„Mein Beruf ist meine Berufung“

Interview mit Fritzi Bimberg-Nolte und Petra Pientka

 

 

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Fritzi Bimberg-Nolte leitet seit 66 Jahren die Autohausgruppe Gebrüder Nolte in Iserlohn. Seit 23 Jahren teilt sie sich die Leitung des Unternehmens mit ihrer Tochter Petra Pientka. Die beiden Frauen sind für neun Autohäuser und rund zweihundert Mitarbeiter verantwortlich, davon 40 Auszubildende. Wie die Zusammenarbeit zwischen Mutter und Tochter klappt und wie sie ihren christlichen Glauben als Unternehmerinnen im Alltag leben, erzählen die beiden im Gespräch mit LYDIA.

Frau Pientka, wollten Sie schon immer in das Familienunternehmen einsteigen oder hatten Sie auch mal andere Pläne?
Petra Pientka: Als ich in England BWL studiert habe, kam zum ersten Mal die Frage auf: Was ist wirklich mein Weg? Wo will Gott mich haben? Ich habe dann in Oxford zusätzlich Theologie studiert und ernsthaft überlegt, hauptamtlich für eine christliche Organisation zu arbeiten.
Als ich mich in der Studentenmission engagiert habe, wurde ich oft gebeten, Gruppen oder Projekte zu organisieren. Immer wieder stieß ich auf die Themen Leitung, Organisation, mit Menschen arbeiten. Irgendwann dachte ich: Siehst du nicht, dass Gott dich anstößt? Irgendwie hat Gott mein Herz in Richtung Heimat gedreht und mir gezeigt: Guck mal, da gibt es ein großes Missionsfeld in der Wirtschaft in Deutschland. Dort kannst du Gott die Ehre geben mit deinem Beruf.
Ich möchte bewusst als Christin in der Wirtschaft arbeiten und bin dankbar, dass ich das im Familienunternehmen tun darf, wo ich keinen Konzernchef über mir habe, der mir sagt: „Lassen Sie Ihre christliche Haltung mal weg.“

Wie war das, als Sie zu Hause in den Familienbetrieb eingestiegen sind? Ihre Mutter war ja seit 43 Jahren die alleinige Chefin.
Fritzi Bimberg-Nolte: Ich habe unserer Tochter vom ersten Tag an gesagt: „Pass mal auf, wir sind zwar Mutter und Tochter, aber im Betrieb sind wir Freundinnen.“ Ich habe auch ganz offiziell den Stab vom Vater an Petra übergeben, als Symbol, dass sie nun das Sagen hat. Ein paar Tage später fragte mich unsere Sekretärin: „Haben Sie die Chefin gesehen?“ Ich antwortete: „Ja, die ist in der Buchhaltung!“ Das fiel mir gar nicht schwer.
Petra Pientka: Du und Papa habt mir immer zu verstehen gegeben: „Petra, du bist wertvoll. Du kannst viel einbringen.“ So eine Wertschätzung! Vom eigentlichen Geschäft hatte ich ja keine Ahnung. Dann kam ich in den Betrieb, und wir haben eine neue Marke, Saab, aufgenommen. Dieses neue Autohaus habe ich eigenverantwortlich aufgebaut und geführt.
Fritzi Bimberg-Nolte: Da haben wir dich auch gelassen!
Petra Pientka: Nachdem ich ein Trainee-Programm für Nachwuchshändler absolviert hatte, dachte ich, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ich wollte ganz viel umstellen. Alte Zöpfe sollten abgeschnitten werden. Aber ich bin immer wieder auf die Nase gefallen, bis zu dem Punkt, wo ich Riesenzweifel hatte. Ich war aufgelöst, wütend und hilflos. Ich dachte, ich kann das nicht, ich will das nicht, ich geh hier weg, ich mach irgendetwas anderes! Da hat meine Mutter mich behutsam an die Hand genommen, und ich habe mir vorgenommen: So, jetzt gehorchst du nur noch deiner Mutter! Die weiß, wie es geht. Schritt für Schritt gab sie mir dann kleine Aufgaben. So konnte ich Erfolgserlebnisse sammeln und habe gemerkt, dass ich doch etwas einbringen kann. Dann ist der gegenseitige Respekt gewachsen. Ich musste aber auch lernen, dass ich keine Kopie meiner Mutter bin. Ich bin ich. Mutter hat ihre Art, zu arbeiten, zu führen, mit sich selbst und anderen umzugehen, und ich habe meine Art.

Ein so großes Unternehmen zu führen ist sicher nicht leicht. Es müssen ja auch die Finanzen stimmen …

Petra Pientka: Es sind zwei Pfeiler, die man als Führungskraft braucht. Zum einen das Handwerkszeug: Strukturen, Controlling, wie baue ich alles auf, wie delegiert man, wie erschließt man neue Märkte, welche Maßnahmen muss ich ergreifen. Zum anderen braucht man Persönlichkeit: Wie gehe ich mit anderen Menschen um? Wie sehe ich Menschen? Wenn ich mit einem Mitarbeiter oder einem Geschäftspartner spreche, sind das für mich in erster Linie menschliche Begegnungen. (…)

Ellen Nieswiodek-Martin
Dies ist ein Auszug aus dem Interview in Lydia 3/2017.

     

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