Montagsgedanken

Der verstopfte Abfluss

Es gibt lästige Haushaltspflichten, die ich gerne vor mir herschiebe. Wenn zum Beispiel das Wasser in unserer Dusche nicht mehr richtig abfließt, ignoriere ich das so lange, bis meine Nase den strengen Geruch aus dem Abfluss nicht mehr aushält. Dann weiß ich: Es geht nicht mehr anders, jetzt muss ich ran!
Also hänge ich missmutig über dem Badewannenrand und versuche, mit einer Pinzette zu beseitigen, was nicht in den Abfluss gehört. Eine Taschenlampe hilft mir dabei, weiter in die Tiefe sehen zu können. Es ist eine eklige Arbeit. Jedes Mal nehme ich mir fest vor, beim nächsten Besuch im Baumarkt einen Siebeinsatz zu kaufen. Aber bisher ist es bei meinem Vorsatz geblieben. So wiederholt sich diese unliebsame Arbeit in regelmäßigen Abständen.
Während ich eines Morgens wieder mit der Pinzette im Abfluss herumstochere und mich frage, wie es so weit kommen konnte, weist mich Gott sanft auf eine Parallele in meinem Leben hin. Auch in meiner Seele sammelt sich im Laufe der Zeit so allerhand Unrat an, der dort nichts zu suchen hat und zum Himmel stinkt, wenn ich mich nicht darum kümmere. Es handelt sich um Dinge, die nicht vergeben sind, Verletzungen und sündige Angewohnheiten. Jede Sache für sich genommen, mag nur eine Kleinigkeit sein, aber irgendwann spüre ich eine tiefe Unzufriedenheit. Ich merke, wie meine Beziehung zu Gott und meinen Mitmenschen zusehends in Mitleidenschaft gezogen wird. Es ist dann so, als ob das Leben nicht mehr richtig durch meine Seele fließen könnte.
Was bringt Abhilfe? Wenn ich auf die Stimme des Heiligen Geistes höre, der wie eine Taschenlampe in die tiefsten und dunkelsten Ecken leuchtet und mich darauf hinweist, welchen „Seelenschmutz“ ich bearbeiten soll. Manchmal erinnert er mich an Begebenheiten, die ich eigentlich schon vergessen oder ad acta gelegt hatte. Wenn ich dann Vergebung aussprechen oder selbst empfangen kann, erlebe ich innerliche Heilung und meine Seele fühlt sich wieder freier an. In manchen Fällen ist das ein langer und schmerzhafter Prozess. Immer wieder komme ich an den gleichen Punkt und spüre: Da geht es noch eine Schicht tiefer, ich muss das Thema noch einmal bearbeiten, zum Beispiel mit Hilfe einer Seelsorgerin.
Obwohl ich mich hinterher freier und erleichtert fühle, strengen mich Gespräche, die in die Tiefe meiner Seele gehen, emotional sehr an. Oft denke ich dann: So weit lasse ich es nicht wieder kommen! Ich brauche einen „Siebeinsatz“ für meine Seele! Damit meine ich: Ich will in konkreten Situationen auf die leise Stimme des Heiligen Geistes hören und sofort darauf reagieren, anstatt es auf die lange Bank zu schieben. Ich will Schuld gleich loslassen, Vergebung aussprechen, Gott und sein Reden ernst nehmen. Altmodisch ausgedrückt, ist das „die Furcht des Herrn“. Wann immer mir das gelingt, schütze ich damit meine Seele vor stinkendem Unrat.

Sarah Mittelstädt

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