Ich bin eine Mutmacherin!

 

 

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Gabi Melchior arbeitet seit drei Jahren für das Projekt „Mutmacher am Bahnhof“ in enger Zusammenarbeit mit der Berliner Bahnhofsmission. Dort beweist sie Mut, indem sie hinschaut, wo andere wegschauen, und stehen bleibt, wo andere weitergehen. Mit ihrem offenen Blick, Herzen und vor allem Ohr für die Nöte ihrer Mitmenschen macht sie der Bezeichnung „Mutmacherin“ alle Ehre.

Bei Ihrer Arbeit am Berliner Hauptbahnhof haben Sie es meistens mit Menschen zu tun, bei denen andere lieber wegsehen. Wie kommen Sie in Kontakt?
Ich finde es wichtig, allen Menschen auf Augenhöhe und ohne Berührungsängste zu begegnen. Ich denke nicht an „die Wohnungslosen“ oder „die Reisenden“ oder „die psychisch Kranken“. Ich sehe den Menschen. Je mehr ich mit den unterschiedlichen Menschen zu tun habe, desto spannender finde ich die Vielfalt ihrer Geschichten. Es bewegt mich, zu sehen, wie es Menschen gelingt, in schwierigen Situationen aus ihrem Inneren Ressourcen auszugraben, um ihr Leben zu bewältigen. Es ist ein Privileg, an ihrer Geschichte teilhaben zu dürfen und ihnen vielleicht sogar eine Hilfe auf ihrem Weg zu sein.

Hatten Sie schon immer die Gabe, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen?
Schon als junge Erwachsene habe ich gemerkt, dass Leute mir gern Dinge anvertrauen. Ich habe offensichtlich die Gabe des Zuhörens, und schon damals erfüllte es mich, Beziehungen zu pflegen. (…)

Wie gehen Sie mit schwierigen Personen um?
Ich bin auch nur ein Mensch und natürlich mag ich nicht jeden Menschen, aber es hilft zu wissen, dass Gott alle Menschen mag – ja sogar liebt. Er verleiht ihnen Würde, deshalb kann ich ihnen mit Respekt begegnen und sie achten, selbst wenn sie sich mir gegenüber respektlos verhalten. Sie sind geliebt von Gott – es ist nicht meine Aufgabe, sie zu verurteilen. Meine Aufgabe ist es, zuzuhören und Beziehungen aufzubauen. Verletzungen brauche ich nicht persönlich zu nehmen.

Sie werden jeden Tag mit Menschen in Not konfrontiert – das können seelische oder körperliche Nöte sein. Fällt es Ihnen schwer, sich davon zu distanzieren?
Was wirklich hilft, ist zwischen mitleiden und mitfühlen zu unterscheiden. Ich kann mitfühlen, darf aber nicht mitleiden. Das macht mich selbst kaputt, und das Leben des anderen wird dadurch nicht besser. Wenn ich mitfühle, kann ich die Dinge nachvollziehen und versuchen, hilfreiche Ratschläge zu geben. Es hilft auch, sich bewusst zu machen, dass nicht alle hilfsbedürftigen Menschen auch hilfesuchend sind. Schließlich muss man eine ganze Menge Hürden nehmen, um Hilfe zu bekommen. Man muss sich zum Jobcenter, zur Wohnhilfe, zum sozialpsychiatrischen Dienst oder ins Krankenhaus begeben. Man muss Termine vereinbaren und sich um alle nötigen Papiere kümmern. Das fällt einigen Menschen schwer. Sie kommen nicht damit zurecht, dass es klare Abläufe und Regeln gibt. (…)

Désirée Gudelius
Dies ist ein Auszug aus dem Interview in Lydia 4/2017.


     

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