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Interview mit Stefanie VetterSehnsucht nach Abenteuer

Eigentlich unterrichtet Stefanie Vetter Deutsch, Englisch und Sport an einem Gymnasium in Schleswig-Holstein. Warum sie vor zwei Jahren eine Ausbildung zum Safari Guide in Südafrika gemacht hat und wie das ihr Leben und ihren Glauben verändert hat, erzählt sie im Interview mit LYDIA.

Vor einiger Zeit haben Sie die Entscheidung getroffen, aus Ihrem Alltag auszusteigen. Wie kam es dazu?
Ich hatte schon länger das Gefühl, in dem Strudel von To-do-Listen zu ertrinken. Ich mag meinen Job sehr. Auch die ehrenamtliche Gemeindearbeit habe ich gerne gemacht. Aber ich konnte keiner Seite richtig gerecht werden und hatte das Gefühl, ich arbeite den ganzen Tag nur To-do-Listen ab. Es wurde eher mehr als weniger und ich dachte: Irgendwie bist du nicht mehr am richtigen Ort. Gott, ich diene dir gerne, und ich mache das alles gerne, aber irgendwie verrenne ich mich gerade. Dann hatte ich den Eindruck, dass Gott sagt: „Du musst das gar nicht alles machen.“ Ich habe mir wahrscheinlich selbst mehr Druck gemacht, als wirklich da war. Aber ich hatte das Gefühl, ich muss raus. Ich muss wieder die Schönheit wahrnehmen, sie ist mir abhandengekommen.

Was war die Vision dahinter?
Das war keine klare Vision, eher eine innere Unruhe. Als ob jemand an meinem Herzen angeklopft und gesagt hätte: „Du musst etwas ändern!“ (…)

Welche Rolle hat Ihr Glaube dabei gespielt?
Veränderungen machen erst mal Angst. Ich habe meine Angst zu Gott gebracht und gesagt: „Gott, ich tue, was ich tun kann, aber ich gebe das jetzt dir und du musst das weiter formen.“ Die Natur war für mich schon immer ein Ort, an dem ich Gott gefunden habe. Schon in meiner Kindheit. Wenn viel Weite da war, habe ich gespürt, dass ich nah am Schöpfer bin. Ich wusste, dass es wieder Zeit dafür war. (…)

Wie waren die ersten Tage in Südafrika? Haben Sie Ihre Entscheidung auch mal bereut?
Nicht eine Sekunde lang. Ich kam dort an und kam mir dumm vor, weil ich mich nicht auskannte. Aber ich habe gewusst: Diese Welt will ich kennenlernen! Das war der Startschuss für die Aufmerksamkeit, die ich dort lernen musste. Ohren auf, Augen auf. Pass auf. Die Uhren ticken hier anders und die Zeichen sind anders.

Wie ticken die Uhren denn in Südafrika? Welche Erkenntnisse hatten Sie in der Zeit?
Ich wurde gezwungen, auf etwas zu schauen, was ich sonst übersehen hätte. Wer in der Großstadt nur auf den Boden schaut, wird irgendwann überfahren. Aber wer im Busch nicht auf den Boden schaut und nicht sieht, wer dort zuvor gegangen ist, wird vielleicht gefressen oder begibt sich in Gefahr. Die Spuren haben mich viel gelehrt. (…)

Wie ist das Leben im afrikanischen Busch? Was ist anders?
Es ist entschleunigt. Es sind schöne Geräusche – Vogelgezwitscher, Löwengebrüll, Kontaktrufe von Hyänen, heulende Schakale. Keine Autobahnen, kein Lärm, keine piependen Ampeln. Wir hatten zwar volle Tage, aber es war positiver Stress. Wir haben uns gefreut, wieder auf den Wagen zu springen. Der Tagesablauf war nicht von Hektik geprägt, obwohl der Tag so gefüllt war mit Übungen und Unterricht. Das ist ein Paradox, aber das haben wir alle so empfunden.

Das hört sich an, als ob Sie sich sehr wohl gefühlt haben.
Für mich war die Wildnis ein Ort der Erneuerung und ich habe mich dort zu Hause gefühlt. In Römer 1,20 steht, dass Gott in seiner Schöpfung offenbar wird. Das habe ich in Südafrika gemerkt. Ich habe mich ganz klein gefühlt und trotzdem voller Liebe. Ich habe mich mehr als Teil der Schöpfung wahrgenommen.

Sie sind den Spuren von Nashörnern, Löwen und Elefanten hinterhergelaufen. Das hört sich romantisch an, aber es war sicher auch gefährlich?
Eher im Gegenteil, es war eine friedliche Koexistenz. Wir haben gelernt, wie wir uns verhalten müssen und worauf wir achten sollten. In der Gegenwart eines Elefanten habe ich mich klein gefühlt und mir wurde bewusst, wie groß Gottes Werke sind. Alles trägt Gottes Handschrift. Ich habe oft an den Bibelvers in Psalm 8 gedacht: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ In Afrika Gottes Schöpfung zu erleben hat mir neu bewusst gemacht, wer an meiner Seite geht.

Was fehlt uns hier in Europa?
Manchmal denke ich, uns fehlt das Lagerfeuer. Dort haben die Menschen kein Handy. Sie haben Lagerfeuer und Wildnis. Sie schauen am Ende des Tages ins Feuer, sitzen ihren Mitmenschen gegenüber. Mir persönlich fehlt die Wildnis und mir fehlt das Unmittelbare. (…)

Ellen Nieswiodek-Martin
Dies ist ein Auszug aus dem Interview in Lydia 1/2020.

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1 Kommentar

Liebe Stefanie Vetter,

ich kann mich ganz gut in Sie und Ihre Empfindungen hinein fühlen. Ebenso ergeht es mir immer wieder wenn ich in Ländern mit "Weite" bin, wie z.B. Neuseeland oder mehr noch Australien. Ich fühle mich hier so nah bei der Schöpfung und lebendig wie sonst nirgendwo. Zu Hause dann zehre ich in Krisen und Sorgenzeiten dann von diesen guten Gefühlen wenn ich die Augen schließe und immer tief das Gefühl und die Friedfertigkeit in mich einatme.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch viele solche Schöpfungs-Nah-Momente erleben dürfen.
Liebe Grüße Hanne

hanne
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