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Zerbrochene Herzen heilen … langsam

Wohl jede Frau trifft es irgendwann in ihrem Leben – entweder wird ihr eigenes Herz gebrochen oder das ihrer Freundin, Nachbarin, Mutter oder Schwester. Wie können Frauen nach einer so schmerzlichen Erfahrung Heilung finden und anderen beistehen, die Zerbruch erlebt haben?

Als meine Freundin Liane um Mitternacht weinend vor der Tür stand, wusste ich, dass etwas Schreckliches passiert sein musste. Und so war es auch: Ihr Ehemann hatte ihr von heute auf morgen erklärt, er würde sie nicht mehr lieben und sie und die Kinder verlassen. Diese Nachricht traf sie – wie so viele Frauen – aus heiterem Himmel. Auch wenn sie im Nachhinein manche Warnsignale erkennen konnte, fühlte sie sich, als würde „eine Tasse in tausend Stücke zersplittern“.

Das Bild des Zerbruchs findet sich auch in der Bibel. Voller Trost ist die Aussage, dass Gott „heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden“ (Psalm 147,3). Bald schon bemerkt eine betroffene Frau, dass die Wunde, die ein solches Verlassen-Werden aufreißt, trotz Verbinden eine lange Zeit zum Heilen benötigt.

Zeit zum Heilen

Zerbrochene Herzen heilen nicht so rasch wie ein aufgeschlagenes Knie. Nach Todesfällen geben wir Trauernden die Zeit, die Phasen der Trauer zu durchleben. Erleidet jemand allerdings einen Beziehungsbruch, versuchen wir oft, die Freundin oder Schwester abzulenken und ihr zu vermitteln: „Vergiss diesen untreuen oder hartherzigen Kerl doch einfach! Er hat so eine tolle Frau wie dich nicht verdient!“ Aber so funktioniert Trauerarbeit um das Verlorene nicht. Denn auch bei dieser Art von Verlusterfahrung gibt es bestimmte Phasen der Heilung.

Der erste Schock:

„Morgens, wenn ich aufwache, denke ich, alles sei nur ein böser Traum! Aber der Blick auf das leere Bett neben mir zeigt, dass es wahr ist.“ Claudia drückt aus, was viele Frauen in der Phase des Verlassen-Werdens empfinden. „Ich konnte es einfach nicht glauben, dass der Mann, der über zwanzig Jahre an meiner Seite war, in der Lage war, neben mir eine neue Beziehung aufzubauen und mich von heute auf morgen alleinzulassen!“

Die Phase des Schocks kann sehr lange dauern. Eine verletzte Frau benötigt eine gute Freundin, die sie in dieser Zeit auffängt und umarmt, die stundenlang zuhört. Dabei sollte man auf unangebrachte Kommentare verzichten wie „Ich finde, er war immer schon sehr eigenartig“ oder „Ich habe das kommen sehen“. Verletzte Frauen erleben häufig, dass sich Freundinnen zurückziehen, weil sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Da ist es wichtig zu wissen: Man kann eigentlich nichts Wesentliches falsch machen im Umgang, außer wenn man die Freundin in dieser schlimmen Zeit alleinlässt.

Allzu radikale Veränderungen sind in der Anfangsphase schwer zu ertragen. Kleine Umstellungen können jedoch wahre Wunder in zerbrochenen Herzen bewirken. Liane versah die leere Bettseite mit einer hübschen Tagesdecke, Kissen und ihrem Lieblingsteddy aus Kindheitstagen. „Anstatt jeden Abend und jeden Morgen den Verlust zu sehen, blicke ich jetzt in fröhliche Knopfaugen!“

Emotionen brechen auf:

Diese Phase ist wohl die intensivste und heftigste. Es sind die Wochen und Monate, in denen der eigene Charakter am meisten unter Beweis gestellt wird. „Am liebsten möchte ich ihn auch so sehr verletzen, damit er weiß, wie weh das tut!“ oder „Wie konnte er uns das antun?“ Gedanken wie diese überschlagen sich im Kopf des verletzten Partners.

Es ist eine Zeit voller Trauer, Wut und Angst. Und auch die Zeit des Weinens. In jener Zeit tröstet die Zusage in der Bibel, dass Gott unsere Tränen in einem Krug sammelt (Psalm 56,9). Gott weiß um jede im Verborgenen geweinte Träne und ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.

