Montagsgedanken

In der Wüste der Entmutigung

Sie bereitet das Frühstück vor, macht die Betten, räumt das Haus auf, kocht das Mittagessen, kümmert sich um den Abwasch, sortiert die Wäsche, backt einen Kuchen, wischt Staub, erledigt die Einkäufe, deckt den Tisch und reinigt Fußböden, Toiletten und Fenster. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang immer dasselbe Lied. Sie erhält keine Belohnung. Sie arbeitet ohne Beachtung. Sie zweifelt an ihrer Bedeutung. Ihr Name ist Hagar und sie ist eine Sklavin. Sie ist fremd, einsam und fühlt sich unsichtbar. Die Aufgaben sind viel, die Erwartungen hoch und das Hamsterrad schnell.
Doch irgendwann bleibt es abrupt stehen, denn nicht nur ihre Leistung wird gebraucht, sondern auch ihr Körper. Abram schläft mit ihr. Nicht aus Liebe, sondern aus Angst vor der Kinderlosigkeit. Der Plan geht auf und Hagar wird schwanger. Daraufhin zeigt sie Abrams Frau gegenüber ihre Verachtung und bevor Sarai sie noch bestrafen kann, ergreift Hagar die Flucht. Auf dem Weg in ihr Heimatland bricht sie in der Wüste zusammen. Sie kann nicht mehr und fühlt sich alleingelassen. Kraftlos, entmutigt, verzweifelt.
Doch am Tiefpunkt ihres Lebens, erscheint ihr Gott. Nicht weil sie ihn ruft, sondern weil er sie sieht. Gott tröstet sie, erinnert sie an seinen Plan und verheißt ihr eine große Nachkommenschaft. Hagar spürt, dass Gott sie persönlich in ihrer schweren Situation sieht, und gibt ihm den Namen „El Roi“ – der Gott, der mich sieht.
Was für eine Geschichte! Sie scheint antiquiert. Weit weg in Raum und Zeit. Doch ist es möglich, dass wir heute aus dieser Geschichte etwas für unsere neue Woche mitnehmen können? Ist es möglich, dass sich die eine oder andere Frau ähnlich fühlt – allein, benutzt, nicht gesehen? Vielleicht nicht permanent, aber immer wieder? Arbeitsstelle, Haushalt, Familie fordern und der Spagat zwischen den Aufgaben ist kaum möglich. Es gibt keine Belohnung. Die Arbeit bleibt ohne Beachtung. Es kommen Zweifel auf an der eigenen Bedeutung. Nicht immer, aber hin und wieder?
Auch wenn die Zeiten sich ändern und wir nicht mehr zu Zeiten Abrams leben, ist Gott immer noch derselbe. Sein Name lautet „El Roi“ – der Gott, der mich sieht. Wenn Sie den Eindruck haben, übersehen, überhört, übergangen zu werden, dann dürfen Sie heute wissen: Gott sieht Sie und will Ihnen helfen. Gerade in dieser herausfordernden Phase Ihres Lebens – als junge Mutter, als Managerin in einem Unternehmen, als Pflegerin der altgewordenen Eltern … Gott sieht Sie in Ihrer Situation. Und er sieht nicht nur zu, er fasst Sie an der Hand und führt Sie. Heraus aus der Wüste der Entmutigung hin zum frischen Wasser der Hoffnung.

Lena Friesen

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