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Beziehungsstatus: bedingungslos geliebt

Es ist ein warmer Frühsommertag, an dem ich draußen in einem Café in der Sonne sitze. Mir fällt auf, dass um mich herum lauter Frauen sitzen, die entweder schwanger sind oder ein Baby auf dem Schoß haben. Verpasse ich etwas? Wäre ich auch gern Mutter und hoffentlich glücklich verheiratet mit dem Vater des Kindes?

Das Kleinkind am Nachbartisch fängt an zu schreien, fuchtelt mit den Armen und wirft dabei die Tasse seiner Mutter um. Ich wende mich meinem Getränk zu und denke, dass ich eigentlich ganz zufrieden damit bin, wie es gerade ist.
Nun sind unentspannte Cafébesuche nicht die einzige Folge des Mamaseins. Eine meiner Freundinnen hat zum Beispiel vor Kurzem ihr erstes Baby bekommen. Seit dem Tag der Geburt hat sich etwas verändert: Sie spricht nur noch von „wir“. Plötzlich sagt sie Treffen ab, weil „wir heute nicht gut drauf sind“. Oder sie schreibt mir, dass sie beide meine Sprachnachricht angehört und sich darüber gefreut haben. Wie interessant kann meine Sprachnachricht für ein sechs Wochen altes Baby sein?!?
Auf der einen Seite freue ich mich, dass meine Freundin sich mit ihrem Baby so verbunden fühlt. Auf der anderen Seite wächst die Sorge in mir, dass sie sich dabei verliert – oder mich. Das ist wie mit Freundinnen, die frisch in einer Beziehung sind oder gerade geheiratet haben. Plötzlich identifizieren sie sich nur noch über ihren Partner. Auch hier wird aus einem „ich“ ein „wir“. Was bis zu einem gewissen Grad wichtig für ihre Beziehung ist, um als Paar zusammenzufinden, kann sich in eine ungesunde Richtung entwickeln – das zeigt sich spätestens dann, wenn er mir erklärt, dass sie morgens beide unter Schwangerschaftsübelkeit leiden!

Was mein Beziehungsstatus über mich aussagt
Wie schnell kann es passieren, dass wir uns über einen anderen Menschen definieren! Über einen Partner. Über ein Baby. Da werden die verschiedenen Rollen, die wir einnehmen, zu einem grundlegenden Teil unserer Identität. Wir sind Mütter, Ehefrauen, Freundinnen, Schwestern, Töchter oder Kolleginnen. Während sich das oft gut anfühlt, weil wir uns zugehörig fühlen, besteht die Gefahr, dass wir unseren Wert aus etwas ziehen, was nicht unsere Identität bestimmen sollte. Ich bin nicht nur die Tochter von. Ich bin nicht nur Freundin oder Schwester. Ich bin so viel mehr! Mir das bewusst zu machen, führt zu Entspannung und innerer Festigkeit. Ich bin mehr als die Rollen, die ich einnehme. Denn Beziehungen, egal ob zu meiner besten Freundin, zu meinem Partner oder zu meinem Kind, können sich verändern. Irgendwann werden sie auf dieser Erde enden – durch veränderte Umstände, durch Trennung oder den Tod. Meine Identität hängt nicht von diesen Beziehungen ab.
Ich habe mich schon oft dabei ertappt, dass ich mich unwohl fühle, weil ich Single bin. Da fragt mich jemand, ob ich denn nun endlich jemanden kennengelernt habe, und schon fühle ich mich unzulänglich. Nein, immer noch kein Mann in Sicht. Tut mir leid, irgendetwas scheint bei mir falsch zu laufen. Früher hatte ich Angst, allein zu bleiben, niemanden zu finden, weniger wert zu sein. Das hat dazu geführt, dass ich hektisch angefangen habe, einen Partner zu suchen. Ich habe begonnen, auf christlichen Partnerportalen mit Männern zu chatten, die ebenfalls auf der Suche nach einer Beziehung waren. Ich habe Zeit und Kraft investiert, um jemanden kennenzulernen. Viel zu spät habe ich festgestellt, dass ich das aus den völlig falschen Motiven gemacht habe. Ich dachte, mit einem Partner wäre mein Leben wertvoller, besser. Dabei habe ich aus den Augen verloren, dass ich auch ohne Mann an meiner Seite vollständig bin. Und dass Gott mir eine Berufung aufs Herz gelegt hat, die ich schon heute leben kann. Ich muss nicht auf einen Partner warten, um ein erfülltes Leben zu führen und meine Bestimmung zu leben.