Verletzte Menschen stehen in der Gefahr, zu Alkohol und anderen Suchtmitteln zu greifen, damit „es nicht mehr so weh tut“. Liane hat ein gutes Gegenmittel gefunden: Überall in der Wohnung hat sie stark duftende Seifen mit ihrem Lieblingsaroma griffbereit liegen. Wenn der Schmerz zu groß wird, dann riecht sie daran. Der Veilchenduft beruhigt sie und sie steht nicht in Gefahr, zum Alkohol zu greifen. Hilfreich ist auch der Duft von Orange-Zimt, entweder als Badezusatz, in der Duftlampe oder als Tee. Auch Bewegung, etwa zu Lobpreisliedern zu tanzen, bekämpft den schwer zu ertragenden Schmerz. Und es tut gut, zusammen mit einer Freundin zu beten.

Suchen und finden:

Nachdem ihr Mann sie für eine Jüngere verlassen hatte, meinte eine Freundin: „Ich musste mich erst mal entlieben. Das war gar nicht so leicht!“ Sie drückt damit aus, was viele betroffene Frauen erleben: Sie müssen mit einer Situation fertig werden, in die sie sich nicht selbst begeben haben. Man wird gezwungen, die Partnerschaft zu beenden und zuzusehen, wie der geliebte Partner scheinbar glücklich und zufrieden ohne einen weiterlebt. Das bringt mit sich, dass die Betroffene sich selbst ein Leben allein aufbauen muss, das fern aller bisherigen Lebenspläne verlaufen wird.

In dieser Zeit benötigt die Frau, deren Herz gebrochen wurde, Unterstützung in praktischen Dingen wie Wohnungssuche, beim Wiederentdecken von Hobbys oder Finden eines neuen Haarschnitts. Solche äußeren Veränderungen helfen, den Selbstwert, der durch einen Betrug des Partners arg ins Wanken gerät oder zerstört wird, ein wenig zu heben.

In diese Phase fällt meistens die Scheidungsverhandlung, die die Wunden wieder neu aufreißt. Liane wollte, dass ihre Wegbegleiterinnen sie zum Verhandlungstermin begleiteten und anschließend mit ihr essen gingen. Wir machten dieses Essen zu einem feierlichen Mahl und überreichten ihr als Zeichen für einen neuen Lebensabschnitt ein Schmuckstück mit der Zusage, dass unsere Freundschaft bestehen bleibt.

Neuer Selbst- und Weltbezug:

Das Schlimmste scheint in dieser Phase überstanden zu sein. Dennoch fallen gerade in diesen Wochen der Neuorientierung viele Betroffene nochmals in eine tiefe Niedergeschlagenheit. Die Menschen um sie herum haben sich längst an die neue Situation gewöhnt, die Zeit des Mitleids und Mittragens ist vorbei. Nur die verletzte Seele blutet manchmal noch ziemlich stark. Eine Frau, die jahrelang mit dem Partner aufgetreten ist, ist nun wieder Single. Aus dem „wir“ wird ein „ich“. In dieser Phase ist Eigeninitiative gefragt. Das fällt oft schwer und dafür braucht es immer wieder Ermutigung von einer treuen Freundin.

In dieser Zeit kann es für Betroffene hilfreich sein, ein Tagebuch zu führen, in dem alles Tröstliche, aber auch der Kampf aufgezeichnet wird. Das Sammeln von Bildern, Ermutigungskarten, und Bibelversen ist im Rückblick wie ein roter Faden, der sich durch die Zeit des Heilwerdens zieht.

Schenken Sie Ihrer Freundin oder Bekannten, deren Herz gebrochen wurde, ein hübsches Notizbuch, in das Sie das eine oder andere freundliche und hoffnungsbringende Wort hineinschreiben und mit ein paar schönen Bildern ergänzen. Die leeren Seiten gehören Ihrer Freundin, die darin ihren Verlust aufarbeiten und sich alles von der Seele schreiben kann. Oder wie Liane meinte: „Dieses Buch ist ein Zeichen, dass der hässlichste Sprung meines Lebens nicht nur verdeckt, sondern zu etwas Neuem geworden ist.“

Roswitha Wurm ist Pädagogin und Autorin. Dies ist eine gekürzte Version aus ihrem Artikel in LYDIA 2/2018.

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