Gottes Pinselstriche in meinem Leben

Wie mein Traum vom Malen Wirklichkeit wurde

 

 

0 Kommentar

...
Was denken Sie?

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Ihre Anmerkungen, Anregungen und Gedanken zu diesem Artikel!

Kommentar schreiben

* Pflichtfeld

Das Abo von LYDIA

Alles Gute kommt…
per Post!

Ermutigendes, Bewegendes, Persönliches, auf das man sich freut – 4x im Jahr. Für nur 14 € zzgl. Versandkosten.

Mehr Infos

Vor einigen Jahren legte Gott seinen Finger auf meine Kreativität und half mir, mich selbst ernst zu nehmen mit meinen Gaben, aber auch Begrenzungen. Heute bin ich neben meinem Beruf als Lehrerin begeisterte Aquarellmalerin und darf diese Art der Malerei auch anderen vermitteln. In meiner „Maloase“ finden Kinder und Erwachsene Ruhe vom Alltag. Begabungen kommen zur Entfaltung, und in Gesprächen kann ich erzählen, was Gott in meinem Leben getan hat und immer noch tut.

Als ich zwei Jahre alt war, baute mein Vater erfolgreich sein eigenes Geschäft auf. Doch er verwirklichte seinen Traum auf Kosten seiner Familie, für die er kaum noch Zeit fand. Meine Mutter bekam gravierende psychische Probleme. Dies brachte ihr nicht nur die Ablehnung meines Vaters ein, sondern machte sie auch unfähig, sich um meine Bedürfnisse zu kümmern. Sie tröstete sich oft mit Alkohol. Der emotionale Mangel, den mein Bruder und ich erlebten, war enorm. Schließlich ließ mein Vater sich von meiner Mutter scheiden, als ich 14 Jahre alt war.
Es zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich fühlte mich unsichtbar, unsicher und litt an Menschenfurcht. Ich war es gewohnt, keine Aufmerksamkeit zu bekommen, doch jetzt war auch der letzte Rest Selbstwertgefühl zerstört. Die Diskrepanz zwischen meinem inneren Erleben und dem Bild, das ich nach außen hin aufrechterhalten wollte, wurde immer größer. Nach dem Abitur, während meines Freiwilligen Sozialen Jahres, ging mir die Puste aus. Ich hatte keine Kraft mehr, weiterzuleben.

Ganz oder gar nicht

Schon vor dieser Zeit lernte ich durch eine Freundin Jesus kennen und gab mein Leben in seine Hand. Die Gemeinde wurde mein Familienersatz, was mir sehr gut tat. Dennoch schienen alle anderen in einer „heilen Welt“ zu leben und ich fühlte mich oft nicht verstanden. So sah ich an diesem Tiefpunkt nur noch zwei Optionen: Entweder die Sache mit Gott funktioniert, oder ich setze meinem Leben ein Ende.
Dass ich noch am Leben bin und hier meine Geschichte aufschreibe, zeigt, dass Gott Realität ist. Seit diesem Tag kam es mir nie mehr in den Sinn, an seiner Existenz zu zweifeln. Jesus zeigte mir das Wesen des himmlischen Vaters, das voller Liebe und Fürsorge ist.
Meine Situation änderte sich nicht von heute auf morgen, aber ein Weg der Heilung und Wiederherstellung begann. Es half mir, meine Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben. Auch Bücher haben mein Leben stark geprägt, an erster Stelle das Wort Gottes, die Bibel. Jesus wurde – und ist bis heute – mein engster Vertrauter. Er bietet die besten Lösungen an und hat alle Möglichkeiten, diese auch umzusetzen.

