Warenkorb
 
Ihr Warenkorb enthält zurzeit noch keinen Artikel.
 
 
INFOS

Stefanie Funk

Der Krankenbesuch

Station 3, Zimmer 127. So steht es auf meinem Zettel. Es ist Sonntagvormittag, und anstatt wie gewöhnlich zum Gottesdienst zu fahren, haben mein Verlobter und ich beschlossen, heute einen Krankenbesuch im Nachbarort zu machen. Mit Gitarre und Liederbüchern betreten wir die Station. Einen Moment befürchte ich, dass uns eine der Krankenschwestern die Gitarre abnehmen würde, aber es scheint niemanden zu stören.

Wir betreten das Zimmer und mein Opa begrüßt uns. Er muss aufgrund von hohem Blutdruck und Wassereinlagerungen dort sein. Es dauert nicht lange, als er anfängt zu weinen. Nicht unbedingt, weil er sich krank fühlt, sondern weil er meine Oma vermisst, die dieses Jahr gestorben ist. Erst jetzt kommt der Schmerz des Verlustes so richtig heraus. Als er sagt, wie gern er zu ihr in den Himmel möchte, kommen auch bei mir die Tränen und ich merke, wie groß seine Sehnsucht nach dem Himmel ist.

Fasziniert beobachte ich, wie seine Augen sich weiten, als wir anfangen, bekannte Glaubenslieder zu spielen. Obwohl er den Text nicht mehr lesen kann, versucht er so gut es geht, mitzusingen oder zu summen. Die Lieder erhellen das Krankenhauszimmer und bringen Leben in den Raum. Auch in mir steigt die Vorfreude auf den Himmel. Wir beten gemeinsam und reden. Mein Opa hat sich sehr über den Besuch gefreut, und auch uns hat der Besuch gestärkt.

Als wir schließlich das Zimmer verlassen, erinnere ich mich an die Bibelstelle aus Jakobus 1,27: „Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten.“

Ich bin dankbar, dass ich hier gewesen bin und meinen Opa in seiner Trübsal besucht habe. Das war heute mein „Gottesdienst“.

Stefanie Funk

„Danke” an die Autorin

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Mit einem Klick sagen Sie der Autorin „Danke!“:

Was denken Sie?

Wir freuen uns über Ihre Gedanken und Kommentare zu diesem Beitrag!

Ihre Gedanken zu dem Artikel?

Content ".nncomments-popover-content" wird per jQuery ersetzt.

Wir freuen uns über jeden Beitrag! Der Text erscheint inkl. Ihres Namens (falls angeben) auf der Lydia-Webseite. Weitere Informationen über die Speicherung der Daten finden Sie unter Datenschutz.

Alltagswunder

Gott handelt – nicht immer so spektakulär, wie wir es vielleicht erwarten, manchmal nur ganz leise und unaufdringlich. Doch wenn er es tut, ist es immer ein Wunder, das alles verändern kann.

Auf unserem Blog „Mein Alltagswunder“ erzählen Lydia-Autorinnen von diesen wunder­baren, kleinen Momenten mit Gott, die ihren Alltag erhellt haben.

...
Was denkenSie?

Schreiben Sie uns!
Wir freuen uns über Ihre Anmerkungen, Anregungen und Gedanken zu diesem Artikel!