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INFOS

Nicole Schmidt

Meines Fußes Leuchte

Es war spät in der Nacht, als ich im Zug Richtung Heimat saß. Ich war bei einem Treffen mit Freunden aus meiner Schulzeit gewesen und die einzige Zeit, an die ich gedacht hatte, war die Vergangenheit gewesen, in der wir gemeinsam geschwelgt hatten. So war der Zeiger der Uhr immer weiter vorgerückt. Nun saß ich alleine im vom Neonlicht erleuchteten Abteil und versuchte aus dem Fenster zu sehen, das mehr einem Spiegel glich. Vom Bahnhof aus waren es noch zehn Minuten Fußweg bis zu unserem Haus.

Wir leben auf dem Land in einer Gemeinde, in der um Mitternacht die Straßenlaternen in den Nebenstraßen ausgeschaltet werden. Ich entfernte mich immer weiter vom hell erleuchteten Bahnhof und merkte, wie das Licht allmählich schwächer wurde. Als ich um eine Ecke bog, wurde ich plötzlich von der Dunkelheit verschluckt. Ich konnte vor meinen Augen nichts mehr erkennen, alles schien von klebrigem Pech übergossen zu sein. Der Himmel hatte sich in einen dicken Wolkenmantel gehüllt, so dass kein Mond und keine Sterne zu sehen waren. Selbst in den Häusern brannte kein Licht mehr.

Ich erschrak vor dieser Schwärze, die mich einwickelte. Meine Augen gewöhnten sich nur langsam an das Dunkel. Vorsichtig tastete ich mich voran, immer ängstlich, ob ich über eine Straßenkante oder eine Unebenheit im Boden stolpern würde. Die Dunkelheit beraubte mich meiner Sehkraft, schärfte dafür allerdings meine Einbildungskraft.

Alles um mich herum war still. So still, dass jedes kleinste Geräusch ohrenbetäubend laut war. Angestrengt versuchte ich, etwas wahrzunehmen. Die Phantasie malte Bilder im Kopf. Der Verstand setzte aus. Da war doch ein Knacken im Gebüsch. Oder hatte ich mir das nur eingebildet? Waren das nur meine eigenen Schritte, die auf dem Asphalt verhallten oder war da noch jemand? Panik machte sich in mir breit. Ich fürchtete mich und beschleunigte meinen Schritt.

Dann bog ich in unsere Straße ein und augenblicklich fühlte ich mich der Dunkelheit entrissen. Der Weg vor mir war erhellt. Wie konnte das sein? Da sah ich es: In einem der Fenster unseres Haus am Ende der Straße stand eine Tischleuchte. Sie ist nicht groß und spendet eigentlich nicht viel Helligkeit, aber in der tiefdunklen Nacht reichte ihr Licht aus, um meinen Weg zu erleuchten. Auf dieses Licht ging ich zu, mein Herzschlag wurde ruhiger. Dann war ich endlich zu Hause.

Ich musste an den bekannten Bibelvers denken:
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Psalm 119, 105

Das Erlebnis ist mir noch ganz nah: Ich erinnere mich an das verletzliche Gefühl, an die Hilflosigkeit, das vorsichtige Vorantasten, die Orientierungslosigkeit und an die unklare Bedrohung. Und mir ist klar: Genau so bewege ich mich durch die Welt ohne Gottes Wort. Ohne Gottes Wort werde ich stolpern, ohne Gottes Wort werde ich mich verletzen, ohne Gottes Wort habe ich Angst, ohne Gottes Wort bin ich der Finsternis ausgeliefert. Umso dankbarer bin ich nun für die Weisungen und Worte, die Gott für mich bereithält.

Mein Mann erzählte mir am nächsten Tag, dass er die Lampe für mich hatte brennen lassen, damit es nicht so dunkel sei, wenn ich nach Hause komme. Ich war sehr froh darüber. Es war ein wunderbares Gefühl gewesen, aus der Finsternis herauszutreten und auf das Licht zuzugehen, mit der Gewissheit, bald zu Hause zu sein.

Nicole Schmidt bloggt auf www.lichtspurensucher.com über ihre Suche nach Fingerzeigen Gottes in der Welt.

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