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Schönheit, die du schenkstWarum nicht alle Frauen gleich schön sein müssen

Überall schauen sie uns aus großen Augen mit langen Wimpern an: von Plakatwänden, Zeitschriften und natürlich im Fernsehen. Frauen mit schmaler Taille, langen Beinen und glänzender Haarpracht. Schon kleine Mädchen nehmen dieses Bild von Weiblichkeit auf. Das kann schwerwiegende Folgen für die Selbstwahrnehmung haben. Sarah Keshtkaran hat sich über das Schönheitsideal, dem viele Frauen nachjagen, einige Gedanken gemacht.

Die Frauen auf den Titelseiten unserer Magazine sind nicht nur auf Zeitungspapier abgedruckt. Ihr Einfluss geht viel weiter und tiefer. Ihr Körperideal ist in den Stoff unserer Seelen eingearbeitet. Wir haben sie lange genug angesehen und uns so oft mit ihnen verglichen, dass wir begonnen haben zu glauben, sie würden Schönheit verkörpern. Doch nicht nur diese Frauen sind schön! Frauen in Kleidergröße 46 sind ebenso schön. Frauen mit hängenden Busen und breiten Hüften und gewellten Bäuchen sind ebenfalls schön. Ja, es liegt in unserer Hand, uns gesund zu ernähren und gut für unseren Körper zu sorgen. Und ja, unser Gewicht und unsere Kleidergröße können wir – in gewissem Maße – beeinflussen. Aber allein Gott hat uns erschaffen.
Gott entscheidet, wer schmale und wer breite Hüften bekommt. Er sagt, wer große und wer kleine Brüste hat, wer schnell Muskeln aufbaut und bei wem es länger dauert. Und er allein entscheidet über die Beschaffenheit unserer Haut, die Form unserer Fingernägel und die Struktur unserer Haare. Wenn ich uns Frauen in all unserer Unterschiedlichkeit ansehe, muss ich daran denken, dass „Gott die Menschen nach seinem Bild (schuf), nach dem Bild Gottes“ (1. Mose 1,27) und ich sehe Gott in der Schönheit von uns Frauen. Wir tragen seine Handschrift. Ich bin begeistert darüber, dass er so viel Schönheit und so viele Unterschiede geschaffen hat.

Blick in den Spiegel
Und dann denke ich daran, wie ich manchmal kritisch vor dem Spiegel stehe. Wie ich begutachte, was Gott da geschaffen hat, und wie ich voller Unzufriedenheit bin. Seitdem ich Kinder habe, bin ich nicht mehr nur unzufrieden mit vielen Teilen meines Körpers, ich traue mich kaum noch hinzusehen. Alles, was ich sehe, ist nicht gut genug. In meinen Momenten vor dem Spiegel ist nichts mehr von Gottes Euphorie zu spüren, seine Freude über mich wurde von meinen harten und selbstanklagenden Gedanken aufgefressen. Sein Ideal von mir musste sich meinem Ideal – dem Ideal der Titelfrauen – unterordnen und ist nicht gut genug. Nach seinem Abbild fühle ich mich überhaupt nicht.
Aber wer hat eigentlich das heutige Schönheitsideal entworfen? An einem Schreibtisch in Photoshop, mit Mädchen voller Diäten und Frauen voller Botox? Wann ist es in unsere Seelen geraten und wie können wir zulassen, dass es bestimmt, ob wir glücklich oder unglücklich sind?
Was wäre, wenn wir die Vorstellung des perfekten weiblichen Körpers ab heute nicht mehr von den Titelseiten der Magazine prägen lassen, sondern Gott erlauben würden, seine Vorstellung von einer perfekten Frau in unsere Seele einzuarbeiten? Wer weiß, vielleicht würde diese Frau gar nicht so anders aussehen als unser Spiegelbild? Die Schablone der Titelseitenfrauen können wir für alle Zeiten aussortieren und durch die Frage ersetzen: Wer hat mich geschaffen und mit welcher Bestimmung?

Sind wirklich alle Frauen (gleich) schön?
Und dann ist da die große Frage nach der Schönheit. Wer ist eigentlich schön? Ja ich weiß, jede Frau ist schön! Ich kenne all die Karten mit dem Aufdruck „Du bist wertvoll“ und „Du bist Gottes kostbare Perle“ mit Frauen inmitten von Blumen oder mit Sonnenuntergängen im Hintergrund. Aber ist das wirklich so einfach?
Nachdem ich selbst ein Stückchen davon verstanden hatte, dass Gott mich unabhängig von meiner Leistung und meinem Aussehen wertvoll findet, habe ich mich beim Anblick dieser Karten oft schuldig gefühlt. Denn ich sah zwar die Karten, aber ich sah auch die hübschen Frauen darauf. Ich wusste, dass jede von uns geliebt ist. Aber gibt es nicht dennoch Frauen, die von Natur aus attraktiver sind als andere? Frauen, nach denen sich selbst dann, wenn sie ungeduscht sind und einen Jogginganzug tragen, alle Männer umdrehen würden? Und andere, die seltener Komplimente für ihr Aussehen bekommen? Ganz sicher liegt ein großer Teil dieses Phänomens an unserem mediengeprägten Verständnis von Schönheit. Aber wenn ich mal ehrlich zu mir und den schönen „Du bist wertvoll“-Karten bin, gibt es einfach Menschen, die von Natur aus ästhetischer und attraktiver sind als andere.

