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Roswitha Wurm

Befreiendes Schweigen

Mit gesenktem Kopf auf sein Tablet starrend saß der Junge mit riesigen, leuchtblauen Kopfhörern im Vorzimmer meiner Praxis. „Guten Tag. Das ist Max“, sagte seine Mutter und schob ihren Sohn resolut in meine Richtung. „Ich komm in einer Stunde wieder!“, verabschiedete sie sich, machte auf dem Absatz kehrt und verließ den Raum.

Max folgte mir ohne Widerspruch mit gesenktem Blick in den Lerntrainingsraum. Wir setzten uns erstmal auf das Sofa, denn ans Trainieren oder Lernen war nicht zu denken. Mir tat der Junge leid. Er schien mit seinen Gedanken in einer völlig anderen Welt zu sein. Seine Mutter hatte mir bereits im Vorfeld von Max‘ Schulängsten, von Mobbing und Versagen erzählt. Seine Versetzung sei gefährdet und es ginge auch Zuhause gar nichts mehr – Max würde auch mit den Eltern nur mehr das Nötigste sprechen. Ich war also vorbereitet, aber die Lage war beklemmender als gedacht. Auf meine Fragen reagierte er nicht. Solch eine Situation hatte ich in all den Jahren noch nie erlebt.

Was sollte ich nur tun? Ich beschloss, die Zeit zu nutzen, um für Max zu beten. Max starrte auf sein Tablet, ich saß daneben und betete, aber nichts geschah. Ich kam mir unfähig vor. Als schließlich seine Mutter klingelte, um ihren Sohn abzuholen, dachte ich bei mir selbst: Was habe ich schon für Max getan? Gar nichts! Die Zeit war wohl umsonst. Ich werde Max‘ Mutter sagen, dass sie diese Stunde nicht bezahlen muss.

Ich tippte Max auf die Schulter: „Du wirst jetzt abgeholt.“ Max folgte mir in den Vorraum, wo bereits seine Mutter wartete. Sie verdrehte die Augen, als sie sah, dass Max noch immer die Kopfhörer aufgesetzt hatte. Mir war die Sache äußerst unangenehm. Ich fühlte mich wie eine Anfängerin in meinem Job. In diesem Moment nahm Max die Kopfhörer ab, blickte mich an und meinte: „Danke für die coole Stunde. Bis nächste Woche!“ Ich dachte, ich hätte mich verhört. Max‘ Mutter lächelte überrascht und die beiden verabschiedeten sich.

Nachdenklich und ein wenig beschämt blieb ich zurück. Gebet ist niemals umsonst! Gott hatte begonnen, im Herzen dieses verletzten, enttäuschten und entmutigten Kindes zu arbeiten. Langsam und leise. Mit einer Stunde „schweigen dürfen“. Es kommt nicht auf meine Erfahrung und mein Know-how als Pädagogin an, sondern auf Gottes Weisheit und Kraft. Er weiß, was jeder Einzelne braucht. Er ist der beste Pädagoge, den es gibt. Wie schön, dass ich so einen wundervollen Gott an meiner Seite habe. Wenn ich auf ihn höre und zu ihm bete, ist keine Trainingsstunde umsonst. Ich erlebe viel mehr kleine Wunder, die er in den Herzen und Leben meiner Schüler bewirkt.

„Meine Gnade ist alles was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in deiner Schwachheit zur vollen Auswirkung."
(2. Korinther 12,9)

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1 Kommentar

Danke.
Das wünsche ich mir, für mich.
Für andere. Bei mir, in Haus und Garten.
Klingeln, reinkommen dürfen. Sich setzen und, Freiraum haben zum Gespräch. Oder eben nicht.
Und die Gastgeberin geht einfach ihrer Hausarbeit weiter.
Ob ein menschlicher Engel zu Gast war, spürt man erst, wenn er gegangen ist. Sagt man.

Jutta Müller
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Gott handelt – nicht immer so spektakulär, wie wir es vielleicht erwarten, manchmal nur ganz leise und unaufdringlich. Doch wenn er es tut, ist es immer ein Wunder, das alles verändern kann.

Auf unserem Blog „Mein Alltagswunder“ erzählen Lydia-Autorinnen von diesen wunder­baren, kleinen Momenten mit Gott, die ihren Alltag erhellt haben.

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