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Leben ohne Maske

„Ich habe einfach nicht mehr die Kraft, allen etwas vorzumachen“, sagte kürzlich eine Freundin zu mir. Sie hatte mir erzählt, wie frustriert und verletzt sie über einen Konflikt war und dass sie es satthatte, „nett“ zu sein. Sie fühle sich wie eine Heuchlerin, sagte sie, als trüge sie eine Maske, die ihre wahren Gefühle verbarg und ihren Ruf bewahrte, ein geduldiger und freundlicher Mensch zu sein. Aber in Wahrheit kochte sie innerlich vor Zorn. Was bedeutet es denn, ehrlich zu sein, fragte sie sich – ehrlich zu sich selbst und ehrlich zu Gott?

Ich kann meine Freundin gut verstehen. Auch ich versuche oft, meine wahren Gefühle hinter einer Maske zu verbergen, weil ich nicht möchte, dass andere sehen, wie viel Ungeduld, Ärger, Neid oder Stolz in mir stecken. Aber die Frage ist: Sind wir berufen, nur so zu tun, als dächten und handelten wir wie Jesus? Oder gibt es eine andere Möglichkeit, tatsächlich aus unserer Identität als geliebte Kinder Gottes zu leben?
Der Apostel Paulus schreibt: „Ihr sollt euer altes Leben wie alte Kleider ablegen. Folgt nicht mehr euren Leidenschaften, die euch in die Irre führen und euch zerstören. Lasst euch in eurem Denken verändern und euch innerlich ganz neu ausrichten. Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht. Ihr seid nun zu neuen Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat. Jeder soll erkennen, dass ihr jetzt zu Gott gehört und so lebt, wie es ihm gefällt“ (Epheser 4,22–24).
Altes „ablegen“ wie alte Kleider, Neues „anziehen“ wie ein Gewand. Wir haben in Christus nicht nur ein neues Selbst erhalten, wir sollen Christus anziehen, ihn an uns tragen wie Kleidung. Dass wir werden wie Jesus, können wir durch keine eigene Anstrengung bewirken. Diese Verwandlung ist das Werk des Heiligen Geistes. Aber wir können mit dem Geist zusammenarbeiten: Wir können in unseren Beziehungen Freundlichkeit, Mitgefühl, Vergebungsbereitschaft, Geduld und Liebe „anlegen“ wie ein Kleidungsstück. Und zwar nicht, indem wir eine Maske aufsetzen, sondern indem wir Christus anziehen. Was uns dabei hilft, sind geistliche Übungen.

Den inneren Aufruhr genau anschauen
Kurz nachdem ich mein erstes Buch veröffentlicht hatte, wurde mir bewusst, wie sehr der Neid meine Seele im Griff hatte. Kaum kriegte ich mit, dass irgendein anderer Autor höhere Verkäufe erzielte oder bessere Kritiken bekam, meldete sich die Eifersucht. Ich hätte die Wahrheit leugnen können, dass ich in diese Sünde verstrickt war. Stattdessen griff ich auf einige geistliche Übungen zurück, die mir halfen, mich auf Christus auszurichten.
Zunächst einmal sah ich genau hin: Was für ein Aufruhr war das eigentlich in meinem Herzen? Die Hauptfiguren in meinen „Glaubensreise“-Büchern tun dasselbe. Sie lernen, „bei dem zu verweilen, was sie provoziert“. Oft sind wir viel zu schnell dabei, Emotionen, die wir nicht mögen oder für die wir uns schämen, zu verdrängen oder zu leugnen, Gefühle wie Zorn, Angst, vielleicht sogar Trauer. Aber gerade unsere starken Gefühle können uns auf die Wahrheit hinweisen, die unter der Oberfläche liegt. Wir müssen nicht so tun, als seien wir gar nicht traurig, ängstlich, eifersüchtig, reizbar und voller Groll … Wir können diese Dinge beim Namen nennen – wir können Gott diese Wahrheit über uns sagen. Gott weiß ohnehin, was in unserem Herzen los ist, und wir müssen nicht erst Ordnung schaffen, bevor wir ein ehrliches Gespräch mit ihm beginnen. Für mich hieß das, dass ich Gott ganz ehrlich gesagt habe, was ich empfand, wenn andere Erfolge feierten.

