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Inspiration aus dem Riesenrad

An einem Tag voller Sorgen steige ich mit meiner Tochter ins Riesenrad. Nie hätte ich gedacht, welche neuen Erkenntnisse uns diese Fahrt bescheren würde …

Nach einer Woche mit einigen außergewöhnlichen Herausforderungen schlug meine Teenagertochter beim Frühstück vor: „Fahren wir heute mit dem Riesenrad?“ Verwundert blickte ich sie an. Eine Runde mit dem Sightseeing-Magneten unserer Stadt Wien gehört für uns nicht zum normalen Wochenendprogramm. Genaugenommen war ich das letzte Mal damit gefahren, als ich selbst im jugendlichen Alter war. Meine Tochter hatte wenige Tage zuvor eine ziemliche Ungerechtigkeit einstecken müssen, die weitreichende Folgen für sie hatte. Auch in meinem Leben gab es einige unerwartete unangenehme und auch traurige Vorkommnisse. Ich zögerte kurz, ob es die passende Zeit für „solch einen Luxus“ war, doch dann stimmte ich zu.

Eine neue Perspektive
Als wir in den kleinen Waggon einstiegen, der uns in luftige Höhen führen sollte, war es an diesem trüben, regnerischen Wintertag richtig finster. Kurz kamen Zweifel auf, ob wir den richtigen Zeitpunkt für unsere Fahrt gewählt hatten. Sollten wir unser Geld nicht vernünftiger einsetzen? Da sagte meine Tochter: „Weißt du, Mama, ich musste heute einfach in die Höhe, weg von all den Problemen und Sorgen. Einfach um sie aus einer anderen Perspektive zu sehen!“
Und siehe da, je weiter sich das Rad drehte und wir uns vom Boden entfernten, umso kleiner wurden die Menschen, die Autos, die Häuser und auch der „Wiener Prater“ unter uns. Als wir uns über die ameisenkleinen Menschen und Fahrzeuge amüsierten, entdeckten wir eine schwarz-weiße Katze, die gemütlich über den unter uns liegenden Minigolfplatz marschierte. Ganz behutsam, Schritt für Schritt, immer im gleichen Tempo. Nichts und niemand schien sie aus der Ruhe zu bringen. Plötzlich blickte sie kurz zu uns nach oben als wollte sie uns sagen: „Es genügt, Schritt für Schritt zu gehen. Ihr braucht nicht zu eilen und euch nicht zu sorgen.“

Alle Sorgen loslassen
Bald erreichten wir den obersten Punkt des Riesenrades und blickten weit über unsere schöne historische Stadt. Auch an diesem trüben Tag war es in dieser Höhe hell. Wir beschlossen, unsere Sorgen und Nöte sinnbildlich hier oben zu lassen. Es war, als fiele uns ein Stein vom Herzen. Gern hätten wir hier verweilt, aber das Rad drehte sich langsam weiter. Doch welch erstaunliche Erfahrung machten wir: Unser Herz war bei Weitem nicht mehr so betrübt. Es blieb heiter, auch wenn sich unsere Gondel immer weiter in Richtung Erde drehte. Nach außen hin wurde es dunkler, in uns blieb es licht. Wir hatten gesehen, wie klein alles von oben betrachtet erscheint, und wie viel mehr Licht uns umgibt, wenn wir uns von unseren Alltagssorgen entfernen. Unten angelangt, stiegen wir mit den anderen Passagieren aus der Gondel und marschierten inmitten des grauen Alltags frohen Mutes nach Hause.
Eins wurde uns klar: Solch eine Riesenradfahrt werden wir uns in scheinbar ausweglosen Situationen künftig wieder leisten! Sie ist die beste Medizin. Trotz des beachtlichen Fahrpreises war diese kurze Reise unbezahlbar. Sie wurde für uns zu einer geistlichen Erfahrung, die uns als Ermutigung durch die nächsten Wochen begleitete.

