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Gott durch die Ferne näherkommen

Nach elf Jahren als Christ stellte ich fest, dass sich ein gewisser Alltagstrott in meinem Glauben eingeschlichen hatte. Ich sehnte mich nach einer lebendigen Beziehung zu Gott und wunderbar erhörten Gebete. Doch stattdessen führte Gott mich in ein dunkles Tal.

Ich ging aus Gewohnheit zur Kirche, las aus Routine mit den Kindern die Bibel und hin und wieder gelang es mir, ungestört von meinen zwei kleinen Muntermachern auch mal eine persönliche Zeit mit Gott zu verbringen. Aber wenn dies gelang, konnte ich nicht viel aus dieser Zeit mitnehmen. Die Bibel schien für mich immer mehr einer alten Zeitung zu gleichen, die ich schon einige Male gelesen hatte. Wo war die anfängliche Frische in der Beziehung zu Jesus und die abenteuerlichen Gebetserhörungen, mit denen er mein Leben so bunt gemacht hatte? Das alles fehlte mir. Angespornt durch eine Predigt, fing ich an, Gott um eine Erneuerung meines Glaubens und die spürbare Gegenwart seines Geistes zu bitten. Doch etwas Eigenartiges geschah. Nämlich das genaue Gegenteil!

Fruchtlose Versuche

Abgesehen davon, dass ich fast nie etwas beim Bibellesen oder aus Predigten für mich mitnehmen konnte, kam noch hinzu, dass ich Gott auch im Gebet nicht mehr spürte. Es war, als ob ich zu jemandem betete, der gar nicht da war. Eine beängstigende Leere machte sich in mir breit. Ich verstand nicht, was ich falsch machte, und bat Gott, mir zu zeigen, was mich von ihm trennte. Aber Gott schwieg. Zuletzt stellte ich meinen Wecker täglich auf 5 Uhr, weil das die einzige Zeit war, in der ich ungestört etwas aufnehmen konnte. Theoretisch. Praktisch endete meine Zeit der Stille aufgrund der kurzen Nächte mit einer Zeit des Schlafes.
Ich war körperlich und seelisch am Ende. Wie konnte ich Gott näherkommen? Gerade jetzt hätte ich seine Unterstützung gebraucht und er schien mich im Stich zu lassen. Meine Mutlosigkeit machte sich auch in der Kindererziehung bemerkbar. Oft konnte ich mich nicht beherrschen, schrie meine kleinen Kinder an und bestrafte sie hart. Danach überkamen mich schreckliche Schuldgefühle, sodass ich mir selbst lange nicht verzeihen konnte. Ich sah keine Hoffnung, dass ich mich je ändern würde. Daraus entstand mit der Zeit Wut auf Gott, denn ohne seine Hilfe kam ich aus diesem Kreislauf der Schuld nicht heraus und seine Hilfe war nicht in Sicht. Ich fing an, seine Allmacht und Gerechtigkeit anzuzweifeln.

Ganz oder gar nicht

Ich kam an den Punkt, an dem ich mich entscheiden musste: Entweder ließ ich mein Glaubensleben hinter mir und war ehrlich mit mir selbst. Oder ich wagte es, dem Gott, dessen Wirken ich früher erlebt hatte und der von sich selbst sagt, dass er sich nicht ändert und sein Wort wahr ist, auch jetzt zu vertrauen. Ich konnte mich entscheiden, Gottes Souveränität anzuerkennen, meine unbeantworteten Fragen auf die Wartebank zu legen und ihn trotz allem anzubeten. Im Vertrauen darauf, dass er ein Ziel mit dieser Situation verfolgen und mich auch jetzt halten würde, obwohl ich nichts von seiner Gegenwart in meinem Leben merkte.
In dieser Zeit stieß ich auf ein interessantes Video, in dem die Mutlosigkeit von verschiedenen Männern und Frauen Gottes in Zitaten dargestellt wurde. Sie alle erlebten Zeiten, in denen sie sich von Gott verstoßen und verlassen fühlten. Am Ende des Videos stand ein Bibelvers: „Wenn sie durch ein dürres Tal gehen, brechen dort Quellen hervor, und ein erfrischender Regen bewässert das Land“ (Psalm 84,7). Dieser Vers gab mir Hoffnung. Hoffnung, dass ich nicht als Erste ein solches Dilemma erlebte. Und Hoffnung, dass sich diese Situation irgendwann ändern würde, auch wenn es sich jetzt nicht danach anfühlte.

