Entscheidung zum Glücklichsein

Interview mit Barbara Hänni

 

 

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Als Krankenschwester wusste Barbara Hänni theoretisch sehr genau, worauf sie sich einlässt, wenn sie Markus Hänni heiratet. Ihr Mann leidet an Mukoviszidose, einer unheilbaren Krankheit. Vor fünf Jahren haben die beiden Ja zueinander gesagt. Dennoch sagt Barbara: „Mein Partner ist nicht dazu da, mich glücklich zu machen.“ Im Interview erzählt Barbara Hänni, wie sie gelernt hat, mit Zweifeln und Sorgen umzugehen und auf Gott zu vertrauen.

Frau Hänni, als Sie Ihren Mann kennenlernten, wussten Sie bereits, dass er Mukoviszidose hat und arbeitsunfähig ist. Was hat Sie an ihm angezogen?
Der ausschlaggebende Punkt war, dass wir so eng befreundet waren. Der Humor stimmte und wir hatten gemeinsame Interessen. Das war eine gute Grundlage. Ich finde diese Art des Kennenlernens sehr schön: zuerst Freunde zu sein und dann entsteht eine Liebe daraus.

Als junge Frau hatten Sie gedacht, Sie würden den Traumprinz sofort erkennen, wenn er Ihren Weg kreuzt. Das kam dann anders. Wie wichtig sind bei der Partnerwahl die Gefühle und wie wichtig ist der Verstand?
Das ist Typfrage. Ich bin eher eine verstandesorientierte Person. Ich denke erst alle Szenarien gut durch, dann kann ich mich darauf einlassen und die Gefühle kommen nach. Ich kenne viele Paare, bei denen der eine zuerst mit Zweifeln konfrontiert war. Ich wusste, wenn ich zu einer Beziehung Ja sage, ist das nicht nur für ein paar Jährchen. Für mich war es wichtig, dass die Person wirklich das Potenzial hat, ein Mann fürs Leben zu sein. Ich denke, Gefühle verschwinden schnell wieder. Eine Beziehung, die rein auf Gefühlen aufbaut, ist zum Scheitern verurteilt. Aber natürlich müssen die Gefühle da sein, sonst würde man sich gar nicht erst auf diesen Weg begeben.

Bei Ihrem Mann war die Prognose für die Zukunft durch die Krankheit nicht so gut. Schon deshalb konnten Sie den Verstand gar nicht ausblenden, oder?
Ich vermute, ich hätte bei einem gesunden Mann die gleichen Bedenken gehabt. Die statistische Lebenserwartung für Markus` Jahrgang lag bei dreißig Jahren, inzwischen sind es vierzig oder mehr Jahre. Aber als Markus ein Kind war, starben Mukoviszidose-Patienten oft im Kindesalter. Als wir geheiratet haben, kannten wir den Krankheitsverlauf der letzten dreißig Jahre und hatten viel Hoffnung, dass seine Situation noch lange stabil bleiben würde.

Welchen Stellenwert hat für Sie der Glaube?
Der Glaube hat einen sehr hohen Stellenwert, sowohl im Alltag als auch in der Partnerwahl. Ich war ständig im Dialog mit Gott, ob ich mit Markus zusammen sein will oder nicht, und habe ihn um Antworten gebeten. Ich denke, dass Gott durch verschiedene Wege zu uns sprechen kann: durch einen Blitzgedanken, durch die Bibel oder durch Menschen in unserem Umfeld. Als wir bereits zusammen waren und bei mir Zweifel hochkamen, hat Gott immer wieder Menschen in meinem Umfeld gebraucht, um mir einen Spiegel vorzuhalten. Irgendwann bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich eine egoistische Haltung hatte. Ich habe immer gefragt: „Wie werde ich glücklich? Werde ich mit Markus glücklich?“ Das war meine Hauptsorge. Ich hatte Angst, dass ich eine Beziehung eingehe und dann mit vierzig merke, ich bin nicht mehr glücklich mit ihm. Irgendwann kam ich an einen Wendepunkt und merkte: Es passiert nicht einfach, dass man plötzlich dasitzt und denkt: Ah, jetzt bin ich nicht mehr glücklich. Sondern das ist ein Prozess, den man selbst in der Hand hat. Man trifft eine Entscheidung für den Partner, nicht dafür, dass er mich glücklich macht. Ich kann grundsätzlich glücklich sein durch den Glauben und die Liebe, die Gott mir gibt.

Sie glauben also nicht daran, dass es nur den einen richtigen Partner fürs Leben gibt?
Da bin ich sehr kritisch. Ich denke, Gott lässt uns ein gewisses Maß an Freiheit, mit welchem Partner man glücklich wird. (…)

Ellen Nieswiodek-Martin

Dies ist ein Auszug aus dem Interview mit Barbara Hänni in LYDIA 1/2018.

     

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