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Gehalten im Sturm – von Rettungsankern und Wundern

Bis vor vier Jahren war unsere Welt noch in Ordnung. Meine drei Kinder und ich waren eine ganz normale Familie mit einem ganz normalen Alltag. Doch das änderte sich im Juni 2015.

Vor uns lag ein verlängertes Wochenende. Ich hatte die spontane Idee, mit meinen Kindern und Freunden in einen Kurzurlaub zu starten. Max war vierzehn, Nora elf und Ben neun Jahre alt. Am Mittwoch – nach der Schule, einem Zahnarztbesuch und hektischem Packen – holten wir unsere Freunde ab und fuhren los. Es ging nach Holland an die Nordsee. Wir waren sorglos und bestens gelaunt.
Ich weiß noch, wie wir alle zusammen nach ausgiebigem Badespaß in einer Strandmuschel lagen und ich sagte: „Wir können froh und dankbar sein, dass wir gesund sind, laufen und Ballspielen können! Wie oft vergessen wir das im Alltagstrott und sehen unsere Gesundheit als selbstverständlich an!“ Ich schlug vor, Gott dafür zu danken, dass es uns gut ging und wir es schön hatten.
Dann kam der Tag unserer Abreise. Frühmorgens klopfte Max an meine Zimmertür und sagte, er habe Kopfschmerzen. Trotz Medikamenteneinnahme wurden die Schmerzen immer schlimmer. Ich dachte, er habe vielleicht einen Sonnenstich oder einen Migräneanfall. Doch als sich sein Zustand rapide verschlechterte, stieg Panik in mir auf und ich wusste: Hier stimmt etwas nicht! Zusammen mit meiner Freundin fuhr ich Max ins nächste Krankenhaus, während ihre Tochter auf die anderen drei Kinder aufpasste. Max konnte mittlerweile nicht mehr sprechen und seine linke Körperseite nicht mehr bewegen. Im Krankenhaus erfuhr ich nach Auswertung einer Computertomografie, dass es sich um eine Blutung tief in seinem Kopf handele und er sofort in eine größere Klinik nach Belgien verlegt werden müsse. Eine Hirnblutung? Mein Max? Unfassbarer Schock! Der Albtraum begann.

Zwischen Leben und Tod
Dieser Situation ausgeliefert zu sein ist mit Worten nicht zu beschreiben. Ich konnte es gar nicht begreifen, das konnte doch nicht sein, das durfte nicht sein, nein, nicht mein Kind! Jetzt ging alles blitzschnell, Rettungswagen, Martinshorn, mit hohem Tempo über Belgiens Autobahnen, Klinik in Brügge, weitere Untersuchungen, wachsende Angst, niederländisches Gerede, Pfleger, Schwestern, Ärzte und mittendrin mein Junge mit vor Furcht weit aufgerissenen Augen, während seine rechte Hand die meine fest umklammerte. Dann die Worte des Arztes: „Wir können nichts tun. Wenn die Blutung nicht zum Stillstand kommt, wird er sterben.“
Ich war wie erstarrt, der Boden unter meinen Füßen wurde weggerissen; es fühlte sich an wie ein endloses Fallen in ein dunkles Nichts. Unerträgliche Hilflosigkeit; Angst, die mir die Luft zum Atmen raubte; grenzenloser Schmerz, der sich tief in meine Brust bohrte, und eine Traurigkeit, die mir die Kehle zuschnürte.
Während Max in ein künstliches Koma versetzt wurde, musste ich den Raum verlassen. Ich rief seinen Vater an, der sich sofort auf den Weg nach Brügge machte. Eine Ärztin legte mir nahe, dass sich die Geschwister von ihrem Bruder verabschieden sollten, bevor es zu spät sei. Ich war wie in Trance, umgeben von einer dicken Nebelschicht. Was soll ich entscheiden? Verabschieden? Ich will das alles nicht, will meinen Max zurück, will raus aus diesem Gebäude, nach Hause! Ich bat um einen Seelsorger, der umgehend gerufen wurde und bei mir war, als ich einige Zeit später auf der Intensivstation wieder bei Max sein durfte.
Da lag er, mein geliebter Junge, mit seinen breiten durchtrainierten Schultern. Max liebte die Natur, den Sport, das Abenteuer. Er war ein „Draußen-Kind“, ein Sonnenschein.
Er sah aus, als würde er friedlich schlafen, doch in seinem Kopf tobte eine lebensgefährliche Blutung, die in Nullkommanichts lebenswichtige Funktionen zerstörte. Äußerlich war ich wie gelähmt. Innerlich rebellierte ich. Der Schmerz war so gewaltig, die Angst, Max zu verlieren, nicht auszuhalten. In mir drinnen schrie ich ein endloses „Neeeiiiin!“
Es begann ein banges Warten auf das, was passieren würde. Aus medizinischer Sicht hing Max´ Leben an einem seidenen Faden, der jeden Moment reißen konnte. Doch ich wusste: Sein Leben lag in Gottes Hand. (…)

Dies ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von Jutta Schmidt in LYDIA 2/2019.
Text: Ellen Nieswiodek-Martin
Foto: Matthias Demand

 

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