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Désirée Gudelius

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Für unsere Beziehung zu Gott sollte dieser Spruch ganz sicher nicht gelten, denn ich glaube, wir können unserem Vater im Himmel kaum eine größere Freude bereiten, als wenn wir ihm einfach kindlich vertrauen. Doch damit hatte ich in letzter Zeit ziemliche Probleme. Dinge entwickelten sich anders als erwartet, jahrelange Gebetsanliegen blieben trotz mehrerer Verheißungen bislang unerhört, und ich zweifelte zunehmend daran, ob ich Gott richtig verstanden hatte. Er erschien mir fern und unberechenbar. Wie sollte ich so einem Gott kindlich vertrauen können?

Mitten in dieser Zweifelphase wollte ich mit der Bahn zu einem Nachtreffen meines Jugendkreises in meine alte Heimat fahren. Am Fahrscheinautomat stellte ich fest, dass ich nicht mehr genügend Bargeld dabei hatte, also wollte ich mit Karte zahlen. Ich war hektisch, weil spät dran, und außerdem schon den ganzen Tag irgendwie neben der Spur. In diesem Zustand gab ich dann nicht meine Bank-Geheimzahl, sondern die PIN meines Handys ein. Und wer schon einmal angefangen hat, bewusst über seine Geheimnummern nachzudenken, weiß, dass sie einem dann garantiert überhaupt nicht mehr einfallen. Dreimal versuchte ich es, dann wurde meine Karte gesperrt – und die Bahn fuhr ein. 

„Bitte, Jesus, lass heute mal keinen Kontrolleur kommen, das kann ich jetzt echt überhaupt nicht gebrauchen“, betete ich, und lies mich genervt nieder. Zum Zeitvertreib las ich in einem Manuskript weiter, in dem es um Vertrauen ging.  „Wenn wir Gott gerade (noch) nicht vertrauen können, dann können wir damit anfangen zu beten: ,Herr, ich WILL dir vertrauen‘", las ich darin. Okay, Gott, dann betrachte ich diese Situation jetzt mal als Vertrauensübung und will dir vertrauen, dass ich nicht kontrolliert werde. Ich war schon fast am Ziel, als ich am Ende des Wagons einen Kontrolleur zusteigen sah. Na toll, dachte ich zynisch. Trotzdem betete ich noch einmal: „Ich will dir vertrauen!“ Tatsächlich hielt sich der Bahnangestellte dann ungewöhnlich lange bei einer Gruppe Jungs auf und in mir stieg die Hoffnung, ich würde es vielleicht doch gerade noch so schaffen, vorher auszusteigen. Ich war schon kurz davor, mich bei Gott dafür zu bedanken, dass er die Situation für mich geregelt hatte, als der Kontrolleur das Gespräch beendete und schnurstracks auf mich zukam. Eine hässliche Stimme in mir flüstere hämisch: „Das hast du also vom Vertrauen, wäre ja auch zu schön gewesen.“

Ohne große Umschweife zückte ich meinen Personalausweis, versuchte erst gar nicht um Gnade zu betteln, und sagte nur resigniert: „Ich habe keine Fahrtkarte. Ich habe am Automaten meine PIN vergessen, tut mir leid. Hier sind meine Daten.“ Ich klang weder besonders freundlich, noch verzweifelt, doch dann passierte das Unglaubliche: Der Kontrolleur, der bei der Gruppe hinter mehr eben noch mit so viel Strenge reagiert hatte, hielt kurz inne und sagte dann: „Mhm, lassen Sie mich mal überlegen … Gehen Sie doch bitte bei Ihrem Zielbahnhof zum Schalter und geben den Kollegen Bescheid, dass sie nachzahlen. Und nächstes Mal, wenn Sie keine Karte haben, suchen Sie im Wagon bitte gleich nach dem Schaffner.“ Ich war verdutzt, dann bedankte ich mich vielmals. Was für ein unerwarteter Gnadenakt! Es gab keinen logischen Grund für das Verhalten des Kontrolleurs – außer, dass Gott mir zeigen wollte, dass er sehr wohl vertrauenswürdig ist und deshalb kurzerhand das Herz dieses Mannes bewegt hat.

Beinahe beschämt und gleichzeitig tief berührt, wurde mir bewusst: Ja, ich kann meinem Gott vertrauen. Auch und gerade dann, wenn ich die Hoffnung auf sein Eingreifen längst aufgegeben habe und mich schon enttäuscht von ihm abwenden will. Und wenn er in diesen kleinen Dingen vertrauenswürdig ist, dann ist er es auch in den großen. In diesem Sinne: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!

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Gott handelt – nicht immer so spektakulär, wie wir es vielleicht erwarten, manchmal nur ganz leise und unaufdringlich. Doch wenn er es tut, ist es immer ein Wunder, das alles verändern kann.

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