Erkenntnisse aus dem Riesenrad
In unseren Herzen sind nun folgende Erkenntnisse fest verankert und zur sichtbaren Erinnerung auf unserer Pinnwand notiert:
Den Blick weg vom Grau des Alltags richten. Manchmal müssen wir buchstäblich oder gedanklich Abstand von unseren Alltagssorgen nehmen und uns auf einen Berg, einen Aussichtsturm oder auf ein Riesenrad begeben. Denn von oben, „mit dem himmlischen Fernglas“ betrachtet, sehen die Riesen, die uns bedrohen, plötzlich klitzeklein und gar nicht mehr bedrohlich aus. Zudem richten wir so unsere Aufmerksamkeit auf scheinbare Nebensächlichkeiten wie eine kleine Katze, die uns etwas lehren möchten, die wir jedoch sonst übersehen hätten.
Das Betrachten von oben gewährt einen größeren Überblick. Das Problem, das heute übermächtig ist, ist morgen vielleicht schon nicht mehr so groß. Auf Monate oder Jahre betrachtet, ist diese Schwierigkeit, die wir jetzt überwinden müssen, vielleicht gewinnbringend und hilfreich oder aber völlig nebensächlich für uns. Nicht umsonst fordert uns Jesus in seinem Wort auf: „Sorgt euch nicht um morgen, denn jeder Tag bringt seine eigenen Belastungen. Die Sorgen von heute sind für heute genug“ (Matthäus 6,34).
Das Tempo aus dem Hasten und Eilen nehmen. Von oben betrachtet, scheint sich alles langsamer zu bewegen. Nicht für jedes Problem gibt es sofort eine erkennbare Lösung. Aber Gott hat den Überblick und weiß bereits, wie die Angelegenheit ausgehen wird. „Geht aber nicht hastig davon, und eilt nicht wie Flüchtlinge hinweg; denn der Herr zieht vor euch her!“ (Jesaja 52,12). Daher bestimmt Gott auch das Tempo!
Den Erlöser nicht vergessen. In seiner dunkelsten Stunde bekannte Hiob: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben“ (Hiob 19,25). Als wir mit unserer Gondel am obersten Punkt des Riesenrades angelangt waren, war es hell und wunderschön. Selbst der Schmutz der Großstadt war von oben nicht zu erkennen. Wer Jesus als seinen Herrn und Erlöser angenommen hat, darf wissen: Gott verliert niemals den Überblick über mein Leben. Er hat am Kreuz bereits für meine Schuld und die der ganzen Welt bezahlt. Er steht über der ganzen Ungerechtigkeit dieser Welt, er weiß um den unfairen Lehrer, die unheilbare Krankheit, unsere verzagten Herzen, das Unverständnis mancher Mitmenschen, das unfreundliche, kränkende Wort und den Schmerz, übersehen oder missverstanden zu werden. Er steht über all dieser Herzensnot. Und er hat das letzte Wort!
An Gottes Zusagen klammern, wenn es dunkel wird. Als die Gondel nach der Rundfahrt wieder am Ausgangspunkt hielt und wir das Riesenrad verlassen mussten, war unser Herz leicht. Wir hatten den herrlichen Ausblick von oben genossen. Die Erinnerung daran gab uns die Kraft, frohgemut den Heimweg anzutreten und mit Zuversicht in die neue Woche mit ihren Herausforderungen zu starten. Denn wir kennen Gottes Zusage: „Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen“ (Hebräer 13,5).
Der Glaube verleiht Stärke. Die Fahrt mit dem Riesenrad über den Dächern Wiens hat zwar unsere Probleme nicht verschwinden lassen, aber uns neu Gottes Macht gezeigt. Ohne unser Zutun wurden wir in luftige Höhen gehoben. Frohgemut dürfen wir durch Gottes Hilfe stark sein, weil er diese Welt mit all ihrer Ungerechtigkeit und Unzulänglichkeit längst besiegt hat! Zugegeben: Von uns aus betrachtet, sieht unsere Situation ziemlich aussichtslos aus, aber Gott kann uns Stärke und Kraft geben, alle Herausforderungen zu bewältigen oder zumindest von den Umständen nicht überwältigt zu werden.

Das Riesenrad symbolisiert unser Leben. Manchmal geht es sinnbildlich hinauf, manchmal hinunter. Es gibt nicht nur Sonnentage. Aber selbst an einem trüben Tag dürfen wir nie aus dem Sinn verlieren, dass wir – wenn wir Jesus unser Leben übergeben haben – uns ganz in seiner Nähe befinden. Auch wenn unser Lebensrad gerade am Tiefpunkt ist, so hebt er uns – wenn wir es zulassen – bis an die oberste Spitze in seine Gegenwart. Dort möchte ich bleiben – mein Leben lang.

Roswitha Wurm
Veröffentlicht am 23. Oktober 2019

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