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Raus aus dem StimmungstiefWie ich gelernt habe, mich nicht von negativen Gefühlen beherrschen zu lassen

Am Wegrand sitzt ein alter Mann und spielt Geige. Seine Finger sind schnell und geschickt, aber irgendetwas stimmt nicht. Dann merke ich: Er spielt falsch, weil seine Geige nicht gestimmt ist. Auch meine Gefühle können verstimmt sein. Dann verderben Misstöne mir den Tag und ich frage mich: Was „stimmt“ bei mir nicht? Trübe Gefühle liegen wie ein Grauschleier auf meiner Seele. Was ist los? Und wie komme ich aus diesem Stimmungstief wieder heraus?

Aus Erfahrung weiß ich: Wenn ich diese Stimmung ignoriere, wird es immer schlimmer und ich sitze bald in einem dunklen Loch. Deshalb ist der erste Schritt, zu akzeptieren, dass die negativen Gefühle da sind. Dann ziehe ich mich zurück, nehme mein Tagebuch und überlege, was mit mir los ist: Hatte ich zu viel Stress? Fühle ich mich überfordert? Oder fühle ich mich unterfordert und gelangweilt? Hatte ich nicht genug Schlaf? Oder zu viel? Hat mich jemand verletzt? Habe ich jemanden verletzt? Bin ich mit irgendetwas unzufrieden? Fühle ich mich unter Druck? Welche Gedanken haben diese Gefühle ausgelöst? Beim Überlegen klärt sich manches. Im Gebet lege ich Gott alles hin und bitte ihn: „Hilf mir aus dieser Stimmung heraus! Erfüll mich neu mit deiner Freude und deinem Frieden!“
Wenn ganz viel in meinem Kopf herumwirbelt, ziehe ich meine Laufschuhe an, nach dem Motto: „Wenn mich etwas bewegt, muss ich mich bewegen!“ Als Hausfrau kann ich meine Arbeit auch mal liegen lassen und mich im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub machen. Das Laufen und die frische Luft machen mich munter und tun mir gut. Draußen betrachte ich die Bäume und denke daran, dass auch ich einen Platz und Wurzeln im Leben habe – wie die Bäume! Dann danke ich Gott für meine Wurzeln im Glauben und in guten Beziehungen. Während ich die Schöpfung beobachte, wandern meine Gedanken in eine andere Richtung und es wird mir leichter ums Herz. Ich sehe die Wolken oder den blauen Himmel, und auf einmal entwirrt sich das Knäuel in meinen Gedanken.

Tipps für den Alltag

Im Laufe der Jahre habe ich entdeckt, dass ich manches tun kann, um gar nicht erst in ein Stimmungstief zu fallen. Fünf Punkte sind mir dabei wichtig geworden:

Gut für mich selbst sorgen
Als sensibler Mensch muss ich mich gut um mich selbst kümmern, sonst brauche ich bald die Hilfe anderer Menschen. Das ist nicht egoistisch, sondern hilft meiner Seele, gesund zu bleiben. Zum Beispiel weiß ich, dass mich zu viele Termine überfordern. Deshalb achte ich darauf, dass mein Terminkalender nicht zu voll ist. Obwohl ich gern mit anderen zusammen bin, brauche ich auch Zeiten für mich allein. Wenn mein Alltag anstrengend ist, muss ich Pausen einlegen. Einmal habe ich im Gebet zu Jesus gesagt: „Ich weiß nicht, warum ich mir das aufgeladen habe!“ Ich hatte den Eindruck, als ob er schmunzelnd antwortete: „Das weiß ich auch nicht!“ Weniger ist oft mehr – das habe ich im Laufe der Zeit gelernt. Deshalb mache ich lieber wenige Aufgaben, aber die erledige ich mit Konzentration und Kraft. Im Gebet wäge ich ab, was für mich das richtige Maß ist.
Ich achte auf gute Ernährung und vermeide starke Hungergefühle, denn der Abfall des Blutzuckerspiegels macht mich schlapp. Ab und zu braucht meine Seele auch ein Stück Torte. Manchmal mache ich mir selbst eine Freude, zum Beispiel mit einem Blumenstrauß, einem Buch oder einem Besuch im Thermalbad.

Grenzen setzen
Ich habe gelernt, Nein zu sagen, wenn eine Freundin mir gegenüber immer wieder über dieselben Sorgen klagen will. Jesus trägt auch die Lasten der anderen, und deshalb darf ich mich wehren, wenn mir jemand zu viel aufbürden will. Ich möchte Gott und meinen Mitmenschen dienen. Das kann auch bedeuten, dass ich mich vor Überforderung schützen muss, denn wenn ich krank werde, kann ich am Ende niemandem mehr dienen.
Um bei dem Bild mit der Geige zu bleiben: Manche Mitmenschen nehmen unsere zarten Töne einfach nicht wahr. Sie übersehen unsere Versuche, uns gegen Übergriffe zu wehren. Da hilft manchmal nur noch ein „Paukenschlag“. An der richtigen Stelle eingesetzt, verfehlt er seine Wirkung nicht. Er schützt uns vor einer depressiven Stimmung und schafft klare Verhältnisse. Nicht in jedem Konzert wird eine Pauke gebraucht, aber ab und zu ist sie sehr hilfreich. Beziehungen brauchen Grenzen, um gut zu funktionieren.
Meine Oma sagte gern: „Man muss auf seinen Körper hören!“ Das ist ein weiser Rat. Was will mein Körper mir sagen, wenn ich Kopfschmerzen habe? Wenn mein Magen rebelliert? Wenn ich es allein nicht schaffe, gesunde Grenzen zu setzen, hilft mir das Gespräch mit einer Freundin, einer Seelsorgerin oder Therapeutin.