Mit Gott ins Gespräch kommen
Nachdem wir die Wahrheit vor Gott ausgesprochen haben, können wir uns unseren starken Emotionen und Reaktionen noch einmal zuwenden. Die Geschichte von Kain und Abel in 1. Mose 4 ist in dieser Hinsicht interessant. Nachdem Gott Kains Opfer nicht annimmt, heißt es: „Darüber wurde Kain sehr zornig und starrte mit finsterer Miene vor sich hin“ (1. Mose 4,5). Gott spricht ihn darauf an: „Warum bist du so zornig und blickst so grimmig zu Boden?“ Mit dieser Frage lädt Gott Kain zu einem Gespräch ein und bietet ihm die Gelegenheit, auf die Stopptaste zu drücken und nach der Ursache von Groll und Verbitterung gegen seinen Bruder zu fragen, bevor er diese Gefühle sein Handeln bestimmen lässt.
Selbst in Situationen, in denen wir nicht lange überlegen können, welche Ursache hinter unseren Gefühlen liegt, können wir zumindest tief durchatmen und Gott um Hilfe bitten, aus unserem „neuen Selbst“ heraus zu handeln. Vielleicht sieht das dann so aus, dass wir dem anderen ehrlich sagen: „Im Moment fühle ich mich abgelehnt (oder entmutigt oder ich bin wütend oder…) und ich brauche ein bisschen Zeit, um mich zu sammeln.“ Es kostet vielleicht Mut, auf diese Art mein wahres Ich zu zeigen, aber es kann ein Schritt auf dem Weg zu einem tieferen Gespräch und einer vertrauteren Beziehung sein.
Die Wahrheit benennen – vor uns selbst, vor Gott und vor anderen –, das ist der Kern von zwei wichtigen geistlichen Übungen: Selbstprüfung und Sündenbekenntnis. Wie David es in Psalm 139 tut, bitten wir unseren barmherzigen Gott: „Erforsche mich, erkenne mein Herz, zeig mir, auf welchem falschen Weg ich bin, damit ich umkehren kann, damit mir vergeben wird und ich frei werde von allem Falsch.“ Als mir klar geworden war, wie viel Neid und Eifersucht in mir steckte, habe ich das vor Gott und einigen vertrauten Freunden bekannt. Dann bat ich Gott, mir zu helfen, die Ursache dieses Neids zu erkennen, damit ich mit ihm zusammen an meiner Veränderung arbeiten konnte.

Die Wurzel erkennen
In den nächsten Tagen und Wochen betete ich wiederholt darum, und allmählich sah ich deutlicher, warum der Erfolg anderer für mich eine solche Bedrohung darstellte. Die Sünde des Neids hat ihre Wurzel in einem Lebensgefühl des Mangels. Neid glaubt der Lüge, dass Liebe und Aufmerksamkeit in dieser Welt begrenzt sind. Wenn also jemand anders mehr Bestätigung erhält oder es zu mehr bringt als ich, fühle ich mich minderwertig und unsicher. Neid misst und vergleicht und beurteilt, und schließlich erwachsen daraus Scham oder Groll. Wenn der Neid mich beherrscht, zweifle ich nicht nur daran, dass Gott auch zu mir gut ist; ich schaue auch missgünstig auf das Gute, das er anderen erweist.
Die tägliche Selbstprüfung mit Sündenbekenntnis hat mir geholfen, dass ich nicht nur meine Sünde schneller erkenne, sondern auch Gottes Einladung zur Umkehr schneller annehme. Und damit tue ich in der Tat das, wozu Paulus im Epheserbrief auffordert: Ich verändere mich in meinem Denken und richte mich innerlich neu aus.

Tief in Gottes Liebe eintauchen
Vor allem ruft mich die Übung der Umkehr zurück in die Liebe Gottes und lädt mich ein, meinen Wert und meine Bedeutung darin zu finden, dass Gott mich ganz persönlich berufen hat und mich seine geliebte Tochter nennt. Je mehr ich über den Reichtum und die Tiefe dieser persönlichen Liebe Gottes zu mir nachdenke, umso mehr weitet sich mein Herz, sodass ich den Reichtum und die Tiefe seiner Liebe zu anderen feiern kann, ohne mich selbst dadurch bedroht oder abgewertet zu fühlen. Dieses Eintauchen in Gottes Liebe und die Praxis, ihn über dieser Liebe zu preisen und zu feiern, das sind die geistlichen Übungen, die mir geholfen haben, den „alten Menschen“ aus- und den „neuen Menschen“ anzuziehen.
Noch etwas hat dazugehört, um mich bei jedem Anflug von Eifersucht mit diesem neuen Selbst zu bekleiden, das Gott mir in Christus schenkt: das Gebet um umso reicheren Segen für alle, die diesen Neid in mir wecken. Mein natürliches Ich wehrt sich dagegen. Aber selbst wenn sich ein solches Gebet „unnatürlich“ oder „gespielt“ anfühlen kann, habe ich entdeckt, dass es nach und nach mein Herz verändert hat. Inzwischen bin ich viel schneller dabei, einem anderen Erfolg zu wünschen. Und das ist das zuverlässige Wirken des Heiligen Geistes, der mich Christus ähnlicher macht.
Für diesen Veränderungsprozess brauchen wir Geduld. Es mag so aussehen, als ginge es schneller, wenn wir die Impulse unseres „alten Selbst“ leugnen und versuchen, uns aus eigener Kraft zu verbessern. Aber das führt nur dazu, dass wir eben dieses alte Selbst bestärken. Wenn wir uns aber darin üben, uns von den Haltungen und Handlungen des alten Selbst abzuwenden und die Gewohnheiten des neuen Selbst anzulegen, werden wir feststellen, dass nach und nach unsere „natürliche“ Reaktion immer mehr dem entspricht, wie Jesus ist, und dass er immer deutlicher durch unser wahres Selbst hindurchscheint.

Sharon Garlough Brown ist geistliche Begleiterin und Autorin zahlreicher Bücher. Dies ist ein leicht gekürzter Artikel aus LYDIA 3/2020.

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1 Kommentar

Danke für diesen Text.

Ich habe eine Verwandte, die in mir verschiedene Gefühle auslöst - leider nicht nur gute.
Sie ist einfach ein ganz anderer Typ als ich.

Ich will dranbleiben, ihr bei jedem Treffen liebevoll zu begegnen - und hoffe dabei auf Gottes tatkräftige Hilfe.

Helen Waelchli
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