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#workingmumZwischen Müdigkeit, Ansprüchen und Alltagsstress

Ich gehöre zur Generation Y und somit zu den Frauen, die im Zeitalter von Google, WhatsApp und Instagram Mama wurden. Haben wir beim ersten Kind keine Ahnung, mit welchem Brei man am besten startet, wird schnell gegoogelt. Wissen wir bei einem schreienden Baby nicht weiter, gibt es erfahrene Mütter hunderte Kilometer entfernt, die uns auf YouTube genau erklären, wo das Problem liegen könnte. Wir gehen zum #babylüften vor die Tür (auch bekannt als Spazierengehen), checken dabei kurz die neuesten Nachrichten auf unserem Smartphone, beantworten ein paar Sprachnachrichten und machen zwischendurch Fotos für unseren Instagram-Account.

Ich liebe diese neuen Möglichkeiten. Ich liebe es, die Geschichten anderer Frauen zu hören. Zu sehen, wie sie ihr Leben gestalten, ihre Familie aufbauen, welche Werte sie hochhalten und was ihnen wichtig ist. Ich unterhalte mich mit Freundinnen oder verfolge das Leben von anderen Müttern auf Instagram.
Eine Sache ist mir dabei aufgefallen. #workingmum ist gerade voll im Trend. Das ist ein Hashtag, den Frauen unter ihre Bilder schreiben, wenn sie Mütter sind und gleichzeitig arbeiten. Dort posten sie dann Fotos und Kommentare zu diesem Thema. Oft geht es darum, wie sie ihren Alltag als Mütter und Berufstätige organisieren und welche Herausforderungen sie dabei bewältigen.
Ich gehöre zu einer Generation, die sehr gut ausgebildet ist. Keine Generation hatte so gute Möglichkeiten bei der Karriere- und Berufswahl wie wir. Und diese Chance wollen wir nutzen. Ja, wir müssen sie nutzen. Schließlich wurde uns das in der Schule eingetrichtert: „Mach was aus dir! Schaff etwas! Die Welt steht dir offen!“

Rechtfertigen und verteidigen
Als unsere Tochter geboren war, stellte sie alle meine Vorstellungen vom Elternsein auf den Kopf. Mir kam es vor, als schaffte ich nichts anderes, als meine Tochter und mich lebend durch den Tag zu bringen. Langsam stieg die Frage in mir auf: „Und wo bleibe ich? Was macht mich noch aus? Schaffe ich das weitere Monate und vielleicht Jahre?“ So sehr hatten meine Eltern mich gefördert, damit „aus mir was wird“, und nun sollte das in schlaflosen Nächten enden? Natürlich kam da die Frage auf: „Und jetzt? Nur Mama sein?“ Kein Wunder, dass #workingmum boomt. Will sich hier vielleicht eine ganze Generation rückversichern: „Ich bin nicht nur Mutter – ich tu auch was!“? Wo unsere Mütter sich noch damit herumgeschlagen haben, ihren Status als „Nur-Hausfrau“ vor Männern zu verteidigen, scheint es mir, als müssen wir uns nicht vor unseren Männern, sondern vor allem vor uns selbst und anderen Müttern rechtfertigen.
Es sind unsere eigenen Stimmen und die anderer Frauen in unserer Generation, die uns einflüstern wollen: „Ein bisschen Mutter sein geht schon, aber ganz verlieren solltest du dich nicht!“ Oder: „Mach was aus deinem Leben, auch wenn du ein Kind hast, sonst war deine gute Ausbildung umsonst!“ Nicht besonders hilfreich ist es, wenn eine Freundin, deren Kind im gleichen Alter ist und in die Kita geht, nachfragt: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag außer deine Tochter bespaßen?“

Hin und her gerissen
Auch ich gehöre nun zu den #workingmums. Ohne es wirklich zu planen, habe ich mich vor ein paar Monaten als Autorin selbstständig gemacht. Für unsere derzeitige Lebenssituation ist es ein Segen, doch manchmal zerreißt es mich. Ich liebe es, meine Talente und Stärken auch außerhalb der Familie zu entwickeln. Meine Arbeitszeiten sind flexibel, und so arbeite ich, wenn meine Tochter schläft oder mein Mann nach ihr schaut.
Als ich mit meiner Tätigkeit anfing, nahm ich mir fest vor, trotzdem voll und ganz für meine Tochter da zu sein, ihr einen sicheren Hafen zu geben und die Familie und unsere Ehe an erster Stelle zu halten. Aber ich fühle mich oft ausgelaugt.
Sehr ungern gebe ich zu, dass ich hohe Ansprüche habe. An mich. An meine Arbeit und meinen Lebensweg und somit auch an mein Kind und meinen Mann. Es soll laufen. Es muss laufen. Und das tut es auch – wenn nichts dazwischenkommt. Gerade wenn Abgaben und Termine anstehen, sind die Nächte lang und ich bin müde. In diesen Zeiten müssen alle funktionieren, damit das System funktioniert.
Und so fühle ich mich immer wieder zerrissen, ausgelaugt, leide unter Schlafmangel oder Mangel an Ruhe nur für mich. Das bekommt dann vor allem meine Familie ab.

