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Sonja Kilian

Brot für alle

Mit einigen Stangen Baguette, die aus meinem Rucksack herausragten, sah ich wahrscheinlich lustig aus. Wir waren damals mit der Schulklasse in Paris unterwegs und wollten spät abends noch ein Picknick auf den breiten Treppenstufen vor der berühmten Kirche Sacré-Coeur machen. Ich war mit anderen zusammen für das Besorgen von Brot zuständig gewesen. Nach langer Suche waren wir fündig geworden. Es gab in der Gegend wenig Bäckereien, die zu der späten Uhrzeit noch geöffnet und außerdem das Gewünschte vorrätig hatten. Wir waren stolz und froh, als wir endlich unsere französischen Brote in der geplanten Menge ergattert hatten.

Plötzlich rempelten mich lächelnd und neugierig vier Obdachlose an und zeigten auf die langen Brotstangen in meiner Tasche. Der Anblick des knusprig frischen Gebäcks machte sie hungrig und sie wollten gerne etwas davon haben. Als junges Mädchen reagierte ich instinktiv etwas abweisend den Männern gegenüber. Aber als ich merkte, dass sie es wirklich nur auf die Baguettes abgesehen hatten, ließ ich mich erweichen und brach jedem ein Stück ab. Ich erinnerte mich an meine gläubige Mutter, die Hilfsbedürftigen selten Geld in die Hand drückte, aber nie etwas zu Essen verweigerte. „Als Christ kann ich niemanden abweisen, der hungrig ist“, dachte ich mir. Meine Mitschüler hatten allerdings Bedenken, dass es jetzt nicht mehr für uns alle ausreichen würde. Um Ersatz zu besorgen, hatten wir keine Zeit mehr. Der Vorfall sprach sich in der Klasse herum und einige waren verärgert über mich.

Interessanterweise reichte das Baguette an diesem Abend beim Picknick trotzdem für alle zum Sattwerden. Sogar auf der Rückfahrt von Paris am nächsten Tag aßen noch einige Schüler im Zug von den Brotresten. Für mich war das eine wundersame Vermehrung, an die ich bis heute noch denke. Oft, wenn ich zögere, etwas abzugeben, rufe ich mir diese wunderbare Geschichte in Erinnerung. Gott wird mich nicht leer ausgehen lassen, wenn ich etwas verschenke und dabei eine liebende Herzenshaltung habe. In der Bibel verspricht Gott in Maleachi 3,10-11, dass er uns überreich mit seinem Segen beschenkt, wenn wir großzügig sind.

Dass seine Zusage stimmt, erlebe ich immer wieder. Gerade neulich habe ich jemandem eine Kette und passende Ohrhänger gekauft, die ich am liebsten selbst behalten hätte. Es war ein Bibelvers darauf abgedruckt und ich musste dabei an eine Person denken, die gerade Trost gebrauchen konnte. Nur kurze Zeit nachdem ich den Schmuck verschenkt hatte, bekam ich einen Gutschein – genau für den Laden, aus dem ich das Geschenk für meine Freundin gekauft hatte. Jetzt werde ich mir selbst auch so ein schönes Schmuck-Set gönnen!

 Für mich war das wieder ein kleiner Fingerzeig von Gott, dass ich großzügig sein soll, wenn es um andere geht, und dass ich nicht leer ausgehen werde. Die von mir beschenkte Freundin hat sich so sehr über meine Aufmerksamkeit gefreut, dass mir dieser Dank schon ausgereicht hätte, um mich glücklich und zufrieden zu fühlen. Doch manchmal zeigt mir Gott seine unendliche Großzügigkeit, indem er mich auch mit materiellen Dingen überrascht – und ich darf von ihm lernen!

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Danke für die ermutigenden Zeilen. Mir geht es oft ähnlich. Dadurch, dass ich einen großen Garten mit vielen Beerensträuchern habe, kommt in einer Erntesaison sehr viel Marmelade zusammen. Und auch wenn ich dann reichlich an Freunde und Bekannte ein Glas Marmelade verschenke, so bleibt doch immer noch genug übrig für mich.

Carmen
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Gott handelt – nicht immer so spektakulär, wie wir es vielleicht erwarten, manchmal nur ganz leise und unaufdringlich. Doch wenn er es tut, ist es immer ein Wunder, das alles verändern kann.

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