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Maria Magdalena, die Freundin Jesu

Als Maria Magdalena dem durch Israel ziehenden Jesus begegnete, änderte sich ihr Leben von Grund auf. Später gab Jesus ihr die Ehre, die erste Augenzeugin seiner Auferstehung zu sein.

Die Verfasser der Evangelien erwähnen Maria Magdalena eher beiläufig. Lukas berichtet, dass Jesus durch Städte und Dörfer zog und dort seine Botschaft verkündete. Dabei begleiteten ihn nicht nur die zwölf Jünger, sondern auch einige Frauen, die „ihnen dienten mit ihrer Habe“ (Lukas 8,3). Eine von ihnen war Maria Magdalena. Wir können aber davon ausgehen, dass diese Frauen nicht nur Dienstmägde waren, sondern Jüngerinnen. Sie bekamen viel von dem mit, was Jesus lehrte und tat. Vermutlich war Maria Magdalena unverheiratet, denn sonst hätte Lukas den Namen ihres Mannes erwähnt.
Lukas gibt uns einen knappen Hinweis auf ein Ereignis, das Marias Leben sicher entscheidend verändert hat: Jesus hatte sieben böse Geister von ihr ausgetrieben (Lukas 8,2). Besessen von sieben bösen Geistern – es ist schwer vorstellbar, was das wohl für eine junge Frau bedeutet hat. Sicher gehörte eine zerrissene, gequälte Persönlichkeit dazu, vielleicht auch Schmerzen von Selbstverletzungen und vor allem die Ächtung und Ausgrenzung aus Familie und Dorfgemeinschaft. Kein Wunder, dass Maria sich aus Dankbarkeit für die Befreiung von dieser Plage Jesus und seiner Gruppe anschloss und sich durch ihre Dienste im Alltagsleben erkenntlich zeigte.

Bis zum bitteren Ende
Maria kam mit Jesus und seinen Jüngern zum Passahfest nach Jerusalem. Was sie in jener verhängnisvollen Woche alles miterlebt hat, darüber erfahren wir nichts. Aber beim schrecklichsten aller Ereignisse, bei der Kreuzigung Jesu, war sie anwesend. Matthäus schreibt ausdrücklich, dass mehrere Frauen, unter ihnen Maria Magdalena, von ferne zusahen (Matthäus 27,56). Wer bei der grausamsten aller Hinrichtungsarten zusieht, der muss entweder so abgebrüht sein wie die Soldaten, die ihr brutales Handwerk verrichteten, oder eine starke Persönlichkeit sein, die dem Hingerichteten sehr nahe gestanden hat. Ich denke, dass Maria eine solche Stärke besaß. Sicher verband sie mit Jesus eine tiefe Freundschaft und Verehrung.
Die Männer aus dem engsten Kreis um Jesus hatten sich in ihren enttäuschten Hoffnungen, ihrem blanken Entsetzen über den Ausgang der Verhaftung und wohl auch aus Furcht vor der eigenen Verhaftung in einer dunklen Kammer verkrochen. Nur Johannes hatte es gewagt, bei der Kreuzigung dabei zu sein. Maria aber hielt den schrecklichen Anblick aus. Welchen Schmerz, welches Entsetzen sie dabei ausgestanden hat, können wir nur ahnen. Der Mann, der ihr und so vielen anderen liebevoll geholfen hatte, dessen Worte sich tief in ihr Gedächtnis geprägt hatten, hing nun hilflos festgenagelt an einem Balken und war dem langsamen, qualvollen Sterben preisgegeben. Verstehen konnte sie das nicht, aber wohl aus liebender Verehrung blieb sie bei ihrem Lehrer, bis zum bitteren Ende.
Markus berichtet, dass Maria Magdalena und die Mutter Jesu noch dabei waren, als Josef von Arimathäa und Nikodemus die Leiche vom Kreuz abnahmen, in ein Leinentuch wickelten und in ein nahe gelegenes Felsengrab trugen (Markus 15,47). Damit hatten die Frauen gleich zwei Gewissheiten: Ihnen war klar, dass Jesus wirklich tot war, und sie wussten, was mit seiner Leiche geschehen war. Das ließ in ihnen den Entschluss reifen, dem Toten noch eine letzte Ehre zu erweisen und ihn nach jüdischem Brauch zu salben. Allerdings erlaubten die Sabbatgebote nicht, dies sofort oder am nächsten Tag zu tun, denn mit dem Sonnenuntergang war der Sabbat bereits angebrochen.
Dieser Sabbat war sicher der traurigste in Marias Leben. Vermutlich hatte sie für die Feiertage irgendwo in der Stadt bei Freunden oder Verwandten ein Quartier gefunden. Da saß sie nun in ihrem Schmerz und konnte nichts tun. Sie quälte nicht nur die Trauer über den Tod eines geliebten Menschen, sondern auch die Enttäuschung über den katastrophalen Ausgang seines gesegneten Dienstes.