Neue Schritte wagen

Zur richtigen Zeit traten die richtigen Menschen in mein Leben. So kam ich langsam aus diesem Schlammloch heraus. Wie ein Samenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, führte Gott mich durch einen inneren Zerbruch, bevor ich wachsen und zur Entfaltung kommen konnte. Ich machte eine Ausbildung zur Krankenschwester; danach wollte ich Grafikdesign studieren. Leider wurde zu diesem Zeitpunkt nichts daraus. So begann ich in meiner Freizeit mit der Aquarellmalerei. Diese faszinierte mich wegen der zarten Farben, der Transparenz und der spontanen Farbverläufe.
Eines der größten Geschenke, die Gott mir machte, war meine Familie. Meinen Mann lernte ich bei „Jugend mit einer Mission“ kennen. Unsere beiden Söhne zu erziehen und zu begleiten betrachte ich als großes Vorrecht. Durch meine Heirat und die Kleinkindphase stagnierte das kreative Arbeiten, bis ich auf die Idee kam, eine Wanddekoration für das Kinderzimmer zu malen. Aus Kinderbildern wurden Bildergeschichten. Ich konnte das Malen nicht lassen und griff in jeder freien Minute zum Pinsel – wenn ich nicht gerade ein Buch in den Händen hielt.
Rick Warrens Buch „Leben mit Vision“ inspirierte mich, meine erste Ausstellung zu Hause zu veranstalten. Bilderverkäufe waren die Folge und ermutigten mich. Bei der Vernissage meiner ersten öffentlichen Ausstellung erwog ich ernsthaft, das Gebäude durch die Hintertür zu verlassen. Es fühlte sich an wie sterben, da ich es hasste, im Mittelpunkt zu stehen, und damit sehr schlecht umgehen konnte.

Türen öffnen sich

Schließlich konnte ich doch noch ein Fernstudium in Grafikdesign machen. Gott führte mich Schritt für Schritt. Ein Frauenkreis wurde auf mich aufmerksam und fragte, ob ich nicht einen Frauenabend mit Aquarellmalerei anbieten wolle. Danach erkundigten sich mehrere Teilnehmerinnen, ob ich Aquarellkurse anbieten würde. Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. In der Zwischenzeit engagierte mich die Förderschule für eine Kreativ-AG. Nie werde ich den Moment vergessen, als ich zum ersten Mal in dem Werkraum stand, in dem die AG stattfinden sollte. Ich wusste: Hier war ich am richtigen Platz!
Wieder bewegte mich der Gedanke an Malkurse. Bereits seit einem Jahr lag das Skript eines ausgearbeiteten Aquarellkurses in meiner Schreibtischschublade. Aber es fehlte ein Raum. In unserer Straße gab es einen kleinen leer stehenden Laden. Wir überschlugen die Kosten. Der Schritt, zu dem Gott mich herauszufordern schien, glich dem Gehen in viel zu großen Schuhen. Doch ich dachte mir: Wenn Kinder wachsen, benötigen sie in regelmäßigen Abständen neue Schuhe. Die alten beginnen zu drücken. Leben bedeutet Wachstum!

Oase der Kreativität

Schon lange träumte ich davon, ein Geschäft mit dem Namen „Maloase“ zu eröffnen, in dem ich Malkurse halten und meine Bilder zum Verkauf anbieten konnte. Jedoch überkam mich ein übermächtiges Gefühl der Unzulänglichkeit. Mein Mann gab den Ausschlag, es doch zu wagen, indem er sagte: „Selbst wenn du scheiterst, hattest du wenigstens den Mut, es zu versuchen und musst nicht ein Leben lang überlegen, was gewesen wäre, wenn du es gewagt hättest.“ Das überzeugte mich.
Inzwischen bin ich in die neuen Schuhe hineingewachsen. Es begeistert mich, bei anderen Begabungen freizulegen und sie zu ermutigen. Es ist kostbar, eine „Oase in der Wüste des Alltags“ anzubieten, in der Menschen abschalten können. Ermutigung ist mein Hauptwerkzeug und bringt Erstaunliches zum Vorschein. Wir haben einen Gott, der rettet und unser Leben zur Entfaltung bringen möchte. Man kann nichts Besseres mit diesem Leben anfangen, als es in seine Hände zu legen und anderen Menschen mit den Gaben zu dienen, die Gott gegeben hat.

Birgit Steinert ist ausgebildete Krankenschwester, Lehrerin und Künstlerin. Dieser Artikel erschien erstmalig in LYDIA 3/2017.

     

Logo lydia.net