Hilfreicher Vergleich

Ich suchte nach Literatur und Predigten zu diesem Thema. Erst im Nachhinein erkannte ich, dass Gott mir dabei zur Seite stand. Psalm 13 wurde mir zu einem Rettungsring in dieser Zeit. Ich fand ein Lied zu diesem Psalm und sang es unter Tränen.
Ich beschloss, die Bibel zu lesen, auch wenn sie meiner Seele nicht immer Nahrung gab. Wenn ich dann beten wollte, dankte ich Gott ganz sachlich für das Gelesene. Ich unterstrich die Bibelstellen, die ich überhaupt nicht verstand, mit einem grünem Stift.
Eines Tages las ich in einem Buch ein sehr wertvolles Beispiel, das mir viel Kraft gab:
„Am Tag der offenen Tür wird in einem Autowerk eine Führung gemacht. Der Leiter erklärt den Besuchern, wo und wie die einzelnen Autoteile hergestellt und zusammengebaut werden. Einer der anwesenden Gäste gibt immer wieder unangebrachte Kommentare von sich und empört sich darüber, warum die Autoteile gerade in dieser Reihenfolge hergestellt und zusammengebaut werden und nicht in einer anderen, die ihm viel logischer erscheinen würde. Der Leiter ignoriert ihn zunächst, stellt ihm aber doch nach einiger Zeit die Frage: ,Entschuldigung, sind Sie vielleicht ein Automechaniker?` Daraufhin gibt der Besucher zu, dass er eigentlich gar keine Ahnung von diesem Handwerk hat. ,Dann brauchen Sie auch nicht diese Fragen zu stellen. Denn wenn ich sie Ihnen beantworten würde, könnten Sie die Antworten gar nicht richtig einordnen, weil Sie zu wenig ins Thema involviert sind.`“

Begrenzte Sicht

Dieses Beispiel zeigte mir meine Stellung vor Gott. Ich bin sein Geschöpf, er ist der Schöpfer. Ich kann mit meinem begrenzten Verstand zwar etwas von seinem Vorgehen verstehen und zuordnen, aber der Großteil wird mir vielleicht erst im Himmel offenbart. Ich kann ohne Glauben und Vertrauen zu ihm nicht auskommen, weil ich nur ein Mensch bin. Und er ist Gott. Diese Schule brachte mich in eine tiefere Abhängigkeit von ihm. Gleichzeitig verstand ich aber auch, dass er mir diesen Zustand zutraute und wollte, dass ich durch dieses Tal ging.
Gehen wir als Eltern nicht genauso mit unseren Kindern um? Wenn sie noch klein sind, schenken wir ihnen viel Zärtlichkeit und Hilfe. Mit dem Alter werden sie aber immer selbstständiger und man muss sie mit Herausforderungen allein fertig werden lassen und zusehen, wie sie Fehler machen. Aber wir sind da und trauen ihnen das zu. Und wenn sie diese Hürde bewältigen, dann freuen wir uns mit ihnen und unsere Beziehung wird dadurch noch mehr gestärkt.
Dieser ganze Prozess dauerte ungefähr vier Jahre lang. Es war eine sehr schwere, aber auch sehr wertvolle Zeit. Ich kann nicht sagen, dass sie jetzt ganz vorbei ist, aber wenn ich heute die Bibel lese, spricht sie anders zu mir als zuvor. Auch jetzt erlebe ich manchmal Tage, an denen ich aus meiner Zeit mit Gott nicht viel mitnehmen kann. Aber es gibt auch andere Tage. Da lässt mich Gott tiefer in sein Herz blicken als je zuvor. Manche Fragen, die ich damals gestellt habe, werden jetzt beantwortet. Manche bleiben unbeantwortet. Aber eins weiß ich sicher: dass Gott zu seinem Wort steht. Sein Wort ist wahr und erfüllt sich zu seiner Zeit. Auf diesem Fundament kann ich mein Leben aufbauen.

Olga Sokolov
Veröffentlicht am 18. November 2020
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