Schönheit ist eine Gabe
Ich habe es nie so richtig gewagt, zu glauben, ganz zu schweigen davon, es aufzuschreiben, dass nicht alle Frauen gleich schön sind, bis ein Dozent meines Mannes folgenden Satz sagte: „Schönheit ist – wie jede andere positive Eigenschaft auch – eine Gabe Gottes.“ Aus dieser Perspektive hatte ich Ästhetik noch nie betrachtet. Aber diese Sichtweise nahm mir schlagartig all die Schuldgefühle, die ich angesammelt hatte, weil ich mich im Konflikt mit der Annahme, dass jede Frau (gleich) schön ist, und meiner persönlichen Wahrnehmung sah.
Tatsächlich finde ich für den Blick des Dozenten auf Schönheit biblische Beispiele. Von Ester beispielsweise heißt es: „Die junge Frau hatte eine schöne Figur und ein hübsches Gesicht“ (Ester 2,7). Wenn dies erwähnenswert ist, dann deshalb, weil andere Frauen im Vergleich als von weniger schöner Gestalt und weniger hübschem Aussehen wahrgenommen werden. Über Batseba wird gesagt, dass sie „außergewöhnlich schön“ war. (2. Samuel 11,2). In 1. Mose 29,17 werden sogar zwei Schwestern direkt miteinander verglichen: „Lea hatte glanzlose Augen, Rahel aber hatte eine gute Figur und war wunderschön.“
Schönheit ist eine unverdiente Gabe und Gott verteilt sie – wie alle seine Gaben –, wie es ihm gefällt. Der Unterschied zwischen unserem und Gottes Denken ist nur, dass wir unseren Wert von dem Maß an Schönheit, das Gott uns schenkt, abhängig machen und er nicht. In Gottes Augen kann eine Frau weniger ästhetisch sein als eine andere und dennoch gleich geliebt und gleich wertvoll.

Drei Schritte zur Selbstannahme
Für mich liegt der erste Schritt, um mich mit meinem Körper anzufreunden, darin, mir einzugestehen, dass ich nicht genauso hübsch sein muss wie die schönsten Frauen, die ich kenne. Weil nicht alle Frauen gleich hübsch sind, muss ich mich nicht mit anderen vergleichen und versuchen, so auszusehen wie sie. Ich kann so schön sein, wie ich bin. Ich kann ich selbst sein und muss niemand anderes sein!
Mein zweiter Schritt liegt darin, Frieden damit zu schließen, dass ich geliebt bin, wie ich bin. Natürlich bin ich nicht perfekt. Weder mein Charakter noch mein Körper ist perfekt und dennoch liebt Gott mich so, wie ich bin. Von innen und außen. Es ist vielleicht nicht jede Frau gleich ästhetisch, aber jede Frau ist gleich geliebt. Jede Frau ist gleich viel wert, ganz unabhängig von ihrem Aussehen – und ich bin es auch.
Im dritten Schritt frage ich mich, wie wir am besten mit diesem unterschiedlichen Maß an Schönheit umgehen – vermutlich wie mit jeder anderen Gabe auch. Wir haben den Auftrag und die Verantwortung, jede Ressource und Eigenschaft, die Gott uns schenkt, so einzusetzen, dass sie ihn ehrt und anderen Menschen dient. Wir dürfen und sollen das Beste daraus machen und unsere Talente einsetzen. Eine schöne Frau muss ihre Schönheit nicht verstecken aus der Angst, andere könnten sich davon in den Schatten gestellt fühlen. Wir dürfen alles, was Gott uns schenkt, genießen. Er will uns nicht ärgern, er will uns segnen. (…)
Wenn wir uns von der Annahme verabschieden, dass unser Maß an Schönheit unseren Wert bestimmt, können wir beginnen, Schönheit dafür einzusetzen, etwas Positives zu bewirken. Wenn wir beginnen, Schönheit als Gabe und als Geschenk zu sehen, können wir aufhören, einander nachzueifern, und uns einfach lassen, wie wir sind. Wäre das nicht das schönste Geschenk, das die Gabe der Schönheit uns machen kann: uns zu lassen, wie wir sind, damit wir tun können, wozu wir geschaffen wurden?

Sarah Keshtkaran hat Theologie und Straßenpädagogik studiert. Mehr zu diesen und anderen Themen lesen Sie ihrem Buch „Frauen, die keinen Punkt machen, wo Gott ein Komma setzt“ (SCM Hänssler). Dieser Artikel erschien in LYDIA 3/2018.

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