Die Macht der Gedanken

 

 

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Nach einem Frühstückstreffen fragt mich meine Freundin Sila, ob ich noch mit in die Stadt komme. Wie toll, dass sie mich fragt, denke ich und freue mich.

Also gehen wir zusammen los. Sila möchte gern eine kostenlose Zeitschrift in der Parfümerie mitnehmen. Danach habe ich die Idee, in ein Kleidergeschäft zu gehen. Sila deutet an, dass sie nicht so viel Zeit hat, weil sie sich um ihren Vater kümmern muss, geht aber auf einen Sprung mit. Dort angekommen, geht sie nach oben in die Damenabteilung, während ich unten bei der jüngeren Damenmode bleibe. Es dauert eine ganze Weile, bis ich etwas entdecke, das mir gefällt. Ich beschließe, es anzuprobieren, überlege aber, ob das gut geht wegen Sila. Was, wenn sie genau dann kommt, wenn ich in der Umkleidekabine bin, mich nicht sieht und denkt, ich wäre gegangen? Aber es ist auch umständlich, sie jetzt erst oben zu suchen. Schon bin ich in der Umkleidekabine verschwunden.

Enttäuscht von der Freundin

Nach dem Anprobieren schaue mich noch weiter um. Hm, ob Sila noch da ist?, frage ich mich. Inzwischen ist bestimmt über eine halbe Stunde vergangen. Ich gehe nach oben zur Toilette und halte dabei flüchtig Ausschau nach ihr, kann sie aber nirgends entdecken. Sie ist bestimmt nicht mehr da, nach so langer Zeit!, denke ich. Sicherheitshalber gehe ich noch durch die Schuhabteilung, aber da ist sie auch nicht. Es ist wohl tatsächlich so, wie ich befürchtet hatte: Sie kam nach unten, als ich in der Umkleide war, hat mich nicht gesehen und ist gegangen. So was! Ein enttäuschtes Gefühl macht sich in mir breit. Na ja, sie betreut ja ihren Vater, da war sie bestimmt unter Druck, hat mich nicht gleich gefunden und musste dann schnell gehen, versuche ich mich zu trösten. Trotzdem, sie hätte ja mal bei den Umkleidekabinen nach mir rufen können. Oder mich auf dem Handy anrufen können. Sie macht sich eben nicht so einen Kopf wie ich. Eine andere Freundin hätte bestimmt bei den Umkleidekabinen nachgeschaut. Vielleicht hat sie ein anderes Naturell, weil sie aus einer anderen Kultur kommt? Vielleicht hat sie darum eine so unbekümmerte Art?
Ich bin enttäuscht, als ich jetzt allein nach draußen gehe – zu zweit war es eben schöner. Na ja, dann fahre ich jetzt zu Freunden, das hatte ich sowieso vor. Dort angekommen, treffe ich meine Freundin Judith in der Küche an. Ich wechsele gerade ein paar Worte mit ihr, da klingelt mein Handy. Es ist Sila. Na so was! Da frage ich sie doch gleich mal, wo sie ist. „Ich bin noch im Bekleidungsgeschäft.“ Habe ich mich verhört? Das gibt es doch nicht! „Wie, du bist noch da?“, frage ich erstaunt. „Ja, ich bin noch da, ich habe dich gerade gesucht.“ Ich kann es nicht glauben und erwidere: „Ich dachte, du bist schon gegangen!“ „Nein, das würde ich doch nie machen!“, antwortet sie.

Negative Gedanken sind oft nicht wahr

Was für ein entlarvender Moment, in dem all meine negativen Gedanken und meine Mutmaßungen über meine Freundin auf mich zurückfallen. Plötzlich ist es genau umgekehrt: Ich bin gegangen, nicht sie! Ich habe nicht bei den Kabinen nach ihr gerufen, weil ich von vornherein angenommen hatte, dass sie einfach gegangen ist! Jetzt stellt sich alles ganz anders dar. Zu allem Überfluss entdecke ich noch eine SMS von Sila, in der sie fragt: „Wo bist du?“ Ich hatte nicht mit einer Nachricht von ihr gerechnet und darum gar nicht auf mein Handy geschaut. Sie muss mir geschrieben haben, kurz nachdem ich das Geschäft verlassen habe. Auch das noch! Ich fühle mich total überführt – von meinen eigenen Gedanken.
So ist es, wenn Gott spricht, und das ziemlich laut! Mit einem Mal bin ich mitten hineinkatapultiert in eine Lektion von ihm. Wie schnell das geht! Wie schnell ich negativ denke und eine Situation ganz anders bewerte, als sie tatsächlich ist!
Das möchte ich in Zukunft anders machen. Doch dazu brauche ich Gottes Hilfe, damit ich nicht – wie so oft – aus einer Haltung der Minderwertigkeit heraus denke, dass ich verlassen worden bin. Ich will lernen, solche Gedankengänge zu unterbrechen, denn vielleicht ist es ja ganz anders!

Yvonne Völker ist Büroassistentin und inzwischen berentet. Dieser Artikel erschien in LYDIA 4/2017.

     

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