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Mit Geschichten Hoffnung schenkenInterview mit Elisabeth Büchle

Elisabeth Büchle war als Kind schüchtern und fühlte sich oft als Außenseiterin. Nachdem sie zwei Ausbildungen gemacht und eine Familie gegründet hatte, hat sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben wiederentdeckt. Im Gespräch mit LYDIA erzählt sie, wie sie als Mutter von fünf Kindern Zeit zum Schreiben gefunden hat und wie es kommt, dass ihre Romanfiguren manchmal ein Eigenleben führen.

Frau Büchle, Sie schreiben überwiegend historische Romane, die eine wahre Begebenheit als Kern haben. Wissen Sie am Anfang immer genau, wie die Geschichte verlaufen wird?
Da ich zu der Sorte chaotische Autorin gehöre, weiß ich zwar ungefähr, wo ich hinwill, mehr aber meist nicht. Ich fange einfach an zu schreiben, und die Geschichte entwickelt sich allmählich. Dieses Vorgehen birgt Gefahren, und manchmal muss ich Szenen löschen. Schlecht ist es natürlich, wenn ich an einen Punkt komme, an dem ich nicht mehr weiterweiß. Es gibt aber auch Situationen, in denen mich die Figuren überraschen, weil sie eine Art Eigenleben entwickeln. Und manchmal fällt mir sehr spät ein ganz anderer Wendepunkt ein. Das ist aber im Zeitalter des Computers kein Problem. Da passt man einfach weiter vorn die Szenen an.

Passiert das beim Schreiben oder wenn Sie etwas ganz anderes machen?
Wenn ich Auto fahre oder spazieren gehe, bin ich oft im Kopf mit den Figuren unterwegs. Da kommen dann solche Einfälle. Aus diesem Grund habe ich immer ein Notizbuch dabei, denn solche Gedanken sind flüchtig.

Sie haben schon als Kind Schulhefte und Collegeblöcke vollgeschrieben …
Das stimmt. Ich habe schon als Kind mit dem Schreiben angefangen. Ich war nämlich unheimlich schüchtern und viel allein. Beim Schreiben war ich das nicht, da konnte ich tun, was ich wollte. Eine gewisse Schüchternheit habe ich heute noch. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ich inzwischen Lesungen, Fernseh- und Radiotermine absolviere.

Woran lag das?
Vielleicht daran, dass ich ein typisches Sandwichkind war. Zwischen meinem großen Bruder und der kleinen Schwester sind nur drei Jahre Unterschied, und dazwischen stecke ich. Ich bin öfter angeeckt und war ziemlich wild. Kein Baum war vor mir sicher. Einmal bin ich fünf Meter tief gefallen. Oder ich bin mit dem Skateboard einen Bergweg hinuntergefahren und habe kopfüber in einem Acker gebremst. Allerdings hat mein Vater viel mit mir unternommen, wohl weil wir beide das Abenteuer-Gen haben. Da hatte ich Vorteile gegenüber meinen beiden Geschwistern.

Zu dieser wilden Abenteurerin scheint das Schreiben gar nicht zu passen …
Oder gerade deshalb? Durch das Schreiben habe ich meine Fantasie und meinen Bewegungsdrang in gesündere Bahnen gelenkt. Manches musste ich nicht mehr ausleben, sondern habe es zu Papier gebracht. (…)

Sie haben zwei Söhne und drei Töchter. Wie schafft man es bei einer so großen Familie überhaupt, Bücher zu schreiben?
Früher war das Schreiben ein Hobby, für das ich auf andere Freizeitvergnügungen verzichtet habe. Heute ist es mein Beruf, und um dem gerecht zu werden, bleibt auch mal etwas liegen. Das fällt mir allerdings schwer, denn ich habe gern eine aufgeräumte, saubere Wohnung. Ich musste lernen, die häuslichen Baustellen auszuklammern. Das Wichtigste ist jedoch die Rückendeckung von der Familie. Mein Mann unterstützt mich von der Planung des Manuskripts bis hin zur Organisation der Termine. Er und die Kinder sind Testleser, Inspirationsquelle und Recherchehelfer. Wir sind inzwischen ein kleiner Familienbetrieb!
Schreiben ist immer eine Herausforderung. Ich muss meine eigenen Sorgen ausblenden, investiere viel Zeit und habe dabei nie die Sicherheit, dass dies später entsprechend honoriert wird, auch finanziell. Mein normaler Schreiballtag geht mindestens bis drei Uhr nachmittags. Dazu kommen Aufgaben wie Mails-Beantworten, Social Media, Interviews und Lesungen. (…)

Ihr Mann arbeitet nur noch 25 Prozent, Sie sind seit 2015 die Versorgerin der Familie. Wie ist dieser Rollentausch für Sie beide?
Für mich ist es schwieriger als für ihn, glaube ich. Ich fühle mich gern behütet und beschützt. Ich wünsche mir Sicherheiten, er hat mehr Gottvertrauen. Damit, dass ich deutlich mehr Geld verdiene, hat mein Mann keine Probleme, immerhin ist er seit seiner Reduzierung mein Coach. Ein bisschen kämpfe ich noch immer mit meiner neuen Rolle. Jetzt verstehe ich die Frauen, die sich ausgebrannt fühlen. Wir wollen gern alles perfekt machen, so, wie viele Medien uns das vorgaukeln: Kinder, Haushalt, Beruf – alles kein Problem. Aber das können wir nicht leisten, weil uns das maßlos überfordert. Außer, wir beschäftigen eine Haushaltshilfe, eine Putzfrau, ein Kindermädchen und einen Gärtner. Doch wer hat das schon?
Ich möchte den Frauen Mut machen, sich einzugestehen, dass das nicht funktionieren kann. Was bringt uns die perfekt geputzte und dekorierte Wohnung oder das Geld, das wir dann für Dinge ausgeben, die wir eigentlich nicht brauchen, wenn wir dafür ausbrennen und unglücklich werden? Und dass wir bei der Erziehung unserer Kinder Fehler begehen, dürfen wir uns ebenfalls eingestehen. Wir sind nicht nur mit unterschiedlichen Begabungen ausgestattet, sondern auch mit unterschiedlich viel Energie. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir mal wieder niedergeschlagen auf das scheinbar perfekt organisierte Leben der Nachbarin blicken. (…)

Ellen Nieswiodek-Martin
Dies ist ein Auszug aus dem Interview mit Elisabeth Büchle in LYDIA 4/2018.

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