Mein wahrer Wert
Menschen, die ihre Identität aus ihrem Beziehungsstatus ziehen, werden immer wieder versuchen, ihr Leben mit einer Beziehung zu füllen. Doch dieser Lebensmittelpunkt funktioniert auf Dauer nicht. Dabei ist es egal, ob ich mich über meinen Partner, mein Kind, meine Herkunftsfamilie oder meine beste Freundin definiere – wenn diese Beziehung sich verändert, gerät mein ganzes Lebensgerüst ins Wanken.
Aber wie finde ich meine wahre Identität? Ich will nicht einfach „Rebekka, 31, Single“ sein und auch nicht über meinen Beruf definiert werden. Stattdessen wünsche ich mir, mich so zu sehen, wie Gott mich sieht – denn das ist im Kern meine Identität. Gott sagt mir, wer ich bin: seine geliebte Tochter. Ich bin gewollt, wertvoll, einzigartig, wunderbar, gerettet und heilig. Jesus ist für mich gestorben, damit ich ewig leben kann. So sehr liebt er mich! Bedingungslos, umfassend. Die Identität, die Gott mir gibt, bleibt. Sie ist kein Beziehungsstatus, der sich irgendwann ändert. Denn Gott ändert sich nicht. Er war schon immer gut, er ist gut und er wird immer gut bleiben.
Ja, ich wünsche mir, dass eines Tages ein Mann in mein Leben tritt. Ich will offen dafür sein, Männer kennenzulernen und zu schauen, was sich entwickelt. Aber ich muss nicht auf dem Bahnsteig stehen bleiben und darauf warten, dass der Eine endlich vorbeikommt, damit wir uns gemeinsam auf den Weg machen können. Ich habe nur dieses eine Leben auf der Erde. Mein Leben ist wertvoll. Ich will nicht warten, sondern loslaufen, meine Gaben einsetzen und meine Bestimmung erfüllen. Und wenn er irgendwann vorbeikommt und wir gemeinsam weitergehen, ist das gut – wenn nicht, ist das auch okay. Denn mein Beziehungsstatus ändert nichts an dem Wert, den Gott mir gibt.

Rebekka Gohla ist Sozialpädagogin und Buchautorin und liebt alles, was kreativ ist. Dieser Artikel erschien in LYDIA 2/2019.

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2 Kommentare

Wie wundervoll ist das: ich bin gewollt,wertvoll, einzigartig,wunderbar,gerettet u heilig.
Hätte mir das mein Elternhaus vermitteln können würde ich mich selbst mehr lieben u mein Leben wäre leichter.

Gathe Ketterer

Ich hatte bei der Aufzählung „gewollt, heilig...“ das „geliebt“ gesucht und dann erst gesehen, dass ich eine „geliebte Tochter“ Gottes bin. Das „geliebt“ ist verbunden mit mir; es schafft es nicht erst in eine Aufzählung, sondern ist schon untrennbar enthalten in dem, wer ich bin: geliebte Tochter! Kein Attribut um mich näher zu beschreiben, sondern ich! Danke!

Danke auch für den Gedanken, dass ich nicht nur „Ehefrau von....“ bin, sondern ich bin auch Ruth. Mit ihren eigenen Bedürfnissen, eigenen Grenzen und die sind genauso wichtig, wie die meines Mannes. Meinen Mann zu unterstützen, ihm ein Stück den Rücken ein Stück freihalten mache ich sehr gerne. Aber nicht so weit, dass ich mich selbst dabei aufgebe und nicht mehr auf meine Bedürfnisse achte.

Vielen Dank für diesen Beitrag!

Ruth
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