Gebet heißt nicht, nichts zu tun

 

 

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Gebet ist das Thema ihres Lebens: Jutta und Johannes Hartl haben das Augsburger Gebetshaus gegründet, in dem rund um die Uhr gebetet wird. Während ihr Mann inzwischen ein international gefragter Redner und Autor ist, organisiert Jutta Hartl den Familienalltag. Im Interview verrät die 40-jährige Mutter von vier Kindern, wann sie Zeit zur persönlichen Stille findet und wie sie mit unbeantworteten Gebeten umgeht.

Frau Hartl, Sie und Ihr Mann haben in Deutschland ein Gebetshaus ins Leben gerufen. Stimmt es, dass der Impuls damals von Ihnen kam?

Wir haben schon in unserer Jugendarbeit gemerkt: Wenn wir an den Wochenenden rund um die Uhr beten, passiert etwas. Johannes hatte früh die Vision von einem Haus, zu dem alle kommen können, um aufzutanken. 2005 sind wir nach Amerika geflogen, um uns ein Gebetshaus anzusehen. Am Anfang hat mich das befremdet. Ein paar Tage später saß ich dann im Gebetsraum und hatte klar das Gefühl, dass Gott sagt: „So ein Gebetshaus wünsche ich mir in Deutschland.“ Mein erster Gedanke war: Wenn ich das jetzt sage, macht Johannes das sofort! Erst zwei Tage später habe ich ganz vorsichtig gesagt: „Ich habe den Eindruck, dass wir in Deutschland so etwas machen sollten.“ Johannes ist die Kinnlade runtergefallen!
Als wir zurück waren, haben wir einigen Jugendlichen erzählt, was wir erlebt hatten. Und ganz schnell waren da 20 bis 30 junge Menschen, Gleichgesinnte, die gesagt haben: „Wow, so etwas wollen wir in Deutschland auch!“ So haben wir angefangen, dieses Gebetsmodell auszuprobieren. (…)

 

 

 


Johannes Hartl kommt zum Interview dazu.

Bei manchen ist das Thema „Gebet“ mit Enttäuschung und Frust verbunden. Wie gehen Sie mit unbeantworteten Gebeten um?

Johannes Hartl: Manche glauben, Gebet heißt, ich mache etwas und hoffe, dass ich etwas bekomme. Eine Beziehung, die da stehen bleibt, ähnelt der zwischen Kunde und Verkäufer. Kein Liebespaar würde sagen: „Was hat unser Gespräch heute an nachweisbarem Ergebnis gebracht?“ Es geht um die Beziehung an sich. Alles, was wir hier machen, dient dazu, ein Bild zu zeichnen von einem Gott, der schön ist um seiner selbst willen. Diesen Gott anzubeten ist schön – um seiner selbst willen.
Wir erleben auch Gebetserhörungen, aber sie sind nicht das Benzin im Motor des Gebets. Das, was das Gebet am Laufen hält, ist etwas anderes. Nicht erhörte Gebete sind trotzdem nicht leicht. Man muss sich durchkämpfen, um wieder Frieden mit Gott zu finden.

Jutta Hartl: Wenn man von Anfang an einen anderen Fokus beim Beten hat und nicht nur den Fokus: „Ich will jetzt erhört werden!“, dann ist auch die Enttäuschung nicht so groß. Wenn ich sagen kann: „Gott weiß, was er tut. Ich verstehe es nicht. Ich muss es vielleicht auch nicht verstehen. Aber ich kann darauf vertrauen, dass es trotzdem gut wird“, ist das ein großer Vertrauensakt gegenüber Gott. Ich gebe mich in seine Hände und er handelt. Dabei darf ich trotzdem konkret beten.
Gebete, die nicht erhört werden, sind schwer. Das kann einen wirklich aus der Bahn werfen. Wir selbst haben unser zweites Kind, Simon, in der 20. Schwangerschaftswoche verloren. Und wie viel hatten wir gebetet! Es war hart für mich, Gott danach wieder mein Vertrauen zu schenken. Es hat auch eine Zeit gedauert. Denn ich habe gemerkt: Eigentlich habe ich wirklich vertraut, dass alles gut wird. Und dann war mein Kind tot! Mir einzugestehen „Ich bin verletzt und es tut weh“ und trotzdem nicht zu sagen „Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben, Gott!“. Nach einer Weile habe ich aufgehört, nach dem Warum zu fragen, und stattdessen gebetet: „Was willst du mir sagen? Was willst du mir zeigen? Wie kann ich gut damit umgehen?“
Aber ich darf auch klagen. Ich darf sagen: „Gott, ich verstehe es nicht! Du siehst, wie verletzt ich bin. Bitte heile mich und sag mir, wie ich weitermachen soll!“ (…)

Saskia Barthelmeß
Dies ist ein Auszug aus dem Interview in Lydia 1/2017.

     

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