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Das Geschenk meines LebensInterview mit Mirjam Hentschel

Mirjam Hentschel lebt den Traum vieler junger Frauen: Sie leitet gemeinsam mit ihrer Schwester Angela ein Gestüt in Hessen. Sie arbeitet den ganzen Tag im Stall und ist immer in Bewegung. Neben dem Reitunterricht bietet sie auf ihren geduldigen Fjordpferden Reittherapie für alle Altersstufen an. Dass die fröhliche Reitlehrerin eine chronische Erkrankung hat und lange Zeit nicht ohne Sauerstoffgerät überleben konnte, merkt man ihr heute nicht mehr an.

Mirjam, Sie sind Physiotherapeutin, Hippotherapeutin und Pferdeosteopathin. Wollten Sie schon immer einen Beruf mit Pferden haben?
Eigentlich wollte ich Köchin werden. Aber weil ich seit der Kindheit an einer Lungenerkrankung leide, haben die Ärzte gesagt, diesen Beruf könnte ich nicht ausüben – wegen der ganzen Dämpfe dort. Ich hatte schon einen Ausbildungsplatz, musste nur noch den Vertrag unterschreiben. Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen.

Wie hat sich die Lungenkrankheit denn ausgewirkt?
Mukoviszidose ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Körperflüssigkeiten aufgrund eines genetischen Defektes viel zäher als normal sind. Bei mir hat es nur die Lunge betroffen. Aber Mukoviszidose kann auf alle Organe übergreifen.
Die Krankheit wurde festgestellt, als ich sieben war. Bis dahin hatten alle gedacht, ich hätte eine chronische Bronchitis. Aber dann wurde die Krankheit bei meiner jüngsten Schwester Nadine diagnostiziert und man merkte, dass wir beide betroffen sind.

Das hat Ihre Kindheit sicher beeinträchtigt?
Ich habe im Rückblick nicht das Gefühl, dass ich eingeschränkt gewesen bin. Meine Eltern sagen aber, dass es anders war. Mein Papa kann sich an Zeiten erinnern, als er mich die Treppen an der Nordsee tragen musste. Und dann haben wir beide am Strand geheult, weil ich sie nicht geschafft habe. Aber meine Eltern haben uns Kindern vermittelt, dass ich völlig normal bin.
Im Nachhinein habe ich mir oft Gedanken gemacht, wie meine Eltern es geschafft haben, mich so groß werden zu lassen, dass ich das Gefühl hatte, vollwertig neben meinen anderen Schwestern zu sein. Denn meine Eltern haben selbst ein schweres Leben. Die Krankheit war immer ein Teil von mir, aber nicht die Hauptsache. Meine Eltern haben mich und Nadine jahrelang jeden Morgen und Abend zwanzig Minuten lang abgeklopft. In der Zeit haben wir in der Kinderbibel gelesen, geredet, Matheaufgaben gemacht. Was eigentlich negativ besetzt war, nämlich, dass wir krank sind und eine Extrabehandlung brauchen, wurde zu einer positiv besetzten Familienzeit.

Irgendwann kamen dann auch die Pferde …
Der Kinderarzt hat meinen Eltern gesagt, dass das Hopsen auf einem Pony gut für meine Lungenerkrankung sei. Wir hatten null Ahnung, aber wir haben ein Pony gekauft. Mit dem kamen wir dann nicht gut zurecht, es war ein willensstarkes Pony und wir wussten nicht, wie wir mit ihm umgehen mussten.
Aber dann kauften meine Eltern ein Fjordpferd: Key. Dieses Pferd war ein Segen für unsere ganze Familie. Durch die geduldige Key haben wir gelernt, wie man sich einem Pferd gegenüber verhalten muss. Dann kauften meine Eltern Hassan, einen Bruder von Key. Zehn Jahre lang hatten wir die beiden Familienpferde.

Wie kam es dann zur Berufswahl?
Bei einem Berufsfindungstest des Arbeitsamtes kam Physiotherapeutin heraus. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und gedacht: Damit könnte ich mich gut anfreunden. Mein Arzt kannte einen Arzt in einer Karlsruher Klinik, an die eine Schule für Physiotherapeuten angeschlossen war. Dort konnte ich eine Woche hospitieren. Das Erste, was mir der Schulleiter sagte, war: „Mit Ihrer Krankheit haben Sie keine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Das können Sie vergessen.“ Da habe ich gedacht: Mein lieber Freund, dir zeige ich, wie fit ich bin. Nach der Woche habe ich tatsächlich den Platz bekommen.

Das hört sich an, als ob Sie eine Kämpferin sind.
Ich kann für das kämpfen, was mir etwas wert ist, und mich da auch wirklich engagieren. Aber ich kann auch Dinge hinnehmen und sagen: „Das lässt sich jetzt nicht ändern und das ist okay so.“ Das sind zwei Dinge, die mich durch vieles durchgetragen haben.

Welche Rolle hat Ihr Glaube an Gott zu der Zeit gespielt?
Ich habe mein Leben lang nichts anderes gekannt, als im Glauben verwurzelt zu sein. Unsere Eltern haben uns immer vermittelt: Egal, wie schwer es wird, du bist gehalten, du bist getragen. So schwer der Weg in diesem Moment sein mag – nachher wirst du feststellen, dass es der richtige Weg war. Auch wenn wir es noch nicht sehen können. Bis heute habe ich mir einen naiven Kinderglauben bewahrt. Gott ist einfach immer da. (…)

Text: Ellen Nieswiodek-Martin
Foto: Franziska Honndorf

Dies ist ein Auszug aus dem Interview in Lydia 1/2021

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