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Vergeben und ins Meer versenkt

Vor längerer Zeit hatte ich einen schweren Autounfall. Ich war mit zwei meiner vier Kinder unterwegs, als mir ein Autofahrer die Vorfahrt nahm und mit voller Wucht in die Seite unseres Kleinbusses fuhr. Dann spielten sich dramatische Minuten ab. Der Kleinbus blieb auf der Seite liegen und wir konnten nicht heraus. Ein Passant fasste sich ein Herz und zog uns nacheinander durch die Heckscheibe ins Freie.
Durch ein Wunder waren wir alle drei unverletzt. Allerdings musste jeder auf seine Weise den Schock verarbeiten. Ich war wütend und hatte Angst, wieder in ein Auto zu steigen. Meine zweijährige Tochter sagte vor jeder Autofahrt, dass wir nicht mehr umfallen sollten. Und mein elfjähriger Sohn machte vieles mit sich selbst aus und zog sich zurück.

Unerwünschte Nachwirkungen
Für den Unfallverursacher, der ebenfalls nicht verletzt war, kam es zu einer Anklage und ich wusste, dass ich ihn vor Gericht wiedersehen würde.
Natürlich war ich dankbar, dass wir unversehrt geblieben waren, dennoch trug ich eine große Wut in mir, wenn ich über den Unfall nachdachte. Dazu kam, dass wir einen neuen Kleinbus brauchten, da unser geliebter Familienbus Totalschaden erlitten hatte. Eine Erschöpfung machte sich in mir breit.
In der Seelsorge legte ich alles Gott hin und schaffte es nach einigem Ringen, dem Unfallverursacher zu vergeben. Es war zunächst eine reine Kopfsache, doch der Anfang war gemacht.
Dann kam die Gerichtsverhandlung. Ich hatte weiche Knie, denn vor dieser erneuten Begegnung graute es mir. Wir begrüßten uns aus der Ferne. Ich wollte dies alles schnell hinter mich bringen und wieder nach Hause gehen.
Nach der üblichen Fragenstellung und Rekonstruierung des Unfalls fand der Richter harte Worte. Es fiel der Satz, dass dem Angeklagten so etwas Ähnliches vor achtzehn Jahren schon einmal passiert war. So stand es in seiner Akte. Aufgrund dieser Tatsache fiel die Strafe noch etwas härter aus, obwohl er damals schon eine Strafe bekommen und auch verbüßt hatte. Der Angeklagte fiel bei dem Urteilsspruch immer mehr in sich zusammen.

Fischen verboten!
Mir wurde schlagartig bewusst, wie weit das weltliche und das himmlische Gericht auseinanderliegen. Wenn ich Jesus eine Sünde bekenne und um Vergebung bitte, nimmt er sie mir für allezeit weg. Natürlich muss ich die Konsequenzen meines Verhaltens tragen, aber Jesus wird mich nie mehr dafür anklagen.
Corrie ten Boom sagte einmal: „Jesus wirft unsere Sünden in die Tiefe des Meeres und stellt ein Schild ans Ufer: Fischen verboten!“ Aber hier auf der Erde kann ein Vergehen einem zur Last werden, das achtzehn Jahre zurückliegt, auch wenn die Strafe abgebüßt wurde.
Nach der Verhandlung ging ich auf den Mann zu und erzählte ihm von dieser genialen Botschaft. Damit wollte ich ihn in seiner Situation ermutigen, ihn aber auch neugierig machen, mehr von Jesus zu erfahren. Mir wurde klar, dass meine Vergebung für ihn, aber auch für mich, unwahrscheinlich wertvoll war. Dankbar und ohne Last konnte ich diesen Tag und diese „Akte“ abschließen.

Sigrid Lang
Dieser Artikel erschien in LYDIA 3/2018.

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