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Ein Held für traumatisierte FrauenDenis Mukwege erhält den Friedensnobelpreis für sein Engagement im Kongo

Ein mutiger Mann. Ein Held für viele Frauen. Ein Arzt, der jeden Tag unvorstellbares Leid sieht: Dr. Denis Mukwege ist Gynäkologe im Ostkongo und behandelt Frauen, die vergewaltigt und anschließend brutal verstümmelt worden sind. Mit seinem Skalpell kämpft er für ein lebenswertes Dasein der traumatisierten Frauen und Mädchen. Und er erhebt seine Stimme gegen die Täter und prangert die Ungerechtigkeit in seinem eigenen Land an.

Unvorstellbare Zustände erlebt Dr. Mukwege jeden Tag, wenn er in den OP im Panzi-Hospital in Bukavu geht. Auf dem Operationstisch liegen Frauen, die meistens nicht nur Opfer von Vergewaltigung geworden sind, sondern deren Unterleib durch gezielte Schüsse, Bajonettstöße oder flüssige Säure verstümmelt wurde. Oft mussten die Frauen und Mädchen brutale Massenvergewaltigungen über sich ergehen lassen – um danach an ihren empfindlichsten Körperteilen rohe Gewalt und unsagbaren Schmerz zu erleiden. 50.000 Frauen und Mädchen haben Denis Mukwege und seine Mitarbeiter bisher behandelt. Täglich kommen etwa sieben Frauen in die Klinik, die einmal oder mehrmals vergewaltigt worden sind. Inzwischen ist der Arzt Experte auf dem Gebiet, Frauen einen Teil ihrer Weiblichkeit zurückzugeben: Er ermöglicht ihnen, wieder die Toilette zu benutzen, sexuell aktiv zu sein und manchmal sogar Kinder zu bekommen. Der Leidensweg bis zur Heilung ist lang. Mit seinem Einsatz leistet der 63-Jährige nicht nur einen medizinischen Dienst, sondern er gibt seinen Patientinnen auch ihre Würde als Frauen zurück. Neben der medizinischen Behandlung werden die Opfer in seiner Klinik psychologisch betreut und erhalten Beratung und Unterstützung für ihr Leben nach dem Krankenhausaufenthalt.

Angst und Schrecken
Dr. Mukwege weiß: Die zahllosen Vergewaltigungen und Gewaltausbrüche gegen Frauen im Kongo haben nichts mit sexueller Zügellosigkeit zu tun, sondern sind Ausdruck einer gezielten Machtausübung. Wenn in der afrikanischen Kultur eine Frau missbraucht wurde, ist sie für ihren Mann und oft für die ganze Sippe „gestorben“. Sie wird ausgestoßen aus der Gemeinschaft und muss isoliert weiterleben. So verbreiten Miliz und Rebellen Angst und Schrecken und halten die Menschen klein. „Wenn man die Frauen zerstört, zerstört man die Familie und irgendwann auch das ganze Dorf“, erklärt Denis Mukwege. „Sexualisierte Kriegsgewalt“ nennt man das im Fachjargon.
Der Arzt ist inzwischen weltweit bekannt und wird für seinen unermüdlichen Einsatz geschätzt. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise hat er bereits dafür bekommen, den Frauen seines Landes eine Stimme zu geben und gegen Ungerechtigkeit zu protestieren. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen 2012 rief er die Weltgemeinschaft auf, sexualisierte Kriegsgewalt zu verurteilen und die Vergewaltiger wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht zu stellen. Am 10. Dezember 2018 erhält er in Oslo für sein Engagement den Friedensnobelpreis. Die Erklärung des Nobelkomitees zur Wahl seiner Person lautet: „Der Menschenrechtler erhält die Auszeichnung für seine Bemühungen, die Anwendung von sexueller Gewalt als Kriegswaffe zu beenden.“

Mit dem Tod bedroht
Doch in seinem eigenen Land wird das Engagement des Arztes nicht nur kaum gewürdigt, sondern behindert. Schon oft hat er versteckte und offene Drohungen bekommen. Vor einigen Jahren entging er nur knapp einem Mordanschlag, bei dem einer seiner Angestellten getötet wurde.
Der Sohn eines Pastors hatte schon früh den Wunsch, „Muganga“, also Arzt, zu werden. „Mein Vater hat mir die Gabe vermittelt, für andere da zu sein“, erzählt er. Nachdem er mitbekommen hatte, wie viele Frauen bei der Geburt ihrer Kinder leiden und sterben, entschied er sich für die Gynäkologie. Nach seinem Studium in Frankreich war er Chefarzt des Hospitals in Lemera, Kongo.
Denis Mukwege ist verheiratet mit Madeleine und Vater von drei Kindern. Ihm und seiner Familie ist bewusst, dass sein Einsatz riskant ist. Doch er weiß sich von Gott in diesen Dienst berufen. Sein Wunsch ist es, dem Hass Liebe entgegenzusetzen und den Frauen neue Hoffnung zu geben. Und er betet, dass er den Tag erleben darf, an dem die Ungerechtigkeit in seinem Land ein Ende hat. Denn: Das Böse soll nicht das letzte Wort haben.

Text: Saskia Barthelmeß
Foto: Claude Truong-Ngoc
Veröffentlicht am 5. Dezember 2018

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