Entspannt Mutter sein

 

 

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Mütter stehen unter Druck. Sie sollen rundum perfekt sein: liebevoll für die Kinder sorgen und sie zu Topschülern machen, erfolgreich einen Beruf ausüben, attraktive Partnerin des Ehemannes sein und sich ehrenamtlich betätigen. Kein Wunder, dass laut einer Umfrage zwei Drittel der Mütter mit sich unzufrieden sind. Wo liegt das Geheimnis, um entspannt Mutter sein zu können?

Als Mutter kommt man sich oft vor wie ein Kanal, der immer nur Wasser gibt und gibt und gibt. Unsere Kinder saugen unsere Liebe und Zuwendung auf wie eine Pflanze das erquickende Nass nach einem heißen Tag. So wie das Wasser in einem Kanal nur fließen kann, wenn es von einer Quelle gespeist wird, so können wir über eine längere Zeit hinweg nur lieben, wenn wir uns von Gott geliebt wissen. Die Bibel sagt, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Gott hat uns „mit Ehre und Würde … gekrönt“ (Psalm 8,6) und freut sich an uns, „wie ein Bräutigam sich an seiner Braut freut“ (Jesaja 62,5).
Neben diesem Selbstbild gibt es ein paar Verhaltensweisen, die das Muttersein deutlich entspannen können.

Unperfekt sein

„Es ist nicht leicht, perfekt zu sein.“ Mit lustigen Schnörkeln verziert stand dieser Spruch auf einer Geburtstagskarte für unser lebhaftestes Kind. Kein anderer Spruch hätte besser zu ihm und auch zu unserem Familienleben gepasst. Gleichsam als Wegweiser hängte ich die Karte an die Wand neben unserem Esstisch. Sie sollte mich täglich daran erinnern, dass niemand in dieser Familie perfekt sein kann oder muss. Sie sollte unterstreichen: Fehler sind erlaubt, denn daraus können wir lernen.
In der psychologischen Forschung spricht man heute von der „too-good-mother“ („Zu-gute-Mutter“). Auf einer Internetplattform wird dies folgendermaßen erklärt: „Frauen, die ihrem Nachwuchs alles abnehmen möchten und stets auf Harmonie bedacht sind, gefährden die Entwicklung ihrer Kinder. Mütter dürfen nicht nur unperfekt sein, sie sollten es sogar sein.“
Eine „Gut-genug-Mutter“ hingegen („good-enough-mother“) gebe dank ihrer Fehler dem Kind die nötigen Lernerfahrungen mit, um Schwierigkeiten überwinden zu können. Also, herzlich willkommen im Land der unperfekten Gut-genug-Mütter!

Aus Fehlern lernen

Kinder brauchen keine fehlerlose Erziehung. Im Gegenteil: Aus Fehlern wird man klug, denn ein Kind lernt nur durch eigene Erfahrungen.
Noch schöner ist es, wenn es Eltern hat, die ihm Wege zur Überwindung von Herausforderungen zeigen. Das Leben als Erwachsene wird nicht das ausgeglichene Klima eines Treibhauses bieten. Wenn man Pflanzen darin großzieht, gedeihen sie prächtig, solange sie geschützt sind. Aber was geschieht, wenn sie das Treibhaus verlassen müssen?
Genauso tut man seinem Kind keinen Gefallen, wenn man ihm alle Steine aus dem Weg räumt. Durch das Überwinden von Hindernissen wird man stark, auch wenn dabei nicht alles rundläuft. Leben Sie also eine Fehlerkultur, in der Fehler als normaler Bestandteil des Familienlebens gesehen werden und in der man offen bespricht, wie man sie in Zukunft vermeiden kann.

Stärken nicht vergessen

Zugegeben, viele Mütter sind Multitalente, aber die meisten von uns sind nicht mit unerschöpflichen Kräften ausgestattet. Wir haben alle unsere Stärken, aber auch unsere Schwächen. Eine perfekte Kombination aus Haushälterin, Pädagogin, Kinderpsychologin, Chefköchin, Krankenschwester und Managerin ist äußerst selten!
Mütter neigen jedoch dazu, ihre Schwächen viel klarer zu sehen als ihre Fähigkeiten. Dazu kommt noch, dass unser Umfeld im Allgemeinen mit Komplimenten geizt, dafür aber umso deutlicher auf die Schwächen hinweist. Am besten kümmern Sie sich deshalb selbst darum, dass Sie Ihre Stärken nicht vergessen, indem Sie zum Beispiel fünf Ihrer hervorragendsten Stärken auf ein Post-it schreiben und dieses an den Spiegel im Badezimmer heften. So blicken Sie schon frühmorgens in Ihren Seelenspiegel und sehen darin Ihre guten Seiten. Gibt es einen besseren Start in den neuen Tag?
Vergessen Sie neben all den täglichen Pflichten sich selbst nicht. Gönnen Sie sich jeden Tag etwas, das Ihrer Seele guttut. Leben Sie nicht nur für andere, sonst verlieren Sie sich selbst.

