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Stell dir vor, du tust nichts – und es verändert sich alles

Als Coach habe ich gelernt, Fragen zu stellen, die weiterbringen, und strategisch zu planen, um Ziele zu erreichen. Was aber, wenn in meinem eigenen Leben auf einmal alle Strategien und guten Fragen nicht mehr weiterhelfen?

Mein Mann und ich hatten unseren Traumjob gefunden. Wir waren beide angestellt im selben Unternehmen, arbeiteten Hand in Hand, entwickelten Visionen, Ideen und Ziele. Wir wussten, wohin wir wollten, und taten alles, um dorthin zu gelangen. Wir kannten nicht nur kluge Fragen, nein, wir hatten auch Antworten parat.
Doch plötzlich änderte sich alles. Der Traumjob entwickelte sich zum Albtraum. Wir ruderten erst noch wie wild, flehten zu Gott, dass er das Schlimmste verhindert, suchten Rat bei Freunden. Am Ende standen wir mit einem Aufhebungsvertrag von heute auf morgen auf der Straße.
In den folgenden Wochen und Monaten ist mein Glaube tief erschüttert. Gott, warum hast du das zugelassen? Was hätten wir anders machen sollen? Wo bist du, Gott? Wie soll es weitergehen? Die Krise erschüttert unsere Ehe, unsere Familie, unser Vertrauen in einen liebenden Gott und unser Vertrauen in Menschen, die diesen Gott lieben.

Der kleine Wecker
In dieser Situation besuchen uns liebe Freunde. Sie kommen gerade von einer christlichen Konferenz und sind begeistert von einem kleinen Gerät, genannt „Gebetswecker“. Sie erzählen uns die Geschichte dazu: Ein Arzt betete für seine Patienten um Heilung und empfahl ihnen dann, den ganzen Tag mit Gott zu reden. Dabei soll ihnen der Wecker helfen. Man stellt ihn auf fünf, zehn oder zwanzig Minuten ein und in diesen Abständen klingelt er dann kurz und erinnert daran, dass Gott da ist. Immer wenn der Wecker ertönt, kann man kurz den Blick heben, an Gott denken und ihn im Herzen anbeten. Unsere Freunde schließen ihre Erzählung begeistert mit den Worten: „Wenn ihr das drei Tage lang macht, wird sich etwas verändern!“
Ich bin von Natur aus etwas skeptisch, wenn Menschen den Mund so voll nehmen und solche Versprechungen machen. Aber angesichts unserer Situation denke ich: Was habe ich zu verlieren? Es ist einen Versuch wert. Ich stelle also meinen Wecker auf zehn Minuten und schiebe ihn in die Hosentasche. Alle zehn Minuten ein Alarm. Am ersten Tag ist es ein bisschen nervig. Manchmal will ich gerade ansetzen, meinen Kindern die Leviten zu lesen, weil sie den Tisch nicht abgeräumt haben oder irgendetwas anderes schiefgelaufen ist, prompt vibriert mein Wecker. Mein Mann hat seinen eigenen Wecker in der Hosentasche, und nun vibrieren beim Abendessen ständig zwei Wecker. Irgendwann rufen unsere Kinder bei jedem Weckruf nur noch grinsend: „Halleluja!“

Veränderte Atmosphäre, geöffnete Türen
Nach kurzer Zeit spüre ich: Die Atmosphäre in unserem Haus hat sich verändert! Gott ist da! Jesus ist in unserem Haus. Nach drei Tagen habe ich ein Bild vor meinem inneren Auge: Ich sehe mich vor einer Tür, die automatisch aufgeht – eine Art Kaufhaustür. Ich stehe einfach nur da, und unterschiedliche Türen öffnen sich. Genau das passiert dann in einem unglaublichen Tempo in unserem realen Leben: Eine Tür nach der anderen öffnet sich und wir gehen einfach hindurch. Menschen sagen uns: „Das ist nicht normal.“ Unsere Tochter wechselt von heute auf morgen die Schule, nachdem sie an ihrer alten Schule immer deprimierter und unmotivierter wurde; mein Mann bekommt eine Arbeitsstelle, mit der wir im Traum nicht gerechnet hätten, und ich werde ohne Werbung eingeladen, bei Seminaren und Frühstückstreffen zu sprechen.
Am Anfang stand ein Wecker, der mich und uns als Familie ständig an Jesus in unserem Haus erinnert hat. Dann kam das Wunder der geöffneten Türen. Und allmählich dämmerte es mir: Je weniger ich mache und je mehr ich Gott in den Blick nehme, umso mehr kann er machen.