Über Gottes Wort nachdenken
In der Bibel gibt es wunderschöne Bilder, die mich stärken, trösten und ermutigen. Zum Beispiel das Bild vom Hirten in Psalm 23. Intensiv denke ich über diesen Psalm nach. Ich stelle mir vor, was Jesus als der gute Hirte für mich tut. Wie sieht es aus, wenn er mich erquickt, mir den Tisch deckt oder mich mit Öl salbt? Wie fühlt es sich an? Es hilft mir, über solche Texte nicht hinwegzulesen, sondern mich über längere Zeit damit zu beschäftigen.
Ein anderes Beispiel ist Psalm 91, wo Gott als eine Burg beschrieben wird. Ich stelle mir die dicken Mauern vor, die mich vor allem Bösen schützen. Hinter denen ich sicher und geborgen bin. Mehrmals singe ich morgens das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Es begleitet mich während des Tages. Durch das Singen kommen meine aufgeregten Gedanken zur Ruhe und ich schöpfe neue Hoffnung.

Ausgewogen leben
Abwechslung tut mir gut und belebt mich. Aber ich brauche auch ein regelmäßiges Leben, das meinen Biorhythmus nicht ständig durcheinanderbringt. Ein ausgewogener Wechsel zwischen Arbeit und Ausruhen, zwischen frischer Luft und Tätigkeiten im Haus, zwischen Gemeinschaft und Alleinsein macht mein Leben stabil. Es hilft mir, morgens zur gleichen Zeit aufzustehen und abends zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen. Äußere Ordnung trägt dazu bei, auch innerlich „in Ordnung“ zu bleiben. Deshalb räume ich auf, wenn ich mich durcheinander fühle. Alles bekommt seinen Platz – im Haus und auch in meinen Gedanken. Wenn ich mich schlecht konzentrieren kann, blättere ich in einer Zeitschrift oder höre Musik. Basteln, Malen oder Briefe-Schreiben können ebenfalls eine Hilfe sein.

Verantwortung übernehmen
Für mein seelisches Gleichgewicht bin ich zunächst selbst verantwortlich. Da ich gern frei und selbstständig sein möchte, rufe ich selten eine Freundin an, um mir dort Ermutigung oder Verständnis zu holen. Zuerst überlege ich, was ich selbst tun kann, damit es mir wieder besser geht. Es kann hilfreich sein, ein Heft anzulegen: „Erste Hilfe, wenn meine Seele nicht im Gleichgewicht ist.“ Darauf kann man dann zurückgreifen, wenn negative Gefühle überhand nehmen wollen.
Nicht immer ist jemand da, der mich aus dem Loch herauszieht. Dass ich nicht bei jeder Stimmungsschwankung auf andere Menschen angewiesen bin, stärkt mein Selbstbewusstsein. Und nicht zuletzt entlastet es meine Beziehungen und hilft mir, gesunde Freundschaften zu leben, in denen Geben und Nehmen ausgewogen ist.

Sicher in Gottes Hand

Mit Gottes Hilfe möchte ich mehr und mehr einen Lebensstil pflegen, der zu mir passt. Das bewahrt mich vor manchem Stimmungstief. Und wenn ich doch mal hineinfalle ins Loch? Dann will ich vertrauen, dass Gott mir auch wieder heraushilft.
Allerdings gibt es Verstimmungen, die längere Zeit anhalten – bei denen ein Spaziergang nicht die ersehnte Veränderung bringt. Vielleicht muss ich sie aushalten und mir selbst Mut machen: Das geht vorbei, nach diesem dunklen Tal kommen auch wieder andere Zeiten. Es kann aber auch sein, dass es nötig ist, einen Arzt aufzusuchen und medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Egal, ob es sich um eine leichte Verstimmung handelt oder um eine tiefe, anhaltende Niedergeschlagenheit – Gott ist meine Zuflucht. Er hat mich geschaffen. Ich bin sein Kunstwerk, handgemacht, unvorstellbar kostbar. Und wie ein Geigenbauer sein verstimmtes Instrument neu stimmt, kann auch er die Saiten meiner Seele wieder zum Klingen bringen.

Rosemarie Dingeldey ist verheiratet und Buchautorin.
Veröffentlicht im November 2018.

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