Enorme Belastungen
Die Belastung, die auf einer Familie liegt, in der beide Eltern arbeiten, ist groß, wie die Studie einer deutschen Krankenkasse zeigt. Die Eltern sind zeitlichen, finanziellen, psychischen und gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Besonders betroffen sind Alleinerziehende. Jasmin Tabatabai schreibt auf Twitter: „Hören Sie auf, über berufstätige Mütter zu sagen, sie meistern gekonnt den Spagat zwischen Beruf und Familie. Das ist kein Kompliment. Das heißt nur, sie halten den reißenden Schmerz derzeit noch aus. Fangen wir an zu überlegen, warum und ob es ein Spagat sein muss.“
Ich hüte mich davor, zu urteilen ob eine Mutter generell arbeiten oder ganz zu Hause bei den Kindern bleiben sollte. Die Wege, wie eine Frau ihr Leben und das ihrer Familie gestaltet, sind so vielfältig wie wir Menschen selbst. Es gibt weder den einen richtigen Weg, noch die perfekte Lösung. Die Bibel sagt in 1. Johannes 2,15 aber ganz klar: „Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, in dem ist die Liebe des Vaters nicht.“ Und so dürfen wir als Mütter der Generation X, Y oder Z die Trends der Welt anschauen und uns mit Blick auf Jesus und sein Wort unsere eigene Meinung bilden. Uns frei vom Druck unserer Generation entscheiden für den einzigartigen und persönlichen Weg, den Gott mit uns und unserer Familie hat.

Kleine Entscheidungshilfe
Die folgenden fünf Punkte können eine Unterstützung sein, um seinen eigenen Weg zu finden:

1. Jesus ruft uns auf, anderen zu dienen. Habe ich einen zu vollen Termin- oder Zeitplan, kann ich nicht wirklich für andere da sein. Anders in Zeiten, die von Ruhe und Kraft geprägt sind: Dann kann ich andere Mütter unterstützen und sehe ihre Not. Ich kann gemeinsame Ausflüge und Feste organisieren und Einsamen ein Zuhause bieten. Wie sieht Ihr Energietank gerade aus? Ist er voll oder eher leer? Was müssten Sie in Ihrem Leben verändern, um Ihrer Familie und Ihren Mitmenschen wirklich dienen zu können?

2. Keine Angst, sich selbst zu verlieren. Jesus zeigt uns, dass die Angst, sich selbst zu verlieren, völlig unbegründet ist. Er fordert uns sogar dazu auf, uns selbst, unsere Vorstellungen, Träume und Pläne zu verlieren, uns zu verschenken, wie er sich verschenkt hat, und ihm nachzufolgen. „Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen“ (Lukas 9,23). „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden“ (Matthäus 16,25). Nur in Jesus können wir wirklich frei sein. Er will uns frei machen vom falschen Drehen um uns selbst, von der Angst, zu kurz zu kommen oder sich zu sehr zu verschenken, und auch von der Angst, abhängig zu sein.

3. Kindern zeigen, dass sie einfach sein dürfen. Eines der schönsten Dinge, die mir meine Mama mit ins Leben gegeben hat, war, dass ich sein darf, wie ich bin. Mit meinen Fehlern und Schwächen. Mit schlechten Noten und guten. In Wutanfällen als Pubertierende und mit meinen Fragen als Jugendliche. Sie lebte mir eine Seite von Jesus vor, die mir sonst keiner zeigte: dass ich nichts leisten muss, um geliebt zu sein. Ich vermute, sie konnte mir diese Zuversicht geben, weil sie sich selbst die Frage schon beantwortet hatte, dass sie sein darf und geliebt ist – ohne jegliche Leistung. Lernen wir, verschwenderisch Zeit mit unseren Kindern zu verbringen. Dass sie bei uns sein dürfen, wie sie sind, ohne „Ziel“ oder Lernerfolg. Mögen wir ein volles Herz haben, das erkennt, wann unsere Kinder eine Umarmung brauchen, und das genügend innere Ruhe hat, um das Kleine groß zu halten.

4. Kinder in die Begegnung mit Gott bringen. Unsere Familie ist der erste und wichtigste Ort, an dem Kinder den lebendigen Gott kennenlernen und selbst ihre natürliche Fähigkeit, ihn zu erkennen, praktizieren können. Unsere Kinder lernen von unserem Vorbild – auch im Gebet. Ist es für Sie eine Priorität, Menschen zu Nachfolgern zu machen – vor allem die, die Ihnen am nächsten sind? Oder geht die Weitergabe des Glaubens, das gemeinsame Gebet und die Möglichkeit, dass die Kinder den Glauben im Alltag erleben, im Zeitdruck unter? Kinder lernen zuerst durch unser Vorbild und Nachahmung.

5. Von der Liebe Gottes lernen. Jesus hat sich am Kreuz seine Liebe etwas kosten lassen. Sie hat ihn nicht nur seine Zeit, seine Selbstverwirklichung, sein Ansehen, seine Nerven und seine Karriere gekostet. Seine Liebe ging so weit, dass er das Wertvollste gab, was er hatte: sein Leben.

Gerade als gläubige Frau kann ich meinem Umfeld vorleben, was diese Liebe bedeutet, indem ich meinen Kindern erlaube, dass sie mich etwas kosten. Manchmal sogar das Wertvollste, das ich habe. Und so der Welt zeige, dass niemand etwas leisten muss, um geliebt zu sein. Das Ziel ist nicht, als #workingmum dabei zu sein, sich oder anderen etwas zu beweisen und etwas für die Gesellschaft oder das gute Gefühl zu leisten, sondern Jesus nachzufolgen und unsere Kinder zu Nachfolgern zu machen.

Christina Walch ist Bloggerin und Autorin. Dieser Artikel erschien in LYDIA 2/2020.

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