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Voller Glauben, Lebensfreude und OptimismusHand in Hand arbeiten Frauen in Afrika für ein besseres Leben

Unter der heißen Sonne Afrikas bauen Frauen an einer besseren Zukunft für ihre Kinder. Ob bei der Errichtung einer Krankenstation im Kongo oder mit Geschäften, die durch Mikrokredite finanziert werden – oft sind es Frauen, die mit Glauben und Hoffnung einen Beitrag zum Wohl anderer leisten.

Seit knapp acht Stunden sind wir auf der Baustelle. Die Sonne brennt. Immer wieder muss unser Team eine Trink- und Rastpause einlegen. Körperliche Arbeit sind wir einfach nicht gewöhnt. Ich genieße das kalte Wasser und blicke aus dem Fenster auf unsere kongolesischen Helfer auf der Baustelle – allen voran die Frauen. Viele von ihnen sind Mütter, die ihre Kinder mit einem Tuch auf den Rücken gebunden haben und seit Stunden Stein um Stein schleppen. Sie arbeiten unermüdlich für das eine Ziel: den Bau eines Krankenhauses für die Ärmsten der Armen. Und im Gegensatz zu uns „schwachen“ Europäern haben sie nicht eine Pause gemacht.

Wahre Hingabe
Wir sind mit einem kleinen Team ehrenamtlicher Helfer von „Kirche in Aktion“ in die Demokratische Republik Kongo gereist, um gemeinsam mit den Einheimischen und in Kooperation mit einer Kirchengemeinde vor Ort eine Krankenstation zu bauen. In Matthäus 25,40 sagt Jesu, dass wir das, was wir für einen seiner geringsten Brüder oder für eine seiner geringsten Schwestern tun, für ihn tun. Das war unsere Motivation für den Einsatz: den Menschen zu dienen, so wie Jesus es gepredigt und vorgelebt hat. Seit vier Tagen sind wir nun auf der Baustelle und kaum etwas hat mich je so beeindruckt wie diese Frauen. Denn ich lerne von ihnen, was wahre Hingabe und Nächstenliebe bedeutet.

Aufbruchsstimmung
Die Demokratische Republik Kongo gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Wie viele afrikanische Staaten ist der Kongo stark patriarchisch geprägt. Pastor, Bürgermeister, Geschäftsführer, Arzt und Präsident – alle „wichtigen“ Positionen werden von Männern bekleidet. Aber beim genaueren Betrachten sieht man: Es sind die Frauen, die die Familie, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenhalten. So bilden sich etwa in Goma, einer kongolesischen Großstadt, immer mehr Micro-Finanzierungsgruppen, die Kleinstkredite an ihre Mitglieder vergeben, damit sie kleine Geschäfte gründen können. Diese Gruppen sind fest in Frauenhand, denn es sind meist die Frauen, die einen ausgeprägten Geschäftssinn aufweisen und oft sehr erfolgreich die Wirtschaft ankurbeln. Viele Männer – so scheint es –, können mit dem wenigen Geld, das ihnen zur Verfügung steht, nicht so gut haushalten und überlassen die Finanzen den Frauen.

Alles aus Liebe
Hier auf der Baustelle zeigt sich: Frauen schrecken nicht vor körperlicher Arbeit zurück. Vielmehr sehen wir tagein, tagaus weitaus mehr Frauen anpacken als Männer. Von den rund hundert Helfern täglich sind etwa 80 Prozent Frauen und Kinder. Und mit viel Spaß, Ausdauer und Kraft arbeiten sie mit uns Hand in Hand für das gemeinsame Ziel: die Verbesserung der Lebenssituation vor Ort und eine bessere Gesundheitsversorgung für ihre Nachbarn und Freunde. Ihre Motivation? Liebe zu Gott und ihren Mitmenschen.
Der Kongo steht sinnbildlich für viele afrikanische Staaten. Frauen haben hier nicht dieselben Rechte wie Männer. Sie müssen sich unterordnen, sind Gewalt und Willkür ausgesetzt. Verheiratet werden Frauen – oft gegen ihren Willen – sehr jung, häufig vor ihrem 18. Lebensjahr. Allein im Kongo geht man davon aus, dass jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben vergewaltigt wurde. In Äthiopien schätzt man, dass rund dreiviertel aller Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten wurden – eine Praxis, bei der den Frauen die Genitalien verstümmelt werden. Afrikaweit erhalten acht von zehn Frauen für harte Arbeit keinen Lohn.
Frauen haben es nicht leicht in diesen Ländern. Aber sie sind die Säulen, die alles zusammenhalten. Denn obwohl ihnen nur etwa ein Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen gehören, werden rund 80 Prozent aller Nahrungsmittel von ihnen produziert.

Es bewegt sich was
Und was wir häufig vergessen: Auch in Deutschland war es ein weiter Weg bis zur gesetzlich verankerten Gleichberechtigung. Erst seit hundert Jahren dürfen Frauen in unserem Land wählen. Erst seit zwanzig Jahren ist Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland strafbar.
Ein Blick auf meine Freundinnen auf der Baustelle zeigt mir: In Afrika bewegt sich viel. Ich bin überzeugt: Gott wirkt durch diese Frauen und gebraucht sie, um den Kontinent voranzubringen. Viele von ihnen sind gläubig und schöpfen aus der Gewissheit Kraft, dass Jesus bei ihnen ist. Und so unermüdlich, wie die Frauen Stein für Stein schleppen, um dieses Krankenhaus zu bauen, so unermüdlich setzen sie sich auch ein, um ihren Familien ein hungerfreies und würdevolles Leben bieten zu können. Immer mehr Männer wissen um den Geschäftssinn ihrer Frauen und billigen und fördern ihn. Denn ihnen ist klar: Letztlich profitieren sie ebenfalls davon, wenn ihre Frauen erfolgreiche Geschäfte leiten.

Eine bessere Zukunft
Ich verlasse meinen Schattenplatz und gehe wieder in die stechende Sonne, um mich zu den Arbeiterinnen zu gesellen. Ich bücke mich, hebe einen Stein auf und reiche ihn einer Kongolesin weiter. Sie lächelt mich an, zeigt auf mich und sagt: „Nguvu“. Das ist Suaheli und heißt „stark“. Demütig und voller Bewunderung muss ich wegschauen, um meine Rührung wegzublinzeln – denn nein, nicht ich bin es, die stark ist, sondern sie. Sie und all ihre Freundinnen, die voller Glauben, Lebensfreude und Optimismus nicht vor harter Arbeit zurückschrecken, sondern es vielmehr mit allem aufnehmen und dadurch ihre Familien, ihr Land und letztlich einen ganzen Kontinent stützen. So wie ich von den Früchten früherer Kämpferinnen profitieren darf, um in Deutschland beispielsweise mein Wahlrecht wahrzunehmen, so ebnen viele Afrikanerinnen in dieser Stunde ihren Kindern durch ihre dienende Art den Weg in eine bessere Zukunft. Aus ihrer Stärke ziehe ich Kraft und von ihrer Haltung kann ich lernen. Möge Gott sie segnen!

Sina Hottenbacher fliegt seit mehreren Jahren im Sommer für einige Wochen mit „Kirche in Aktion“ nach Afrika, um den Ärmsten der Armen in Liebe zu begegnen. Sie ist Teil von über hundert Freiwilligen, die in verschiedenen Ländern dieser Welt Hilfseinsätze durchführen.

Veröffentlicht am 4. März 2020

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