Still sitzen statt wild rudern
Mich bewegt die Geschichte von Maria und Marta in Lukas 10. Die eine rudert wie verrückt, die andere sitzt still zu Jesu Füßen, lauscht seinen Worten, hört dem Klang seiner Stimme zu, nimmt das Gesagte tief in ihrem Herzen auf. Vor unserem beruflichen Aus war ich auf Martas Seite: Tu was für dein Glück! Träume groß und setze dir Ziele. Plane strategisch. Im Land der Häuslebauer lebt und arbeitet man nach diesem Motto: „Schaffe, schaffe, Häusle baue.“
Der Gebetswecker hat mich gelehrt, wie unwichtig ich bin und wie wichtig Gott ist. Maria entscheidet sich für das Wesentliche. Jesus sagt: „Maria hat das gute Teil erwählt“ (Lukas 10,42). Maria hat sich entschieden. Es ist nicht einfach passiert, nach dem Motto: „Das hat sich halt so ergeben, dass ich Jesus zu Füßen sitze.“ Nein, Maria hat eine bewusste Entscheidung getroffen.
Wie oft stand bei mir am Anfang eines Tages der kurze Blick in die Bibel und ein Stoßgebet: „Gott, hilf mir, der Tag wird lang und hart!“ Und dann ging es rund. Bis ich abends erschöpft im Bett lag und mich fragte: Wo war eigentlich Gott heute? Der Gebetswecker weckte mich sozusagen auf. Gott ist immer da – nur ich bin so oft weit weg. Ich plane mein Leben, style meine Tage durch, habe meine eigenen Ziele und Visionen. Als ich einmal begonnen hatte, meinen Alltag im Zehn-Minuten-Takt von Gott beleuchten zu lassen, wollte ich mehr. Eine Sehnsucht erwachte, diesem Gott näherzukommen.
Ich stieß auf Bibelstellen wie: „Ich lebe, aber nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2,20). Oder die Aussage von Jesus: „Von mir selbst aus kann ich nichts tun“ (Johannes 5,30). Ich sah mich im Hamsterrad meines Lebens hektisch umherlaufen, während Gott still danebenstand und auf mich wartete. Ich hörte mich kluge Fragen stellen und überhörte die leise Frage Gottes: Liebst du mich?

Was wirklich wichtig ist
Als Jesus auf der Erde lebte, war es seine höchste Priorität, mit seinem Vater zusammen zu sein. Manchmal am frühen Morgen: „Früh am Morgen, als es noch völlig dunkel war, stand Jesus auf, verließ das Haus und ging an einen einsamen Ort, um dort zu beten“ (Markus 1,35). Manchmal am späten Abend: „Als das geschehen war, stieg er auf einen Berg, um ungestört beten zu können. Spät am Abend war er immer noch dort“ (Matthäus 14,23).
Jesus ist stundenlang allein mit Gott – und dann hat er zwölf Namen und beruft seine zwölf Apostel. Jesus ist nächtelang in Gottes Gegenwart – und daraufhin heilt und befreit er, läuft Umwege und trifft einsame Menschen wie die Frau am Jakobsbrunnen.
Aus der Nähe und Gegenwart seines Vaters tut er Dinge, die übernatürlich und ungewöhnlich sind. Er tut sie nicht, weil er sein Leben so klug geplant hat. Er tut sie ohne Jahresplan – er weiß, wann seine Stunde gekommen ist, obwohl sie nicht in seinem Kalender steht. Er weiß es, weil sein Blick jede Sekunde seines Lebens an seinem Vater klebt.
Ich habe diesen Gebetswecker so lange benutzt, bis die Batterie leer war. Dann war meine geistliche Batterie so voll, dass ich ihn getrost zur Seite legen konnte. Heute brauche ich keinen Wecker mehr, der mich an Gott erinnert. Ich sage auch nicht mehr „Amen“, wenn meine Gebetszeit zu Ende ist, sondern bete einfach weiter, ständig, andauernd, mitten in meinem Alltag. Es ist viel mehr als Stoßgebete, es ist Liebe zu meinem Gott, der mich aus Hamsterrädern befreit hat. Es ist der ständige Blick zu ihm, um zu sehen, was er vorhat.
Ich habe immer noch einen Kalender und plane meine Zeit. Ich gehe immer noch strategisch vor. Aber meine Motivation ist eine andere. Heute ist mein Motto: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Matthäus 6,33). Ich plane bewusst Zeiten mit Gott ein, in denen ich zu seinen Füßen sitze und lausche.

Cornelia Schmid ist Theologin und Coach und hält Vorträge und Seminare. Dieser Artikel erschien in Lydia 1/2019.

 

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2 Kommentare

Wunderbarer Beitrag. Sehr ermutigend für alle Gotteskinder.

Marisa

Sehr ermutigend! Danke! Ich probiere es aus, weil mich Sorgen immer wieder einholen wollen und ich sie so schwer loskriege. Dabei kann Gott sich so viel besser kümmern!

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