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Meine kleinen Lebensentschleuniger

Meine Kinder lehren mich, die Schönheit der Welt zu beobachten und wertzuschätzen. Plötzlich werde ich sensibel für die kleinen Dinge, die mir vorher ganz selbstverständlich vorkamen. Schmetterlinge im Garten, Käfer im Wald und die Kondensstreifen am Himmel werden zu Objekten, die erforscht, erklärt und bestaunt werden.

Das bedeutet dann in der Praxis, dass der Weg das Ziel ist. Die fünfminütige Strecke zu Oma wird zu einem gefühlten Tagesausflug. Denn meinen beiden Kindern ist Zeit und Raum egal, für sie zählt der Moment. Dieser Zugang zum Leben bringt mich zum Verzweifeln, zum Staunen und zum Reflektieren. Und er hat einen großen Einfluss auf meinen Tagesablauf.Ich bin Ende zwanzig. Statt mit schicken Klamotten und einem Latte Macchiato in der Hand durch die Innenstadt zu schlendern oder in einem geschäftlichen Meeting zu sitzen, bin ich mit Regenstiefeln auf den Feldern und schaue mir Regenwürmer an, die meine Kinder unbedingt mit nach Hause nehmen möchten. Beim Abendessen erzählen sie meinem Mann von ihrem Tag: von der Pizza, die wir gebacken haben; von den Pferden, die wir gestreichelt haben, und von der Kresse, die sie gesät haben. Das sind ihre Highlights, ihre Kindheit, mein Alltag.Meine Kinder entschleunigen mein Leben. Sie zeigen mir, wie besonders die kleinen Dinge sein können. In meinen großen Augen sind sie klein, in ihren kleinen Augen unglaublich groß. Anfangs musste ich mich dafür entscheiden, diese kleinen Großartigkeiten überhaupt zu erkennen und mir die Zeit dafür zu nehmen. Doch nach fünf Jahren Mama-Sein schätze ich diese neue Perspektive sehr. Denn mir ist bewusst, dass mein Lebensweg nicht unwichtig oder langweilig ist. Er ist bedeutend. Tag für Tag, Jahr für Jahr, ziehe ich mit Gottes Hilfe geliebte Menschen heran, auf die eine hoffnungsvolle Zukunft wartet. Mit diesem Fokus kann ich ihren und damit unseren „kindlichen Alltag“ genießen und wertschätzen. Auch wenn es bedeutet, dass ich nicht immer abends ausgehen oder neue berufliche Herausforderungen annehmen kann. Manchmal sage ich mir selbst mit den Worten Nehemias: „Eine große Aufgabe nimmt mich in Anspruch. Daher kann ich nicht kommen. Die Arbeit würde stocken, wenn ich sie unterbräche, um zu euch zu kommen.“ (Nehemia 6,3). Diese große Aufgabe ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Sie ist großartig und sehr wichtig. Irgendwann werde ich mehr Zeit für andere Dinge haben. Dann werde ich wieder eine Arbeitsstelle suchen, mich vermehrt in der Gesellschaft engagieren und neue Hobbys erlernen. Aber für den Moment richte ich meine Aufmerksamkeit darauf, mit Matschhose und Regenjacke die besten Pfützen ausfindig zu machen und mit meinen Kindern das ABC zu lernen. Denn: „eine große Aufgabe nimmt mich in Anspruch“!

Lena Friesen ist verheiratet, Mama von zwei Kindern und Doktorandin an der Universität Köln. Dieser Artikel erschien in LYDIA 2/2016.
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