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„Ich bin keine Heldin – ich tue nur, was Gott mir aufgetragen hat“

Die Ukrainerin Natalia (3.v.l.) ist in den Umbruchsjahren nach dem Ende der Sowjetunion als junge Frau zum Glauben gekommen. Nach einer tiefen Gottesbegegnung widmete die studierte Journalistin ihr Leben dem Dienst an ihren jüdischen Landsleuten. Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine am 24. Februar riskiert sie für diese Berufung ihr Leben. 

Gerade ist Natalia mit jüdischen Flüchtlingen aus den umkämpften Vororten von Kiew in der Notunterkunft von „Christen an der Seite Israels e.V.“ (CSI) in der Westukraine angekommen. Eigentlich betreut sie seit 2014 ein Gästehaus in einem Kiewer Vorort, wo ukrainische Juden auf dem Weg nach Israel Halt machen können. Nun lebt Natalia selbst aus dem Koffer. Zusammen mit einem Team von CSI ist sie nonstop im Einsatz, um ukrainische Juden aus den zerstörten Städten zu retten und in Sicherheit zu bringen. Von der Notunterkunft werden sie über Moldawien zum nächsten Flughafen gebracht, wo dann die israelische Einwanderungsorganisation „Jewish Agency“ weiter hilft.

Seit mehr als 25 Jahren ist das Team von CSI und dem internationalen Dachverband „Christians for Israel“ in der Ukraine tätig, um die jüdischen Gemeinden vor Ort mit Hilfsgütern zu unterstützen, Holocaustüberlebende zu betreuen und bei der Ausreise nach Israel behilflich zu sein. 

Jede Stadt hat ihre eigene tragische Geschichte des Holocaust. In vielen Städten sind die jüdischen Gemeinden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 wieder aus dem Untergrund aufgetaucht. Die Altersarmut ist enorm, da die wirtschaftliche Situation in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden ist. Natalia konnte viele jüdische Senioren auffangen und ihnen ein Stück Liebe aus Deutschland übermitteln. Mehr als 8.000 Menschen haben bisher ihre Gastfreundschaft bei Kiew erlebt. Und plötzlich ist wieder Krieg. 

Im Schockzustand 

„Jeder Tag fängt damit an, dass wir versuchen, unsere Angehörigen zu erreichen, um zu erfahren, ob sie noch leben,“ erzählt Natalia. „Die Gedanken darüber, was gerade mit meinem Land passiert, beschäftigen mich rund um die Uhr. Ich kann sie nicht abschalten. Ich mag es nicht hören, wenn Leute mich mutig nennen. Ich bin nicht mutig. Mein Magen ist verkrampft vor Angst. Wenn man eine Bombe hört, kann man seine Reaktion darauf nicht kontrollieren. Man ist einfach im Schock. Ich bin keine Heldin. Ich habe noch etwas anzuziehen, etwas zu essen und habe es warm – eine Milliarde Gründe, Gott dankbar zu sein! Ich tue nur, was Gott mir aufgetragen hat!“ 

Eine Stadt nach der anderen sendet Schreckensnachrichten. Eine davon ist das belagerte Tschernigow im Norden, eine der ältesten und schönsten Städte der Ukraine, mit der Natalia unzählige Erinnerungen an Besuche in jüdischen und christlichen Gemeinden verbinden. Die Stadt hat es besonders hart getroffen. Sie steht unter Dauerbeschuss. „Niemand kommt da rein oder raus“, berichtet Natalia. „Die Brücke wurde gesprengt und die Menschen dort können nur mit Atemschutzmasken nach draußen gehen, da die Luft schädlich geworden ist.“

Gerade hat Natalia eine Freundin wiedergefunden, von der sie drei Wochen lang kein Lebenszeichen hatte. „Sie lebt in einem Dorf bei Tschernobyl. Die Region ist komplett von russischen Truppen besetzt. Eine Nachbarin ist 10 Kilometer gelaufen, bis sie ein Telefon gefunden hat. Von dort hat sie alle Angehörigen des Dorfes darüber benachrichtigt, wer noch lebt. Was dort passiert, ist unvorstellbar. Jetzt sind die russischen Streitkräfte durch Tschetschenen ersetzt worden. Das sind die schlimmsten. Sie haben keine Beziehung zu unserem Land. Ein Vater mit Familie wurde mit seinem Auto angehalten. Als er mit erhobenen Händen ausstieg, haben sie ihn erschossen. Dann haben sie die Mutter erschossen – schützend über ihr Kind gebeugt.“

Zur Ruhe kommen bei Gott

Natalia hat Freunde in der ganzen Welt. Viele haben ihr angeboten, sie aufzunehmen oder ihr wenigstens eine Zeit zum Auftanken zu ermöglichen. „Gerne – wenn der Krieg vorbei ist!“, war Natalias Reaktion. Jedes Mal, wenn Leute aus ihrem Auto aussteigen, macht Natalia Lobreismusik an. „Nur in Gott kommt meine Seele zur Ruhe“, erzählt Natalia. „Das trägt mich jetzt. Sonst könnte ich es nicht aushalten.“

Natalia macht weiter. Anruf um Anruf, Fahrt um Fahrt – solange Gott ihr die Kraft gibt. Solange Menschen für sie beten. Solange Menschen ihren Dienst unterstützen. 


Text: Anemone Rüger, Christen an der Seite Israels e.V.
Foto: Svetlana Soroka

Veröffentlicht am 06.04.2022

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