Das leere Grab
Dann kam der Ostermorgen. Der Morgen begann für Maria so düster, wie es der Tag zuvor gewesen war. Sie und zwei weitere Frauen machten sich in aller Frühe auf, um dem toten Jesus einen letzten Liebesdienst zu erweisen. Sie hatten mit verschiedenen wohlriechenden Kräutern Salböl vorbereitet, mit dem sie den Leichnam einbalsamieren wollten.
Doch als sie zum Grab kamen, stellten sie fest, dass die runde Steinplatte, mit der man den Eingang zur Grabhöhle verschlossen hatte, nicht mehr an ihrem Platz war. Schlimmer noch: Der Leichnam war nicht mehr dort, wo die Männer ihn hingelegt hatten! Stattdessen erschienen Engel, die ihnen eine erstaunliche Mitteilung machten: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden“ (Lukas 24,5–6). Eigentlich war das ja eine erfreuliche Nachricht, aber eine Auferstehung Jesu war das Letzte, was diese treuen Jüngerinnen erwartet hatten. Das wollte so schnell nicht in ihren Kopf. Markus berichtet uns die Reaktion der Frauen: Sie „flohen von dem Grab, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen“ (Markus 16,8).
In dieser Verfassung eilten sie schnurstracks zu den Jüngern und berichteten, was sie erlebt hatten. Die Reaktion der Jünger ist bezeichnend für die damalige Zeit: Man hielt Frauen für übermäßig emotional und deshalb unzuverlässig, also nahm man ihre Aussagen mit Skepsis auf. Lukas berichtet: „Es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht“ (Lukas 24,11). Außerdem hatten auch sie nicht die geringste Hoffnung oder gar Erwartung einer Auferstehung Jesu. Immerhin beschlossen Petrus und Johannes, sich selbst zu überzeugen, was dran war am Bericht der Frauen. Sie liefen zum Grab und fanden es tatsächlich leer, bis auf die Tücher, in denen die Leiche eingewickelt gewesen war. Nachdenklich kehrten sie wieder um.

Die Begegnung
Maria folgte den beiden, aber sie kehrte nicht um, sondern blieb noch vor dem leeren Grab stehen. Schmerz und Verwirrung angesichts dieser unerklärlichen Situation übermannten sie und sie brach in Tränen aus. Als sie noch einmal einen Blick in das Grab warf, bemerkte sie zwei Engel. Auf deren Frage, warum sie denn weine, hatte sie nur die trostlose Antwort: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben“ (Johannes 20,13).
In diesem Moment spürt sie, dass jemand hinter ihr steht. Sie dreht sich um, aber mit ihren verweinten Augen erkennt sie nicht, wem sie da begegnet ist, sie hält ihn für den Gärtner. Der scheinbar Fremde fragt sie: „Frau, warum weinst du?“ Und sie, immer noch befangen in ihrer verwirrten Hoffnungslosigkeit, hat nur die frustrierte Antwort: „Herr, wenn du ihn weggenommen hast, dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast, dann will ich ihn holen.“
Daraufhin spricht Jesus sie mit ihrem Namen an: „Maria!“ Es mag ein liebevoller Vorwurf, aber auch Zuneigung in seiner Stimme gelegen haben. Jedenfalls war es ein Ausdruck der Freundschaft, dass er sie mit Namen anredete. Mehr muss Maria nicht hören, mit einem Schlag wird ihr klar, wer da vor ihr steht. Ihre Antwort ist ebenso kurz wie eindeutig. Johannes gibt sie sogar im aramäischen Originalton wieder: „Rabbuni!“ Die Erklärung des Fremdwortes liefert er gleich mit: „Das heißt Lehrer“ (Johannes 20,16). Dies ist noch der Ehrentitel „Rabbi“, mit dem seine Jünger ihn während seines irdischen Lebens angeredet hatten, nicht der Herrschaftstitel „Kyrios“, den ihm die Urgemeinde später gab. Er drückt den Respekt und die Verehrung aus, die man einem geachteten Lehrer entgegenbrachte. So hatte Maria Jesus all die Monate oder Jahre, die sie mit ihm zusammen war, angeredet. Als Rabbi war er ihr vertraut.
Was es für sie und die ganze Menschheit bedeuten würde, dass Jesus nun lebendig vor ihr stand, das hat sie in dem Moment sicher noch nicht verstanden. Und doch ist in dieser kurzen Unterhaltung schon Wesentliches über unsere Beziehung zu Jesus gesagt. Er kennt und ruft uns mit Namen, lädt uns ein, seine Freunde zu sein. Und wir antworten, indem wir ihn als unseren Herrn und Lehrer anerkennen.

Die erste Augenzeugin
So gibt Jesus Maria die Ehre, die erste Augenzeugin seiner Auferstehung zu sein. Gleich darauf bekommt sie den Auftrag, als Erste die Auferstehung zu verkündigen: „Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Johannes 20,17). Das tut sie dann auch. Wie die Jünger darauf reagieren, wird nicht gesagt. Aber Lukas berichtet, dass sie am Abend dieses Tages hinter verschlossenen Türen beisammensaßen, und als Jesus plötzlich unter ihnen auftauchte, dachten sie, er sei ein Gespenst (Lukas 24,37). So ganz ernst genommen hatten sie Maria und ihre Botschaft wohl immer noch nicht.
Für die männliche Jüngerschar war es vermutlich wie ein Schlag ins Gesicht, dass Jesus ausgerechnet einer Frau die Ehre gab, ihm als Erste nach seiner Auferstehung zu begegnen und den anderen davon zu berichten. Diese Tatsache wirft Licht auf das Verhältnis Jesu zu Frauen. Er teilte nicht die damalige Einstellung, dass Frauen minderwertig und unzuverlässig seien. Er respektierte Maria als gleichwertige Jüngerin und gab ihr obendrein noch die Ehre, die erste Zeugin seiner Auferstehung zu sein.
Gerne wüssten wir, wie der weitere Weg von Maria aussah, aber sie wird in den Schriften des Neuen Testaments nicht mehr erwähnt. Ob sie wohl in Jerusalem blieb und der Urgemeinde angehörte? Oder zurückkehrte nach Magdala, dort heiratete und eine Familie gründete? Wir wissen es nicht. Doch die besondere Beziehung, die sie mit Jesus verband, trug sie ihr Leben lang in ihrem Herzen.

Andreas Holzhausen hat viele Jahre lang die Öffentlichkeitsarbeit von Wycliff geleitet. Dieser Artikel erschien in LYDIA 1/2018. Für die Webseite wurde er leicht gekürzt.

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