess des Loslassens.

Leichter war es, wenn wir von Paaren umgeben waren, die noch keine eigenen Kinder hatten. In anderen Zeiten dagegen war es schwer. Etwa als enge Freunde uns erzählten, dass sie Eltern werden würden. Das fühlte sich an wie ein Schlag in die Magengrube. Nicht, weil ich mich nicht für sie gefreut hätte. Aber in solchen Momenten wurde mir vor Augen geführt, dass wir das nie erleben würden. Wir hatten diese Grenze der Kinderlosigkeit in unserem Leben, die uns das Hineintreten in die Welt der Eltern versperrte.

In solchen Momenten fühlte ich mich von Gott benachteiligt. Zurückgestellt. Vergessen. Ich hatte den Eindruck, dass wir anders sind. Ich fühlte mich seltsam, wenn ich auf Frauen traf, die so stark in der Mama-Welt versunken waren, dass sie mir den Eindruck vermittelten, dass sie mit einer Frau ohne Kinder nicht viel anfangen konnten. Mir schien, als hätten wir keine gemeinsamen Gesprächsthemen, als würden unsere Lebenswelten zu weit auseinanderklaffen. 

Auch piekte es hin und wieder, wenn ich meine Schwestern mit ihren zuckersüßen Kindern sah. Was für ein Geschenk, kleine Persönlichkeiten stärken und ihnen Gottes Liebe weitergeben zu dürfen! Mir ist bewusst, dass Erziehung kein Zuckerschlecken ist und seine eigenen Herausforderungen hat. Dennoch wird das Leben durch eigene Kinder sehr reich und bunt. Ja – manchmal piekte es ganz schön in meinem Herzen.

Wachsen im Schmerz

Aber: Wir dürfen wachsen. Wir dürfen wachsen in und durch Herausforderungen. Ich ließ meine Fragen zu, meine Zweifel an Gott, meine Tränen und meine Traurigkeit. Aber ich ließ auch zu, dass mein Vertrauen größer wurde. Mein Glaube an einen Gott im Himmel, der mich sieht und es gut mit mir meint. Ich lernte, diese „Leerstelle“ in meinem Leben zu akzeptieren und Momente zu genießen, die Gott mir mit Kindern schenkte: Mal durfte ich in der Gemeinde überraschend ein Baby auf dem Arm halten. Oder ich erlebte schöne Stunden mit meinen Nichten und Neffen. Da wurde keine Traurigkeit in mir groß, sondern die Dankbarkeit für diesen einen Moment. Ich liebe Kinder sehr und bin froh, dass Gott viele Kinder in mein Leben gebracht hat.

Einmal hatte ich ein besonderes Erlebnis. Ich war im Urlaub an der Ostsee und sprach im Gebet mit Gott. Ich spürte diese „Leerstelle“ in meinem Leben gerade sehr stark und meine Sehnsucht war ungemein groß. Da wurde mir auf einmal ganz klar, dass ich nicht auf meinen Traum vom Familienglück fixiert sein sollte, sondern Gott mich einlud, meinen Blick weiter zu öffnen. Anstatt zu beten „Gott, erfülle meinen Traum“, wollte ich von nun an beten: „Gott, fülle meinen Traum.“ Gott kann Leerstellen im Leben füllen. Manchmal anders, als wir es erwarten. Manchmal anders, als wir es uns gewünscht hätten. Aber immer so, wie es seiner Güte und Liebe entspricht.

Auf unterschiedliche Weise entdeckten Christian und ich, dass wir Eltern sein dürfen und sollen – nämlich geistliche Eltern. Wo sind Kinder, Teens oder Jugendliche, die wir als Paten, Jugendleiter, Mentoren oder Seelsorger prägen können? Wo sind Menschen, für die wir – vielleicht nur für kurze Zeit – Vater oder Mutter sein dürfen? Wir wollen unser Herz und unser Leben bewusst öffnen, um Menschen Gutes zu geben. Vielleicht sind es am Ende gerade die Dinge, die man nicht hat, die einen sensibler, weicher und empathischer machen für andere Menschen, die ja auch mit Fragen, Sehnsüchten und Träumen umgehen müssen, die sich (noch) nicht erfüllt haben.

Ganz konkret leben wir Elternschaft in unserer Jugendarbeit, die wir seit unserer Hochzeit vor rund fünf Jahren leiten. Wir haben Platz in unseren Herzen für die Jugendlichen, sind für sie da, begleiten und fördern sie und teilen unser Leben mit ihnen. 

Neues entsteht im Warten

Wo dürfen wir uns in Zukunft einbringen? Werden wir ein Kind adoptieren? Wird Gott uns Pflegekinder schenken? Werden wir noch einmal woanders hinziehen und ein neues Abenteuer beginnen? Wir haben eine große Freiheit, die wir als Paar gestalten dürfen. Viel weites Land liegt vor uns, das wir einnehmen dürfen. Es braucht Mut, Kreativität und Entschlossenheit, gemeinsam seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Mein Mann und ich fordern uns gegenseitig heraus, in allen Fragen in enger Verbindung mit Gott zu leben. Manchmal bedeutet das, zu warten und dabei zu reifen. Und manchmal bedeutet es, fröhlich aus dem sicheren Boot aufs Wasser zu springen und mutige Schritte zu gehen. 

Kürzlich sind wir beispielsweise spontan einem Impuls nachgegangen, der uns Frieden und große Freude ins Herz geschenkt hat. Wir haben uns kurzerhand entschlossen, unser Mietshaus komplett zu mieten. Nun haben wir 60 Quadratmeter mehr. Ein großer Raum, an den eine Küche anschließt, wird mein Raum, in dem ich schreiben, beten, sowie Seelsorge, Coaching und Workshops anbieten möchte. Wir sind gespannt auf das, was sich in diesem „erweiterten Land“ entwickeln wird.

Offen für Gottes Segen

Ja, Gott geht mit uns durch den Segensregen und steigt mit uns auf zu Höhenflügen. Er geht mit uns durch Tunnel und durch Wüsten. Er bewahrt uns nicht vor Schwerem im Leben. Aber er bleibt stets an unserer Seite. Immer wieder lädt er uns ein, ihm zu vertrauen. Ins Ungewisse zu gehen, der Zukunft entgegen, die er für uns bereithält. Wir möchten uns öffnen für den Segen, den Gott uns schenkt. Ich kann von Herzen mit David sagen: „Du überschüttest uns mit Segen. Deine Güte und Gnade begleiten uns alle Tage unseres Lebens“ (nach Psalm 23,5–6).

Nelli Bangert ist Autorin und Referentin. Dieser Artikel erschien in Lydia 3/2021.
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