Entlasten statt Ausbrennen

Vor ein paar Jahren galt Burn-out vor allem als Managerkrankheit. Unterdessen zeigt sich vermehrt, dass auch Mütter als Familienmanagerinnen stark davon betroffen sind. Mehrfachbelastungen durch Kindererziehung, Haushalt und Beruf fordern ihren Tribut. Symptome dafür sind: Müdigkeit und Schlaflosigkeit, Konzentrationsprobleme, eine negative, zynische Einstellung dem Leben gegenüber, Lustlosigkeit. Begleitend finden sich häufig: Kopfschmerzen, Verspannungen, Herzkreislaufprobleme, Verdauungsstörungen.
Falls Sie mehrere Anzeichen eines Burn-outs an sich entdecken, kommen Sie nicht an Veränderungen in Ihrem Leben vorbei. Zuerst gilt es herauszufinden, was Sie selbst brauchen, um ein ausgeglichenes Leben zu führen. Was tut Ihnen gut? Wie können Sie sich entspannen und neue Kraft tanken?
Dann gilt es abzuschätzen, wie viel Sie überhaupt leisten können. Über einen kurzen Zeitraum hinweg kann man über seinem Limit leben, aber auch die stärkste Marathonläuferin muss irgendwann einmal ausruhen. Auch Sie tun gut daran, wenn Sie sich nicht zu viel aufbürden, indem Sie sich auf das Wichtige konzentrieren. Man darf sich Hilfe holen, um sich zu entlasten. Nur wenige Stunden Unterstützung pro Woche durch eine Haushaltshilfe oder eine Freundin können die Kraftreserven entscheidend auffüllen.

Auch mal Nein sagen

Nur wenn Sie Grenzen ziehen, können Sie Ihre Würde bewahren. Lassen Sie sich deshalb nicht von Ihrem Nachwuchs herumschubsen. Sie sind für Ihre Kinder überlebenswichtig und dementsprechend sollen diese Sie auch mit Respekt behandeln. Dulden Sie nicht, dass die Kinder Sie mit herabwürdigenden Schimpfwörtern attackieren. Letztlich liegt alle Autorität bei Ihnen: Sie versorgen die Kinder mit allem Notwendigen. Sie umsorgen sie, wenn sie krank sind. Sie organisieren ihren Tag. Und Sie können jederzeit Ihren Service für den meuternden Nachwuchs einschränken: Die Lieblingsjeans wird erst gewaschen, wenn sie im Wäschekorb liegt und das Taschengeld erst ausbezahlt, wenn das Zimmer aufgeräumt ist. Das Computerspiel darf erst gestartet werden, wenn das Kind eine Weile draußen gespielt hat. Es wird respektvoll diskutiert, sonst ist der Kinobesuch dahin. Kinder und Jugendliche sollen früh lernen, dass das Wort ihrer Mutter gilt. Wenn sie sich Mama gegenüber unangemessen verhalten, wird das für sie unangenehme Folgen haben. Benehmen sie sich hingegen respektvoll, wird das belohnt.
Um Nein sagen zu können, braucht es innere Festigkeit, die man sich antrainieren kann. Lassen Sie sich von starken Gefühlsausbrüchen nicht verunsichern. Es ist normal, dass ein Kind oder eine Jugendliche sich gegen ein Nein auflehnt und eine Szene hinlegt. Nehmen Sie innerlich Abstand, drücken Sie Ihr Mitgefühl aus, ziehen Sie sich notfalls zurück in einen anderen Raum. Aber lassen Sie sich niemals durch die Gefühlsausbrüche der Kinder weichklopfen.

Auch im Dunkel leuchtet ein Licht

Jede Mutter trägt Lasten. Ob Krankheiten oder Schulprobleme, Ehekrisen oder Sucht – jederzeit kann etwas das Familienglück trüben, denn leider leben wir nicht im Paradies. Aber Gott verheißt uns auch nicht ein schmerzfreies Leben. Über die Jahrzehnte hinweg erlebt jede Familie unweigerlich ihren Anteil an Kummer und Schmerz.
Mutter zu sein ist ein Weg durch Hell und Dunkel, Freude und Leid, Schuld und Vergebung. Wir müssen Abschied nehmen von Wünschen und Vorstellungen, aber wir lernen auch viel Neues. Das Begleiten von Kindern feilt an unserem Charakter, erzeugt Emotionen und braucht viel Kraft. Aber sie bereichern unser Leben, halten uns flexibel, und so möchten wir sie trotz allem nicht missen. Wie in keinem anderen Lebensbereich können wir als Mutter Spuren der Liebe hinterlassen, die viele Jahre nachklingen werden.

Annemarie Pfeifer ist psychologische Beraterin und Buchautorin. Mehr zum Thema in ihrem Buch „Entspannt Mutter sein“ (LYDIA-Edition).

     

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