Worte finden. Mich finden. Gott finden.

 

 

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Schon als Kind fing ich an zu schreiben – und habe bis heute nicht damit aufgehört. Mein Tagebuch ist mein Wegbegleiter, der mir den Weg zu mir selbst und zu Gott weist.

Schreiben ist für mich eine Art, Dinge zu verarbeiten, weil ich sie ganz anders ausdrücken kann als im Mündlichen. So war mir das Schreiben oft eine wertvolle Hilfe, um Worte für das zu finden, wofür ich im Gespräch keine fand. Besonders das Tagebuchschreiben ist für mich wichtig. Es ist eine Art „Psychohygiene“. Wenn ich schreibe, finde ich heraus, was mich wirklich beschäftigt. Das hilft mir sehr. Schon früh habe ich das erkannt. Kaum konnte ich schreiben, habe ich Gedichte geschrieben – einfach so für mich. Mit dem Tagebuchschreiben habe ich begonnen, als ich ein Teenager war. Oft schrieb ich aus Situationen heraus, in denen ich mich überfordert fühlte. Wenn ich mit mir selbst und meinem Leben nicht klarkam, hat mir das Schreiben geholfen. Es war für mich wie ein Begleiter, ein Freund. Ich ahne erst heute, wie wertvoll es war, dass ich Dinge, an denen ich litt, formulieren konnte. Wenn ich etwas niedergeschrieben habe, konnte ich Distanz dazu gewinnen und es letztlich ablegen. Noch heute spüre ich manchmal, wie sich das innere Chaos in mir löst, wenn ich schreibe. Die Probleme und Themen, die mich beschäftigen, werden dadurch greifbar und können sortiert werden. Schreiben ist deshalb wie inneres Aufräumen für mich!

Der Blick in Tagebücher verändert mich

Ich staune immer wieder, wenn ich später noch einmal in meinen alten Tagebüchern lese. Wie oft gibt es Dinge im Leben, mit denen ich kämpfe. Ich habe dann das Gefühl, selbst aktiv werden zu müssen, damit sich etwas ändert. Das kann in Bezug auf eine Charaktereigenschaft sein, die ich an mir nicht mag, oder äußere Umstände, in denen ich mich hilflos fühle. Wenn ich im Rückblick lese, wie sich etwas verändert hat, ohne dass ich selbst etwas dazu beigetragen habe, dann staune ich. Es zeigt mir, dass ich immer in einem Prozess der Veränderung bin. Wenn ich meine Tagebücher lese, erkenne ich den roten Faden meines Lebens. Ich bekomme wieder einen Blick für das große Ganze.

Schreibend in Gottes Nähe

Oft schreibe ich betend. Das ist meine innigste stille Zeit mit Gott. Ich kann alle Gedanken vor ihm ausbreiten und mich den Abgründen meiner Seele stellen. Ich versuche, schonungslos zu ergründen, was hinter meinen Gedanken und Gefühlen steckt. Wenn ich dabei an meine Grenzen komme, halte ich meine Hilflosigkeit Gott hin. Dann bitte ich ihn um Hilfe und frage, was ich machen soll. Oft endet ein Tagebucheintrag mit einem Gebet. Schreiben ist für mich eine Form von stiller Zeit, die ich als solche anfangs gar nicht erkannt habe. Aber wenn ich schreibe, findet der intensivste Prozess in meinem geistlichen Leben statt.
Leider bin ich schlecht im regelmäßigen Schreiben. Als berufstätige Frau mit Familie fehlt oft die Zeit. Vielleicht klappt es mal phasenweise, aber es kann auch passieren, dass ich eine Weile gar nicht schreibe. Ich schreibe einfach, wenn ich spüre, dass es dran ist. Dann schreibe ich allerdings so tiefgehend und viel, dass schnell ein paar Seiten voll sind. Ich schreibe sehr gerne in der Nacht, weil ich dazu Ruhe brauche. Ich darf nicht das Gefühl haben, zeitlich limitiert zu sein. Bis ich an dem Punkt ankomme, an dem ich meiner Seele Luft verschaffen kann, braucht es mehr als nur eine halbe Stunde.

Debora Sommer ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und arbeitet als Autorin und Referentin. Dieser Artikel erschien in LYDIA 1/2017.

     

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