Montagsgedanken

Zur rechten Zeit am rechten Ort

Wie jedes Jahr bin ich mit meinem Mann auf der Insel Sylt im Urlaub. Morgens, noch vor dem Frühstück, machen wir uns auf den kurzen Weg von unserer Unterkunft zum Strand, um in der kalten Nordsee zu schwimmen. Herrlich!
An einem Morgen, als wir gerade den Deich überqueren und durch den Sand zum Wasser gehen wollen, begegnet uns ein Strandwärter. Um diese Zeit, zwischen sechs und sieben Uhr morgens, ist er damit beschäftigt, die Abfallbehälter zu leeren und zu schauen, dass alles ordentlich ist.
Ich grüße ihn, wie hier üblich, mit einem kurzen „Moin“ und will schon weitergehen. Da merke ich, dass er nicht zurückgrüßt, sondern seine Arbeit unterbricht und mich anschaut. Erstaunt höre ich, wie er zu mir sagt: „Mir geht es heute gar nicht gut. Meine Schwester ist gestorben!“ Unsicher und etwas mechanisch antworte ich: „Oh, das tut mir aber leid. War sie denn krank?“ „Nein, eben nicht. Und sie war doch erst 34 Jahre alt“, erwidert der Strandwärter. Ich sage noch ein paar anteilnehmende Worte und gehe weiter.
Die Begegnung beschäftigt mich sehr. Was ist da gerade passiert? Ein mir unbekannter Mann hat mir seine Not anvertraut, sein Herz bei mir ausgeschüttet – und das, obwohl die Nordlichter nicht gerade für ihre Redseligkeit bekannt sind!
Immer wieder bete ich für diesen Mann. In mir wächst der Wunsch, ihn noch einmal zu treffen und ihm etwas von Jesus, der mein Tröster ist, zu sagen.
Am Büchertisch der dortigen Gemeinde kaufe ich ein kleines Matthäus-Evangelium. Dann bete ich: „Herr Jesus, wenn du willst, dass ich das dem Strandwärter gebe, dann schenke bitte, dass ich ihm noch einmal begegne.“
Und tatsächlich: Drei Tage später ist es so weit. Wieder leert er gerade die Abfallbehälter. Ich gehe zu ihm hin und spreche ihn an. „Am Freitag ist die Beerdigung“, erfahre ich. Ich gebe ihm das kleine Evangelium und erzähle ihm, dass Gottes Wort mich schon oft getröstet hat und dass ich das auch ihm von ganzem Herzen wünsche. Verwundert steckt er das Heft in seine Brusttasche und macht mit seiner Arbeit weiter.
Und ich? Ich erkenne, dass Gott da seine Hand im Spiel hatte. Ich bin dankbar für diese unverhoffte Begegnung und froh, dass ich für diesen Mann beten kann. Ich weiß, mein himmlischer Vater wird sich weiter um ihn kümmern.

Elisabeth Malessa

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