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Akku leer?Was tun, wenn mir die Kraft ausgeht

Wäre es nicht praktisch, wir hätten eine automatische Anzeige eingebaut, die anzeigt, wie viel Energie wir noch haben? Die wir selbst ablesen könnten, aber auch andere?

Früh am Morgen schalte ich gleich nach dem Frühstück den Laptop an. Ich möchte den Brief zu Ende schreiben, den ich am Abend zuvor aus Müdigkeit abgebrochen habe. Auf dem Bildschirm erscheint die Meldung: „Der Akkustand ist niedrig. Schließen Sie den Computer möglichst bald ans Stromnetz an.“ Wenn ich das nicht beachte und einfach weiterarbeite, fährt der Computer herunter. Ich komme also nicht umhin, der Aufforderung Folge zu leisten und den Laptop ans Stromnetz anzuschließen, um weitermachen zu können.

Ausgebrannt und leer
Da fällt mir auf: Auch mir geht es immer wieder ähnlich. Aus meiner Seele erreicht mich an manchen Tagen zwischen Haushalt, Büro- und Gartenarbeit die Meldung: „Der Akkustand ist niedrig.“ Ich fühle mich ausgepowert und brauche dringend neue Kraft. Wenn ich dessen ungeachtet weiterarbeite, sind Kopfschmerzen oder Rückenbeschwerden die Folge, die mich dann zur Ruhe zwingen – was vielleicht ein wenig dem Herunterfahren des Computers gleicht.
In einem Gedicht von Hermann von Bezzel lese ich heute:
„So bin ich zufrieden,
wenn ich Leid und Glück
schnell zu Jesus bringe,
einen Augenblick.“
Das spricht mir aus dem Herzen! Wenn ich in allen Lebenslagen immer wieder einen Augenblick zu Jesus eile, erfahre ich Stärkung und kann ausgeglichen an alles Weitere herangehen. Gott ist meine „Ladestation“, meine Kraftquelle, an der ich auftanke. Bibeltexte und christliche Lieder stärken mich; das Gebet und die Predigt sind für mich unentbehrliche Oasen und ebenso wichtig wie die Steckdose für den Laptop.

Auch mal Nein sagen
Ich bin selbst dafür verantwortlich, meiner Seele regelmäßig Freiraum zum „Aufladen“ zu verschaffen. Auch ist es meine Aufgabe, es anderen zu sagen, wenn mir etwas zu viel wird. Denn kein anderer kann von außen meinen „Akkustand“ ablesen, um zu wissen, wie es um meine Kraftreserven steht. Allerdings gibt es ein paar wenige Menschen, die in dieser Hinsicht sehr feinfühlig sind: Als eine Freundin mich neulich fragte, ob ich ihr beim Fensterputzen helfen könnte, ich zu diesem Zeitpunkt aber mehr als ausgelastet war, meinte sie: „Du kannst auch einfach Nein sagen.“ Da war ich unheimlich erleichtert. Und es hat mich berührt, dass sie sich dafür interessierte, ob ich im Moment ausreichend Kraft für ihre Sache übrig hatte.
Oft genug fühle ich mich von anderen mit ihren Erwartungen überrollt. Sicherlich geht es nicht nur mir so. Besonders Kinder fühlen sich vollkommen frei, zu jeder Tages- und Nachtzeit den Einsatz ihrer Mutter einzufordern. Wir Erwachsenen verhalten uns auch nicht besser, denn auch wir delegieren so manches, was wir gern als erledigt abgehakt hätten, an andere. Es wäre schön, wenn wir uns vorher fragen würden: „Hat mein Gegenüber noch ausreichend Kraft? Wie sieht es mit seinem Akkustand aus?“

Alles zu viel
Vor Kurzem kam ich an einem Haus vorbei, aus dem der verzweifelte Schrei eines Mannes nach außen drang. Er müsse jetzt endlich zur Arbeit fahren, brüllte er immer wieder und wehrte sich damit wohl gegen alles, was ihm in diesem Moment zu viel wurde. Das hat mir wieder einmal gezeigt, wie nötig es ist, dass wir gegenseitig auf unsere Kraftreserven Rücksicht nehmen. Ja, ich will sensibel sein für den „Akkustand“ anderer. Und ich will mitten im Alltagstrubel immer wieder einen Augenblick zu Jesus eilen, um bei ihm Ruhe und Kraft zu tanken. Regelmäßige Gemeinschaft mit Gott und ein gelegentliches Nein anderen gegenüber schützen meine Seele davor, aus Überlastung eines Tages „herunterfahren“ zu müssen.

Birgit Weiß

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1 Kommentar

Dieses Thema wirklich sehr aktuell. Ich erlebe es fast jeden Tag, dass Mütter davon reden, am Ende ihrer Kräfte zu sein.
Ich war Anfang diesen Jahres kurz vor einem Burnout und habe es gerade noch geschafft, die Reisleine zu ziehen und für ausreichend Erholung zu sorgen.
Doch damit ist nicht gemeint, mal über ein Wochenende wegzufahren und Kraft zu tanken. Das ist zwischendurch wichtig, keine Frage. Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass es viel wichtiger ist, im Alltag für ausreichend Ruheoasen zu sorgen und so den Akkustand immer in einem geladenen Zustand zu halten.

Toller Artikel zu einem sehr brisanten Thema. Vielen Dank!

Melanie Stadelbauer
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