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Mirjam Eggimann

Sturmstillung im Kinderzimmer

Meine Nerven sind bald am Ende. Mein Sohn hat in einem Wutanfall einen großen Sprung in unserer Badewanne gemacht, die heute besonders hoch gefüllt ist. Ein großer Schwall Badewasser überflutet unseren Badezimmerboden. Mein Sohn weiß genau, dass er in der Badewanne nicht spritzen darf. Das ist etwas für Draußen. Eigentlich habe ich mit ihm abgemacht, dass er heute, nachdem alle Geschwister aus der Badewanne raus sind, noch allein baden darf. Doch dieser Regelbruch ist mir zu viel. Ich entscheide, dass er herauskommen und den Boden putzen soll und heute auch nicht mehr allein baden darf. Es tut mir selbst weh, denn ich weiß, dass es ihm viel bedeutet hat. Jedoch habe ich ihm heute schon mehrere Verwarnungen gegeben und entscheide mich deshalb, konsequent zu sein.

Jetzt geht das Geschrei erst richtig los. Mein Sohn trotzt weiter und noch intensiver. Ich bringe ihn in sein Zimmer. Dort wirft er mit Dingen um sich. Ich gebe ihm ein Stofftier, welches er dafür benutzen darf, weil es nichts kaputt macht. Mein Sohn lässt seiner Wut freien Lauf. Ich gehe kurz raus. Ich brauche Luft. Ich fühle mich ausgelaugt, müde und kaputt. Es ist kurz vor der Schlafenszeit der Kinder und oft drehen dann nochmals alle auf. Und wenn ein Kind so auf Hochtouren ist, wie gerade das wütende Kind im Zimmer hinter mir, dauert es lange, bis das hitzige Gemüt wieder beruhigt ist. Ich seufze und denke an das gute Buch, das ich heute, wenn alle im Bett sind, weiterlesen will, den Tee dazu, die Kuscheldecke ... Das muss jetzt wohl noch eine Weile warten.

Ich gehe zurück ins Badezimmer und putze den Boden nach. Meinen Sohn höre ich einen Stock höher noch immer wüten. Da kommt mir ein Gedanke. Vor kurzem hat mir jemand den Rat gegeben, in einer solchen Situation, wo die Nerven blank liegen, bis zehn zu zählen, um mich selbst damit zu beruhigen und kurz überlegen zu können, wie ich reagieren will – um nicht anschließend etwas zu bereuen. Dazu kam mir damals noch die Idee: Ich könnte auch anstatt zu zählen kurz beten und Jesus um Hilfe bitten. Das tue ich nun. Ich rede laut mit Jesus, während ich den Boden aufwische. Ich bitte ihn um Hilfe, dass ich diese Situation jetzt gut lösen kann. Ich sage ihm, dass ich k.o. bin und doch nur mein gutes Buch lesen will. Ich bitte ihn um Weisheit im Umgang mit meinem Sohn, und dass er Frieden in die Situation bringt.

Dann gehe ich zurück zu dem noch immer wütenden Kind. Innerlich fühle ich mich auf einmal ruhig und streichle meinen Sohn vorsichtig. Diese sanfte Berührung soll eine Anfrage ohne Worte von mir sein: „Bist du bereit, dich trösten zu lassen?“ Er versteht die Anfrage genau und es löst sich etwas in ihm. Wie ein Kätzchen kommt er auf meinen Schoss und klammert sich ganz fest an mich. Wir umarmen uns einige Zeit einfach nur. Mein Sohn kann weinen, der Enttäuschung und dem Frust Raum geben und ich versuche, ihn ohne Worte durch Streicheln seines Rückens zu beruhigen. Darauf sagt mein Sohn: „Es tut mir leid, Mami.“ Wenn ein Kind dies von sich aus sagt, berührt das mein Herz jedes Mal. Ich entgegne: „Ich vergebe dir. Ich habe dich lieb!“

Der Frieden zwischen uns ist wieder da. Nach heftigem Sturm – mit echten Wellen und Überschwemmung – ist da wieder Ruhe und Versöhnung. So schnell haben wir selten einen Konflikt gelöst und ich danke Jesus in meinem Herzen. Er hat mein Gebet erhört. Die Kraft des Gebets und der Beistand meines Freundes Jesus wird mir neu bewusst. Es berührt mich, dass er mitten in meinem Alltag ist und mir in meinen großen und kleinen Kämpfen zur Seite steht. Der weitere Abend verläuft ohne Konflikte und als die Kinder im Bett sind, genieße ich endlich mein gutes Buch mit warmem Tee und Kuscheldecke.

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1 Kommentar

Oje, es kommt mir sehr bekannt vor... Ich finde es wunderschön, was der Abend für eine Wendung nimmt. Wie du ruhig geblieben bist, wie du geduldig warst, mit deinem Sohn, aber auch mit deiner Reaktion, und wie ihr wieder aufeinander zugehen konntet. Beten ist so viel besser als auf 10 zählen!

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