Mein Ehe –Wachstumsprogramm

 

 

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Neulich habe ich ein altes Pärchen gesehen. Hand in Hand schlenderte es über den Markt. Was für ein wunderbares Bild! Es strahlte so viel Zärtlichkeit und Vertrautheit aus. Ich war ganz hingerissen und freute mich über ihre Liebe. Still schaute ich ihnen nach und überlegte: Was die beiden wohl alles eint? Welche gemeinsamen Erinnerungen verbinden sie miteinander?

Dieses Erlebnis ermutigte mich. Es war ein angenehmer Kontrast zu dem, was ich in den letzten Wochen so häufig gehört habe. „Also, so leidenschaftlich wie am Anfang ist es ja nach einigen Jahren Ehe nicht mehr“, stellte jemand ernüchtert fest. Oder: „Ach, wir brauchen doch keine Auszeit zu zweit! Wir sind ja keine jung Verliebten mehr …“

Mich irritieren solche Aussagen. Natürlich gewinnt eine Ehe nach einigen Jahren eine andere Gestalt. Vielleicht ist sie weniger stürmisch, weil sich die Partner in sicheren Gewässern wähnen und nicht mehr ständig um die Liebe des anderen kämpfen. Sie haben sich aneinander gewöhnt.

Ernüchternder Alltag

Die spontane Begeisterung ist einer gewissen Ernüchterung gewichen. Man kennt jetzt nicht nur die Vorzüge, sondern auch die Schwächen des anderen und muss lernen, sich damit zu arrangieren.

Aber gerade da liegt doch die große Chance! Miteinander reifen, die Liebe in die Tiefe wachsen lassen und einander bei aller Vertrautheit immer wieder neu entdecken!
Allerdings läuft so ein „Ehe-Wachstumsprogramm“ nicht von alleine ab. Wer denkt, es werde schon automatisch gehen, der wird sich eines Tages in einer öden, unbefriedigenden Beziehung wiederfinden. Liebe ist eine tägliche Übung. Es geht darum, den Partner nicht als selbstverständlich hinzunehmen und ihm immer wieder neu Liebe und Respekt zu zeigen.

Was überwiegt: Ermutigung oder Kritik?

Dazu gehört eine gute Portion Selbstreflexion. Ich habe mich selbst beobachtet: Wie viele ermutigende Botschaften bekommt mein Mann von mir? Wie oft zeige ich ihm, dass ich es schätze, was er für unsere Familie tut? Wie oft lasse ich ihn spüren, dass er mein Held ist? An wie vielen Abenden kommt er nach Hause und wird freudig erwartet?

Und wie oft kritisiere ich ihn? Wie oft bin ich so beschäftigt, dass ich ihm das Gefühl gebe, überflüssig zu sein? Wie oft denke ich negativ über ihn? Wie oft wünsche ich mir, dass er meine Bedürfnisse erfüllt, statt an die seinen zu denken?

Überraschende Veränderung

Allein die Tatsache, dass ich aufmerksam auf diese Dinge achtete, brachte eine Veränderung. Eines Tages sagte mein Mann zu mir: „Du bist anders geworden – ich fühle mich irgendwie viel mehr von dir geschätzt! Das fühlt sich gut an.“

Das war schon ein großes Lob für mich. Aber es kam noch besser: Durch meine Veränderung änderte sich auch mein Mann! Diese neue Portion Respekt, die ich ihm entgegenbrachte, setzte etwas in ihm frei. Plötzlich war er wieder voller Zuneigung und Zärtlichkeit für mich. Er machte mir Komplimente, half viel mehr als vorher bei der Hausarbeit, gab sich sichtlich Mühe, auch mir zu zeigen, wie sehr er mich liebt. Wir waren wieder neu bis über beide Ohren verliebt.

Warum fällt es uns oft so schwer, über unseren Schatten zu springen und den ersten Schritt zu tun? Einer muss doch den Anfang machen!

Etwa einen Liebesbrief schreiben, in dem wir dem anderen erzählen, was wir alles an ihm schätzen. Oder ein leckeres Essen vorbereiten mit Kerzen und Musik – ein romantischer Abend nur für uns beide. Das kommt bestimmt gut an. Ich will auch bewusst freundlich sein und kritische, herabwürdigende Sätze energisch zurückhalten, bevor sie mir über die Lippen kommen. Ich möchte nachfragen, was meinen Mann bewegt und wie es ihm bei der Arbeit ergangen ist. Dabei staune ich immer wieder: Wenn ich meinem Mann mit Liebe und Achtung begegne, bewegt das bei uns beiden viel!

Ein riesiges Geschenk

Die Ehe ist ein riesiges Geschenk Gottes. Jetzt ist es an uns, dieses Geschenk zu pflegen. Ich will mich nie damit abfinden, keine Leidenschaft und Verliebtheit mehr zu spüren. Und ich hoffe, dass mein Mann und ich in etlichen Jahren einmal wie dieses alte Pärchen verliebt Händchen haltend über den Markt schlendern und immer noch voller Dankbarkeit über das Geschenk unserer Ehe staunen.

Susanne Mockler ist seit über 25 Jahren verheiratet und Mutter von acht Kindern. Sie ist Beraterin, Autorin und Referentin zu den Themen Ehe, Familie und Erziehung. Dieser Artikel erschien in LYDIA 1/2013.

     

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